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Wirtschaft | Di, 17.03.2015 08:15

Gender Pay Gap in Führungspositionen: Frauen verdienen 22 Prozent weniger als Männer

Der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern hat etwas abgenommen, liegt aber nach wie vor auf hohem Niveau: Im Jahr 2013 erhielten in Vollzeit angestellte Frauen in Führungspositionen der Privatwirtschaft mit 22 Prozent rund ein Fünftel weniger Bruttogehalt als Männer mit solchen Tätigkeiten. Im Jahr 2012 lag die geschlechtsspezifische Verdienstlücke, der sogenannte Gender Pay Gap, bei 24 Prozent, im Jahr 2002 bei 26 Prozent. Das zeigen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) anlässlich des Equal Pay Day am 20. März.


„Die Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und ihre höhere Belastung, Familien- und Berufsleben zu vereinbaren, sind wichtige Gründe für den Gender Pay Gap, die unsere Gesellschaft dringend beheben muss“, erklärt Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies. Der Verdienstunterschied zwischen allen in Vollzeit erwerbstätigen Frauen und Männern insgesamt lag bei den Bruttostundenlöhnen nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2013 bei 17 Prozent.

Während Männer in Führungspositionen (einschließlich Fachkräfte in hochqualifizierten Tätigkeiten) den Berechnungen zufolge im Jahr 2013 durchschnittlich rund 5.100 Euro verdienten, waren es bei Frauen durchschnittlich 4.000 Euro. Diese Differenz von mehr als einem Fünftel lässt sich kaum durch kürzere Arbeitszeiten von Frauen erklären: Vollzeitbeschäftigte Frauen in Führungspositionen arbeiteten mit durchschnittlich 45,4 Stunden nur rund anderthalb Stunden oder drei Prozent weniger als vollzeitbeschäftigte Männer. Auch die Geschlechtstypik der ausgeübten Berufe, also die Frage, ob es sich eher um Frauen-, Misch- oder Männerberufe handelt, ist nicht die Ursache für den Gender Pay Gap bei Führungskräften.

Vielmehr spielt die Berufserfahrung für das Einkommen von Führungskräften eine zentrale Rolle. Frauen leisten in Partnerschaften noch immer einen größeren Teil der Familien- und Hausarbeit und unterbrechen ihre Erwerbsarbeit viel öfter als Männer oder sind in Teilzeit beschäftigt. Dies gehe einher mit der Zuschreibung geringerer Kompetenz- und Leistungserwartungen und münde oft in sogenannter statistischer Diskriminierung von Frauen am Arbeitsmarkt und bei der Besetzung von Top-Positionen, argumentiert die Ökonomin. „Um gleiche Verdienstchancen von Frauen und Männern zu fördern, ist auch mehr Transparenz nötig“, so Holst. „Oft sind der übliche Verdienst, Boni oder andere Prämien insbesondere für hohe Positionen nicht bekannt, so dass betroffene Frauen kaum wissen, dass sie hinsichtlich des Verdienstes unter ihrem Potential bleiben.“

(Redaktion)