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Marketing & Personal | Mi, 11.04.2012 10:36

Guter Ausbildungsbetrieb macht sich bezahlt

Gute Ausbildung lohnt sich finanziell für junge Fachkräfte, die im Ausbildungsbetrieb bleiben – dies ist bekannt. Aber auch junge Fachkräfte, die direkt nach ihrer Ausbildung den Arbeitgeber wechseln, profitieren von einer guten Ausbildungsqualität und einer strengen Auswahl der Lehrlinge in ihrem früheren Ausbildungsbetrieb. Diese Erkenntnis ist wichtig, da Arbeitnehmer, die direkt im Anschluss an ihre duale Berufsausbildung das Unternehmen wechseln, für viele Arbeitgeber im Generalverdacht stehen, unterdurchschnittliche Leistung zu erbringen.


Eine direkte Folge dieser Vermutung ist eine im Vergleich zu Berufseinsteigern, die im Ausbildungsbetrieb bleiben, deutlich schlechtere Entlohnung. Manchen Betriebswechslern gelingt es jedoch, hohe Lohnabschläge zu vermeiden, weil sie glaubhaft signalisieren können, dass sie eine hochwertige Ausbildung genossen haben. Die neuen Arbeitgeber sehen sich in der Regel die Qualität der früheren Ausbildungsbetriebe genau an und passen ihre Einstiegslohnangebote dementsprechend an. Sie honorieren beispielsweise, wenn der Bewerber in einem Großunternehmen gelernt hat, es dort eine vergleichsweise hohe Vergütung für die Lehrlinge gab oder ein Betriebsrat über die Qualität der Ausbildung wachte. Diese Faktoren erhöhen die Einstiegsvergügung von Betriebswechslern um bis zu acht Prozent. Dies sind zentrale Ergebnisse einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

In Deutschland bleiben nur rund zwei von drei Auszubildenden nach Ende der Ausbildung im Lehrbetrieb. Ein Jahr nach der Ausbildung ist oft weniger als die Hälfte der ehemaligen Auszubildenden noch dort als Fachkraft beschäftigt. Viele Betriebswechsler müssen den Lehrbetrieb verlassen, weil sie kein Übernahmeangebot bekommen haben. Andere Ausgelernte wechseln jedoch aus freien Stücken. Generell gilt es am Arbeitsmarkt jedoch als negatives Zeichen, wenn junge Fachkräfte im Anschluss an die Ausbildung den Betrieb wechseln. Denn die ausbildenden Unternehmen kennen die Qualität ihrer Auszubildenden und sie können in der Regel ihre besten Kräfte an sich binden. Somit sehen sich die Betriebswechsler der pauschalen Vermutung ausgesetzt, zweite Wahl zu sein, auch wenn sie den Ausbildungsbetrieb freiwillig verlassen und hoch produktiv sind. Die produktiven Betriebswechsler müssen diese negative Sichtweise überwinden, um hohe Lohneinbußen im Vergleich zu den nach der Ausbildung im Ausbildungsbetrieb verbleibenden Berufseinsteigern zu vermeiden.

Die Ergebnisse der ZEW-Studie zeigen, dass sich Unternehmen, die fremde Auszubildende übernehmen, deren Ausbildungsqualität sehr genau ansehen und mit ihren Einstiegslohnangeboten auf eine hochwertige Ausbildung reagieren. Wenn das ausbildende Unternehmen seinen Auszubildenden einen höheren Lohn als seine Konkurrenten bezahlt hat, wird dies durch den neuen Betrieb in Form eines signifikanten Lohnaufschlags honoriert. Der Grund ist, dass sich Hochlohnbetriebe in der Regel die besten Bewerber für ihre Ausbildung sichern konnten.

Auch die typischerweise höherwertige Ausbildung in einem Großbetrieb ist den übernehmenden Betrieben einen Lohnaufschlag wert: Acht Prozent mehr Einstiegslohn erhalten Betriebswechsler aus Ausbildungsbetrieben mit mehr als 1.000 Beschäftigten im Vergleich zu Bewerbern aus Ausbildungsbetrieben mit weniger als 250 Beschäftigten. Wenn ein Ausbildungsunternehmen über einen  Betriebsrat verfügt, wird dies als Garantie für die Einhaltung hoher Ausbildungsstandards gesehen und mit einem Lohnaufschlag von gut vier Prozent gewürdigt.

Die Einstiegslöhne von Betriebswechslern sind schließlich signifikant höher, wenn relativ wenige Auszubildende in einem Ausbildungsbetrieb übernommen wurden. Eine niedrige betriebliche Übernahmequote bedeutet, dass auch relative gute Auszubildende den Ausbildungsbetrieb verlassen, selbst wenn der Ausbildungsbetrieb in der Regel die besten Auszubildenden an sich binden kann.

(Redaktion)