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Wirtschaft | Di, 25.10.2011 11:32

Global Economic Outlook: Schuldenkrise sorgt für trübe Aussichten

Der aktuelle Global Economic Outlook von Deloitte sieht für 2012 eine deutliche Wachstumsverlangsamung in der Euro-Zone, den besonders hoch verschuldeten Staaten droht sogar eine Rezession. Die Aussichten für Deutschland wie auch Frankreich hängen neben den Entwicklungen in Europa auch von der Nachfrage der BRIC-Staaten ab: Solange hier kein Einbruch droht, wird die Wirtschaft auch im nächsten Jahr weiter wachsen. Jedoch dürfte das Wachstum in Deutschland die Ein-Prozent-Marke kaum überschreiten.


Insgesamt sind es vor allem zwei Faktoren, die einen negativen Einfluss auf die stabileren Staaten der Euro-Zone haben: Die Nachfrage in den wichtigsten Exportmärkten sinkt. Gleichzeitig herrscht eine generelle Vertrauenskrise, die sich auf die Binnennachfrage auswirkt.

Nahezu unausweichlich scheint ein Abrutschen der USA in eine Rezession, während China sein Wachstum verlangsamt. Indien, das mittelfristig ebenfalls von der Negativentwicklung der westlichen Exportpartner betroffen ist, kämpft aktuell vor allem mit Inflation. Japan hingegen steht vor einem konjunkturellen Zwischenhoch, ohne seine grundlegenden strukturellen Probleme lösen zu können.

Selbst bei den getrübten Konjunkturprognosen steht Deutschland bislang vergleichsweise gut da - die Wachstumsschätzung für das laufende Jahr ist erst kürzlich von 2,6 auf 2,9 Prozent angehoben worden. Die weitere Entwicklung hängt zu großen Teilen von der Nachfrage in den Zielmärkten der exportorientierten deutschen Wirtschaft ab: Neben den Staaten der Euro-Zone sind dies vor allem die Schwellenländer. Verlangsamen sich dort Wachstum und Nachfrage, macht sich dies schmerzhaft bemerkbar. Wahrscheinlich wird das deutsche Wachstum im nächsten Jahr unter einem Prozent liegen.

Als Teil der Euro-Zone trägt Deutschland die durch die Schuldenkrise bedingten Risiken mit. Die mehrfache Erweiterung des Rettungsschirms sowie die permanente Gefahr eines Bankrotts der Schuldenstaaten sind Auslöser einer allgemeinen, länderübergreifenden Vertrauenskrise. Diese wirkt sich auf die Wirtschaft aller EU-Länder aus. Während das Wachstum der gesamten EU-Zone im Jahr 2011 noch bei 1,6 Prozent liegen wird, so steht für 2012 deutlich weniger zu erwarten. Das betrifft nicht nur die Staaten der Euro-Zone, auch Großbritanniens Wirtschaft wird in absehbarer Zeit nicht nennenswert zulegen.

Die USA sind für die EU und vor allem Deutschland ein wichtiger Handelspartner. Entsprechend betrifft ihre Entwicklung auch die heimische Exportwirtschaft. Die Zeichen stehen nicht gut für die US-Ökonomie: Alles deutet auf eine kommende Rezession hin. Die Arbeitslosenquote ist hoch, die Binnennachfrage entsprechend niedrig. Den Banken droht ein Liquidity Crunch und das BIP liegt bei unter zwei Prozent. Experten erwarten den Beginn einer Rezessionsphase noch in diesem Jahr.

Trotz aller Unterschiede haben aufstrebende Märkte wie in China, Indien oder Brasilien ein gemeinsames Problem: die Inflation. Sie bedroht die Existenz ganzer Bevölkerungsschichten und damit den inneren Frieden. In China wird sich zudem das bis zuletzt hohe Wachstum deutlich abschwächen, hinzukommen unter anderem die enormen Schulden der Provinzregierungen, die den Bankensektor belasten. In Indien scheint das Wachstum trotz steigender Zinsen (moderat) stabil, jedoch sinken die privaten Investitionen und auch der Dienstleistungssektor wächst kaum noch. In Brasilien hingegen scheint die Inflation weniger bedrohlich: Hier sinken die Zinsen - dennoch wird auch dort ein geringeres Wachstum erwartet.

Nach Jahren des Nullwachstums belebt sich durch die Aufbauarbeiten vorübergehend die Konjunktur in Japan. Eine Belastung für den Export ist hingegen der starke Yen. Steigende Verbrauchssteuern dämpfen die Binnennachfrage. Dennoch kann Japan im Jahr 2012 stärker wachsen als die EU oder die USA. Langfristig bestehen unverändert zahlreiche Risiken, unter anderem bedingt durch die enormen Staatsschulden, die Demografie sowie die hohe Sparquote.

"Wie sich die Schuldenkrise und die damit verbundene Konjunkturflaute in der westlichen Hemisphäre entwickeln werden, ist derzeit schwer vorherzusagen. Viel hängt von einer nachhaltigen Lösung für Europa ab. In der Zwischenzeit sind Schwellenländer die wichtigsten Stützen der Weltwirtschaft - ob deren sich ebenfalls abschwächendes Wachstum aber ausreicht, bleibt abzuwarten", erklärt Dr. Elisabeth Denison, Director Corporate Development & Strategy bei Deloitte.

(Redaktion)