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Vermischtes | Mi, 23.02.2011 10:13

Große Mehrheit für einheitliches Bildungssystem in Deutschland

Die überwältigende Mehrheit der bisher über 150.000 Teilnehmer an der Bürgerbefragung ?Zukunft durch Bildung? fordert mehr Einheitlichkeit und Mut zur Veränderung im deutschen Bildungswesen. So lautet das überraschend deutliche Zwischenergebnis der Umfrage. Bisher sprechen sich neun von zehn Befragten für einheitliche Abschlussprüfungen in ganz Deutschland aus. Nicht einmal 20 Prozent finden, dass die Konkurrenz zwischen den Bundesländern für eine höhere Qualität des Bildungssystems sorgt. Fast 80 Prozent der bisherigen Teilnehmer halten die Veränderungsbereitschaft der Politik beim Thema Bildung für gering oder sehr gering.


Die Kritik am Bildungsföderalismus ist bei fast allen Teilnehmern der Befragung deutlich, unabhängig von Alter oder Bildung. "Wir brauchen nur ein Schulministerium, nicht 16", findet sich häufig als Antwort auf die Frage nach den größten Problemen im deutschen Bildungswesen, ebenso: "uneinheitlicher Lehrstoff und unterschiedliche Prüfungsstandards in den einzelnen Bundesländern".

Die pessimistische Einschätzung der Veränderungsbereitschaft in der Politik steigt mit zunehmendem Alter der Befragten und gilt unabhängig von persönlichem Bildungsniveau oder Einkommen der Teilnehmer. "Politiker, die in jedem zweiten Satz das Wort Bildung in den Mund nehmen, aber nichts dafür tun", ist der Tenor vieler Antworten. Dagegen schneiden die Lehrer deutlich besser ab. Ihnen traut noch über die Hälfte den Mut zu Veränderungen zu. Obwohl auch mangelnde Leistungsanreize für engagierte Lehrer beklagt werden: "Schulleiter können ihre Konzepte nur ungenügend oder gar nicht umsetzen, weil sie keinen Einfluss auf die Auswahl ihrer Kollegen haben", kommentieren viele Teilnehmer. Besonders veränderungsbereit sind nach Einschätzung von knapp drei Viertel der Befragungsteilnehmer die Eltern.

"Die Zeit scheint reif für grundlegende Veränderungen", stellt Torsten Oltmanns, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants, fest. "Unsere Umfrage wirft die Frage auf, ob der bestehende Bildungsföderalismus wirklich noch zukunftsfähig ist."

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, kommentiert: "Die bisherigen 150.000 Teilnehmer unserer Umfrage sind bereit für Veränderungen im Bildungssystem. Das ist ein Zeichen, dass wir die notwendigen Reformen anpacken können."

Die Umfrage läuft noch bis zum 6. März. Unter www.bildung2011.de kann jeder mitmachen. Nach Auswertung aller Fragebögen durch TNS Infratest werden die endgültigen Ergebnisse der Befragung am 17. März 2011 bei einer Pressekonferenz in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

(Redaktion)