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Wirtschaft | Mo, 28.07.2008 10:16

Grundlage für die Reform des deutschen Aktienrechts gelegt

Von: Katrin Czerwinka, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Prof. Dr. Walter Bayer von der Uni Jena verfasst Gutachten für den Deutschen Juristentag

Prof. Dr. Walter Bayer von der Universität Jena will mit seinem Gutachten für den Deutschen Juristentag einen Anstoß zur Änderung des Aktienrechts geben. (Foto: FSU)

Prof. Dr. Walter Bayer von der Universität Jena will mit seinem Gutachten für den Deutschen Juristentag einen Anstoß zur Änderung des Aktienrechts geben. (Foto: FSU)


Sollen Weltkonzerne wie Siemens oder Daimler gleichen Organisationsregeln im Aktienrecht unterliegen wie die kleine AG mit erheblich geringerem Umsatz? Dem übergeordneten Gerechtigkeitssinn folgend, muss die Frage verneint werden - das deutsche Aktienrecht hingegen macht keinen Unterschied zwischen börsennotiertem "Global Player" und nicht-börsennotierter Gesellschaft. Unabhängig ihrer Umsatzzahlen unterliegen alle Gesellschaften einem einheitlichen Aktienrecht.

Prof. Dr. Walter Bayer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena will das gern ändern. Daher hat der Jenaer Rechtswissenschaftler für den 67. Deutschen Juristentag ein 100-seitiges Gutachten verfasst, das nun auch im Buchhandel erhältlich ist. Auf der vom 23. bis 26. September in Erfurt stattfindenden Fachtagung werden Juristen aus Wissenschaft und Praxis im Dialog mit Rechtspolitikern und Ministerialbeamten über eine Modernisierung des Rechts der Aktiengesellschaft diskutieren. Das Gutachten wird dazu als Grundlage dienen.
"Das deutsche Aktienrecht ist im internationalen Vergleich rückständig", so der Jenaer Jurist, der durch seine zahlreichen Veröffentlichungen in gesellschaftsrechtlichen Standardwerken zu den bekanntesten Aktienrechtlern in Deutschland zählt. Zum einen betrachte das deutsche Recht den Aktionär in der börsennotierten AG zu wenig als Kapitalanleger, kritisiert Bayer. Andererseits lasse es nicht-börsennotierten Gesellschaften zu wenig Spielraum bei der Satzungsgestaltung. In seiner Stellungnahme begründet Prof. Bayer in 20 Thesen, warum das bislang einheitliche Aktienrecht stärker zwischen börsennotierten und nicht-börsennotierten Gesellschaften differenzieren sollte.

Der Deutsche Juristentag ist die größte Juristische Fachtagung Deutschlands, in der aktuelle Rechtsfragen aus den unterschiedlichen Bereichen des Rechts diskutiert und Beschlüsse gefasst werden. Häufig finden sich diese Beschlüsse in künftigen Gesetzen wieder. "Der Auftrag, für den Deutschen Juristentag zu gutachten, zählt zu den größten Herausforderungen, denen sich ein Rechtswissenschaftler stellen kann. Es ist eine einmalige Chance, mit einer überzeugenden Konzeption den Gesetzgeber zum Handeln zu motivieren", weiß der Jenaer Experte. Vielleicht, so Bayer, könne er mit seinem Gutachten künftige Gesetze auf den Weg bringen, die eine gerechtere Situation für die verschiedenen Typen von Aktiengesellschaften schaffen.

Dass Prof. Bayer nicht nur aktuell auf der Höhe des Aktienrechts ist, sondern auch in historischer Perspektive, hat er in seinem letzten Buch bewiesen: Gemeinsam mit Mathias Habersack hat Walter Bayer das Buch "Aktienrecht im Wandel - 1807-2007" im Verlag Mohr Siebeck herausgegeben. Das bereits jetzt stark rezipierte zweibändige Werk umfasst die 200-jährige Geschichte des Aktienrechts in Deutschland vom Code de Commerce bis in die Gegenwart.

Walter Bayer: Verhandlungen des 67. Deutschen Juristentages Erfurt 2008 Bd. I: Gutachten Teil E: Empfehlen sich besondere Regelungen für börsennotierte und für geschlossene Gesellschaften?, 129 Seiten, C. H. Beck-Verlag 2008, ISBN 978-3-406-57455-9

Walter Bayer, Mathias Habersack (Hg.): Aktienrecht im Wandel,1288 Seiten, Mohr Siebeck 2007, 299 Euro, ISBN 978-3-16-149242

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V. (idw)