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KMU & Freiberufler | Di, 08.07.2014 13:55

Gesellschaftliche Verantwortung in Unternehmen häufig noch Stückwerk

Deutsche Unternehmen haben noch erheblichen Nachholbedarf dabei, gesellschaftliche Verantwortung strategisch und praktisch umzusetzen. In 73 Prozent der Unternehmen befürworten zwar Vorstand und Geschäftsführung Aktivitäten, mit denen sie gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Allerdings integrieren lediglich 39 Prozent der Betriebe Corporate-Responsibility-Maßnahmen in ihre Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsketten. Dies geht aus dem erstmals aufgelegten CRI Corporate Responsibility Index der Bertelsmann Stiftung hervor.


Der Index bewertet nicht nur, wie verantwortlich Unternehmen handeln, sondern fragt auch danach, wie diese Verantwortung unternehmensintern verankert, gelebt und umgesetzt wird. Während in vielen Unternehmen die „gesellschaftliche Verantwortung“ oftmals nur fragmentarisch gelebt wird, ist sie in zehn Prozent der untersuchten Betriebe nahezu überall Bestandteil der Gesamtstrategie. Was die Besten auszeichnet: Das Top-Management trägt diese Strategie, CR ist Aufgabe hoher Leitungsfunktionen, eine Wertekultur ist in allen Unternehmensbereichen erkennbar, CR-Ziele sind klar definiert, und die Zielerreichung wird gemessen.

Die Motive für CR-Aktivitäten sind in erster Linie von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Im Vordergrund stehen die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern und damit die Erschließung von Absatz- und Arbeitsmärkten. Weitere Gründe sind, sich von der Konkurrenz abzuheben und das eigene Image zu verbessern. 62 Prozent der Unternehmen bezeichnen Corporate Responsibility als wichtig oder sehr wichtig für den betriebswirtschaftlichen Erfolg und für strategisch bedeutsam. Erst 42 Prozent der Unternehmen verfügen jedoch bereits über eine ausformulierte CR-Strategie, die Teil der Gesamtstrategie ist.

Als Treiber für CR-Aktivitäten immer bedeutender wird das Thema Ressourcen-Effizienz. Haben Unternehmen ihre Innovationskraft früher auf die Produktivität von Arbeit konzentriert, geht es heute vielfach stärker darum, schonend mit Ressourcen umzugehen. Als häufigstes Ziel von CR-Aktivitäten nennen die Unternehmen die Reduktion ökologischer Belastungen (67 Prozent), die Wirkung ist meist gut messbar und hilft, Kosten zu sparen. Der schonende Umgang mit der Ressource Arbeitskraft ist ebenfalls wichtig. 53 Prozent der Unternehmen verfolgen das Ziel, Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitgeberattraktivität (39 Prozent) zu steigern.

Vor allem die Kunden üben deutlichen Druck aus auf die Unternehmen im produzierenden Gewerbe, bei Konsumgütern und im Bereich Transport und Logistik. In der Finanzbranche steigt vor allem der Druck der Investoren auf die Unternehmen, gesellschaftlich verantwortlich zu handeln. „Unternehmen sollten sehr viel stärker mit ihren wichtigen Partnern und Kunden in Dialog treten, um die CR-Aktivitäten zielführend zu gestalten. Denn je besser sie deren Erwartungen entsprechen, desto höher ist die Akzeptanz“, sagte Birgit Riess, Expertin der Bertelsmann Stiftung für das Thema Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen.

(Redaktion)