Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Do, 09.08.2012 08:33

Global Economic Outlook: Auswirkungen der Euro-Krise weltweit spürbar

Der aktuelle "Global Economic Outlook" von Deloitte zeigt, dass die europäische Schuldenkrise das größte Hemmnis für die Erholung der Weltwirtschaft ist. Durch die Instabilität der Euro-Zone werden Wirtschaftsaktivitäten minimiert. Gleichzeitig erhöht sich die Unsicherheit auf den Finanzmärkten. Trotz des positiven wirtschaftlichen Klimas in Deutschland gibt bereits Anzeichen für ein Übergreifen der Krise auf die Bundesrepublik.


Die USA kämpft mit Ansteckungseffekten der Euro-Krise, sowie mit großen strukturellen Problemen, die das Wachstum schwächen. Großbritannien leidet unter geringem Wachstum und einem Einbruch des Bruttosozialprodukts. China sucht momentan nach der Balance, um Rezession und problematische Bankenbilanzen auszugleichen. Die japanische Wirtschaft schwankt zwischen Auf- und Abschwung, während die extreme Inflation in Indien das Wachstum hemmt. Trotz starker Konsumentennachfrage ist Russland eng an das Schicksal Europas und Chinas gebunden. Brasiliens Exporte gehen weiter zurück und der hohe Schuldenstand bedroht die Produktnachfrage zusätzlich.

„Die politischen Entscheidungsstrukturen der EU bestimmen das Krisenmanagement und die Aussichten für umfassende Lösungen. Tiefgreifende Reformen in der EU haben historisch betrachtet immer sehr viel Zeit gebraucht. Reformen werden voraussichtlich nur in kleinen Schritten möglich sein. Dies ist aber nicht unbedingt schlecht, solange sie in die richtige Richtung zielen“, erläutert Dr. Alexander Börsch, Leiter Research bei Deloitte.

Die Krise in der Euro-Zone und Großbritannien hat sich nochmals verschärft und bedroht die Existenz der Währungsunion. Dies hat neben den wirtschaftlichen auch politische Gründe. Die Turbulenzen in Griechenland mit dem Erstarken der radikalen Linken, die Bankenkrise in Spanien und die Zinsentwicklungen in Italien und Spanien verunsichern die Märkte. Das Wachstum in der Euro-Zone stagniert, während die Arbeitslosenzahlen mit 11 Prozent im Durchschnitt den höchsten Wert in der Geschichte der Euro-Zone erreichen. Hinter diesem Durchschnittswert verbergen sich weniger als 4 Prozent Arbeitslosigkeit in Österreich und über 24 Prozent in Spanien.

Der generell negative Trend trifft auch auf Großbritannien zu. Die britische Wirtschaft befindet sich seit 2008 in einer Rezession. Das Bruttosozialprodukt (BSP) brach um 4,3 Prozent ein, während die Preise für Konsumgüter um bis zu 16 Prozent anstiegen. Die Aussichten auf eine schnelle Erholung sind dementsprechend gering.

Die Folgen der Euro-Krise beeinflussen die US-Wirtschaftsentwicklung massiv, da beide Regionen eng miteinander verwoben sind. Vor allem der amerikanische Export in die Euro-Zone leidet unter der europäischen Rezession. Auch amerikanische Großbanken sind von der Krise betroffen und sehen schweren Zeiten entgegen. Ein weiteres Problem der Vereinigten Staaten sind die inneren strukturellen Probleme, nicht zuletzt auf dem Arbeitsmarkt: Geschaffene Arbeitsplätze passen häufig nicht zu den Fertigkeiten der potenziellen Arbeitnehmer oder entstehen an Orten mit einer ohnehin niedrigen Arbeitslosenquote. Die Wirtschaftsleistung stagniert seit einem Jahr bei unter zwei Prozent Wachstum.

Die Situation der BIC-Staaten ist ebenfalls problematisch. China ist momentan stabilster BIC-Staat. Zwar hat sich das Wirtschaftswachstum merklich abgekühlt, da Exporte in die Euro-Zone stark geschrumpft sind, die Ausfuhr in die USA wurde aber um 23 Prozent gesteigert. Allerdings sind chinesische Lokalregierungen stark bei den Staatsbanken verschuldet - ein weiterer Wachstumshemmer. Der Ausblick für China ist dennoch positiv. Auch Brasilien spürt die Auswirkungen der Euro-Krise: Die Regierung fürchtet eine zunehmende Kapitalflucht und Währungsentwertung. Zudem ist der Industriesektor in einer Schwächephase. Das positive Konsumentenverhalten der Bürger und die bevorstehenden Großveranstaltungen Fußball-WM und Olympische Spiele 2014 stehen dem gegenüber. Indien fällt gegenüber China und Brasilien deutlich ab. Die Wirtschaft steckt seit Jahren in einer hausgemachten Krise. Indien benötigt marktwirtschaftliche Reformen, um Rezession und Inflation in den Griff zu bekommen.

Gegenüber den Vergleichsstaaten präsentiert sich Russland ziemlich stabil, dank hoher Kaufkraft und niedriger Inflation. Die starke Abhängigkeit von den Absatzmärkten Europa und China sowie die Schwankungen der Ressourcenpreise machen Russlands Wirtschaft anfällig. Die Auswirkungen der Euro-Krise und der sinkenden Wirtschaftskraft Chinas werden künftig Russland daher besonders treffen. Japan blickt auf ein sehr starkes erstes Halbjahr 2012 mit einem Wachstum des Bruttosozialprodukts von 4,1 Prozent zurück. Trotz eines Schuldenstands von über 200 Prozent des BSP wird Japan als geeigneter Anlageort betrachtet. Das treibt den Yen-Kurs in die Höhe und dämpft weiter die Exporte.

„Die Euro-Krise geht nun in ihr drittes Jahr. Die Kombination von drei Krisen - Schulden-, Banken-, und Wachstumskrise - verhindert schnelle Lösungen. Während eine Konsolidierung der Staatshaushalte unumgänglich ist, ist das Design der Konsolidierungsprogramme entscheidend für ihren Erfolg und die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum“, fasst Dr. Alexander Börsch zusammen.

(Redaktion)