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Wirtschaft | Mi, 16.11.2011 08:51

Höhere Grenze für Ist-Versteuerung bleibt bestehen

Nach dem Bundestag hat nun auch der Bundesrat der dauerhaften Erhöhung der Ist-Versteuerungsgrenze zugestimmt. Von der Regelung profitieren Freiberufler und Betriebe, die von der Buchführungspflicht befreit sind. Aber auch Unternehmen mit einem Jahres-Nettoumsatz von bis zu 500.000 Euro können auf Antrag beim Finanzamt die Umsatzsteuer auch weiterhin erst dann abführen, wenn der Auftraggeber seine Rechnung beglichen hat. Dies teilt die Handwerkskammer Reutlingen mit.


Dr. Joachim Eisert, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen, sieht eine wichtige Forderung des Handwerks erfüllt: „Wer die Liquidität kleinerer und mittlerer Betriebe sichern will, kann nicht verlangen, dass sie Umsatzsteuerzahlungen vorfinanzieren.“ Denn die Vorauszahlungen seien nichts anderes als kostenlose Kredite an die Staatskasse.

Bei der Ist-Versteuerung geht es um die Frage, wann Unternehmen die Umsatzsteuer auf ihre Leistungen abführen müssen. Umsatzstarke Betriebe sind zur monatlichen oder vierteljährlichen Voranmeldung verpflichtet. Sobald eine Rechnung gestellt wird, müssen sie die ausgewiesene Umsatzsteuer im darauf folgenden Zeitraum an das Finanzamt überweisen. Die Zahlung erfolgt unabhängig davon, ob bereits Einnahmen erzielt wurden – quasi als Kredit an das Finanzamt. Allerdings lässt das Steuerrecht eine Ausnahme zu: Kleinere Unternehmen können auf Antrag die Umsatzsteuer nur auf tatsächlich vereinnahmte Umsätze abführen.

Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks machen rund zwei Drittel aller Handwerksbetriebe von der Ist-Versteuerung Gebrauch. Das Problem: die 2009 eingeführte Regelung sollte ursprünglich zum Jahresende auslaufen. Ein Großteil dieser Unternehmen wäre ab 2012 wieder zur Vorauszahlung verpflichtet gewesen.

Kammerchef Eisert wertet die Entfristung als notwendigen Schritt: „Die höhere Grenze verbessert unmittelbar die finanziellen Spielräume vieler Handwerksbetriebe, die sie Lieferanten oder Banken gegenüber dringend benötigen.“

(Redaktion)