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Vermischtes | Di, 13.05.2014 13:27

Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Baden-Württemberg stark

Die Menschen in Baden-Württemberg halten besonders eng zusammen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung, die untersucht, wie sich in Deutschland seit der Wiedervereinigung die sozialen Beziehungen zu anderen Menschen, die emotionale Verbundenheit mit dem Gemeinwesen und die Orientierung am Gemeinwohl entwickelt haben. Das „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt“ zeigt, dass während der vergangenen 25 Jahre nicht nur in Baden - Württemberg, sondern in Deutschland insgesamt der Zusammenhalt gewachsen ist. Allerdings hat der Abstand zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern weiter zugenommen.


Deutlich wird die gute Platzierung Baden-Württembergs direkt hinter Spitzenreiter Hamburg in vielen der 31 Indikatoren, die die umfangreiche Vergleichsstudie ausgewertet hat. Die Daten hat ein Forscherteam aus Sozialwissenschaftlern der privaten Jacobs University Bremen neun Dimensionen zugeordnet, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland seit 1990 zu beschreiben. In drei dieser neun Dimensionen gehört Baden-Württemberg zur Spitzengruppe, in den übrigen sechs zeigt das Land zumeist überdurchschnittliche Werte.

In keinem anderen Bundesland vertrauen die Bürger einander so stark wie in Baden-Württemberg. Ein ähnlich hohes Vertrauen in Mitmenschen findet sich nur noch in den drei Stadtstaaten und Bayern.

Auch bei der Solidarität und Hilfsbereitschaft liegen die Baden-Württemberger weit vorne. Anteilig mehr Bewohner als in allen anderen Bundesländern geben an, häufig ehrenamtlich tätig zu sein. Während durchschnittlich 73 Prozent der Bundesbürger die Ansicht vertreten, die meisten Menschen kümmere es nicht, was ihren Mitmenschen geschieht, sagen das nur 70 Prozent in Baden-Württemberg. Nur in Bayern liegt dieser Wert noch niedriger (69 Prozent).

Hinter den drei Stadtstaaten und Niedersachsen ist Baden-Württemberg das Bundesland mit der größten Akzeptanz von gesellschaftlicher Vielfalt. Zwar ist hier, wie in fast allen westdeutschen Ländern die Toleranz gegenüber Homosexualität deutlich gestiegen, jedoch gestaltet sich der Umgang mit Zuwanderern ambivalent. Die Bürger akzeptieren gesellschaftspolitisches Engagement von Ausländern, sind aber immer seltener damit einverstanden, wenn diese ihren traditionellen Lebensstil pflegen.

Diese nachlassende Akzeptanz von kultureller Vielfalt erscheint unbegründet, denn die Studie zeigt: In den Bundesländern mit den höchsten Ausländeranteilen halten die Bürger am engsten zusammen.

„Offenbar empfinden noch immer viele Deutsche Zuwanderungen als Bedrohung. Wir sollten stattdessen Vielfalt als Chance begreifen“, sagt Liz Mohn, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung.

Mit ihrer Analyse, welche Einflussgrößen entscheidend sind für den Grad des Zusammenhalts in einer Gesellschaft, liefert die Studie auch Erklärungen, warum die ostdeutschen Länder den Abstand zu Westdeutschland noch nicht verringern konnten: "Je höher das Bruttoinlandsprodukt eines Bundeslandes, je niedriger das Armutsrisiko, je urbaner das Wohnumfeld und je jünger die Bevölkerung, desto höher der Zusammenhalt", fasst Kai Unzicker zusammen. Damit bestätigt die Studie, dass Wirtschaftskraft und Wohlstand förderlich sind für das innere Gefüge einer Gesellschaft. Das war bereits das Ergebnis des letztjährigen Radars, das den Gemeinsinn in mehr als 30 Staaten untersucht hatte. Der innerdeutsche Vergleich zeigt nun zusätzlich, dass auch ein städtisches Umfeld und eine positive demographische Entwicklung helfen, eine Gesellschaft zusammenzuhalten.

(Redaktion)