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Wirtschaft | Do, 23.04.2009 10:17

Gründungsgeschehen 2008 in Deutschland

Rund 399.000 Existenzgründungen und rund 412.000 Liquidationen im Jahr 2008 / Gründungssaldo im Jahr 2008 erstmals seit Mitte der 1970er Jahre negativ / Zunahme der Gründungen sowie der Unternehmensinsolvenzen für 2009 erwartet


Nach neuesten Berechnungen des IfM Bonn belief sich die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland im Jahr 2008 auf rund 399.000. Sie ist damit um 6,2 % im Vergleich zum Vorjahr gesunken und erreicht den niedrigsten Stand seit 1990.

Die Zahl der Betriebsgründungen mit einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung (sog. Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen mit entweder einem Eintrag ins Handelsregister oder in die Handwerksrolle oder mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten) ist dabei lediglich um 2,9 % auf rund 97.000 zurückgegangen. Stärker war der Rückgang bei den Kleinbetriebsgründungen mit -7,4 %. Die rückläufige Entwicklung im Gründungsgeschehen insbesondere im kleinbetrieblichen Bereich lag vor allem in der guten konjunkturellen Lage in den ersten drei Quartalen des Jahres 2008 und der damit verbundenen vergleichsweise geringen Arbeitslosigkeit begründet. So haben weniger Arbeitslose den Schritt in die Selbstständigkeit vollzogen und stattdessen, wie andere Erwerbstätige auch, die abhängige Beschäftigung einer Existenzgründung vorgezogen.

Der Anteil der Frauen, die eine Existenzgründung anmeldeten, lag im Jahr 2008 bei 33,2 % und ist damit geringfügig höher als in den letzten fünf Jahren, in denen sich der Wert zwischen 32,6 % und 32,9 % bewegte.

Auch die Zahl der Liquidationen ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken, allerdings nur um 0,8 % auf rund 412.000. Zum Ende des Jahres 2008 zeichnen sich jedoch erste Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das Gründungs- und Liquidationsgeschehen ab. So ist die Zahl der Existenzgründungen im 4. Quartal 2008 mit 3,8 % weniger stark zurückgegangen als in den ersten drei Quartalen (-6,9 %). Zugleich stieg die Zahl der Liquidationen im 4. Quartal 2008 gegenüber dem Vorjahr um 1,8 % an (1. bis 3. Quartal 2008: -1,6 %). 

Der Gründungssaldo (Differenz aus Gründungen und Liquidationen) hat sich verglichen mit dem Vorjahr um 23.200 verringert und beträgt nunmehr rund -12.500. Dieser Rückgang ist vor allem auf den kleingewerblichen Bereich zurückzuführen, in dem rund 33.800 Gewerbe mehr ab- als angemeldet wurden. Die positive Entwicklung im Bereich der Hauptniederlassungen - hier waren 11.500 mehr An- als Abmeldungen zu verzeichnen - konnte diesen Negativsaldo nicht ausgleichen. Die größte Fluktuation fand im Handel mit gut jeder fünften Existenzgründung und jeder vierten Liquidation statt.

Das IfM Bonn erwartet für das Jahr 2009 sowohl einen Anstieg der Gründungszahlen, insbesondere von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit, als auch der Liquidationen und Unternehmensinsolvenzen aufgrund der zu erwartenden schlechten konjunkturellen Lage.

Zur Berechungsmethode des IfM Bonn
Das IfM Bonn berechnet die Zahl der Gründungen und Liquidationen auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes. Hierfür werden die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesenen Zahlen von Gewerbeanmeldungen und - abmeldungen in Deutschland um nicht gründungs- und liquidationsrelevante Komponenten (wie Unternehmensverlagerungen, Umwandlungen, Rechtsformwechsel, Nebenerwerbsgründungen/- aufgaben) bereinigt. Nebenerwerbsgründungen werden ebenso wie die Gründungen durch Angehörige Freier Berufe in der Gründungsstatistik des IfM Bonn nicht berücksichtigt.

Quelle: IfM Bonn