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Wirtschaft | Fr, 14.01.2011 07:18

IAW-Studie: Struktur und Entwicklung atypischer Beschäftigungsformen in Baden-Württemberg

„So genannte atypische Beschäftigungsverhältnisse sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt inzwischen weit verbreitet. Sie bieten Personengruppen mit vergleichsweise schlechteren Beschäftigungschancen oftmals die Möglichkeit, den Einstieg in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu schaffen“, erklärte Wirtschaftsminister Ernst Pfister anlässlich der Vorstellung einer Studie zur Struktur und Entwicklung atypischer Beschäftigungsformen in Baden-Württemberg, die das Institut für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) Tübingen im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellt hat. Unter atypische Beschäftigungsformen fallen vier Gruppen: befristet Beschäftigte, geringfügig Beschäftigte, Teilzeitbeschäftigte sowie Leih- und Zeitarbeitnehmerinnen und –Arbeitnehmer.


„Verantwortlich eingesetzt, können atypische Beschäftigungsverhältnisse gerade für kleine und mittlere Betriebe Instrumente einer flexiblen Personalplanung sein. Sie sollten deshalb nicht mit problematischen Beschäftigungsverhältnissen gleichgesetzt werden“, so Ernst Pfister. In Baden-Württemberg lag der Anteil atypischer Beschäftigungsverhältnisse laut Mikrozensus 2009 bei rund 24 Prozent.

Die Studie ergab unter anderem, dass zum Stichtag 30. Juni 2009 im Südwesten rund 312.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – 6,6 Prozent aller Beschäftigten - befristet beschäftigt waren, davon waren 55 Prozent Frauen. Rund 15 Prozent aller baden-württembergischen Firmen haben befristet Beschäftigte in ihrer Belegschaft, wobei der Anteil mit steigender Betriebsgröße deutlich zunimmt. Im ersten Halbjahr 2009 waren 45 Prozent aller Neueinstellungen befristet. 

Von den insgesamt rund 312.000 befristet Beschäftigten wurden im ersten Halbjahr 2009 rund 20.000 Frauen und rund 15.000 Männer in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen. Von den befristeten Beschäftigungsverhältnissen, die im ersten Halbjahr 2009 ausgelaufen sind, wurden mit 35 Prozent mehr als ein Drittel in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis umgewandelt, ein weiteres Drittel dieser Beschäftigten – 32 Prozent – erhielt einen weiteren befristeten Vertrag, während der Rest nicht weiter beschäftigt wurde.

Seit dem Jahr 2001 stieg der Anteil befristeter Neueinstellungen im Land bis zum Jahr 2007 kontinuierlich auf 47 Prozent an, ist seither aber leicht rückläufig. Im Vergleich zu allen Erwerbstätigen sind unter den befristet Beschäftigten diejenigen überrepräsentiert, die einfache Tätigkeiten ausüben, während Tätigkeiten, die eine Berufsausbildung oder ein Hochschulstudium erfordern, eher weniger von befristet Beschäftigten ausgeübt werden.

In Baden-Württemberg waren Mitte 2009 rund 44.000 Zeit- bzw. Leiharbeitskräfte im Einsatz, davon mehr als die Hälfte in Betrieben mit mehr als 100 Beschäftigten. Von den restlichen rund 19.000 entfiel die Mehrheit auf Betriebe mit 20 bis 99 Beschäftigten.

Im baden-württembergischen Durchschnitt kommen damit auf 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 1,2 Zeitarbeiternehmer. Ein überdurchschnittlicher Einsatz erfolgt in den Betrieben mit 20 bis 249 Beschäftigten. Hier kommen 1,7 Zeitarbeitnehmer (100 bis 249 Beschäftigte) und 1,5 Zeitarbeitnehmer (20 bis 99 Beschäftigte) auf 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. In den kleinen Betrieben sind es demgegenüber nur 0,7 (1 bis 4 Beschäftigte) und 0,6 (5 bis 19 Beschäftigte). Einen ähnlich niedrigen Wert weist auch die Betriebsgrößenklasse von 250 bis 499 Beschäftigten mit 0,8 auf. Genau am baden-württembergischen Durchschnitt liegen hingegen die Großbetriebe mit mehr als 500 Beschäftigten (mit 1,2).

Insgesamt waren Mitte 2009 in rund drei Prozent aller baden-württembergischen Betriebe Zeitarbeitnehmer im Einsatz. „Die Zahlen zeigen, dass Zeitarbeit zur Anwendung kommt, aber von den Unternehmen selbst nicht als Allheilmittel angesehen wird und eine gut ausgebildete Stammbelegschaft durch nichts zu ersetzen ist“, erklärte Ernst Pfister. Die unterschiedliche Inanspruchnahme könne unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass das Regulierungsniveau (beispielsweise beim Kündigungsschutz) mit zunehmender Unternehmensgröße steige und gerade mittleren Unternehmen verhältnismäßig hohe Kosten verursache. Eine andere Ursache könne in unterschiedlichen Personalstrategien liegen.

Während in Großbetrieben gewisse „Personalvorhalte“ eingeplant werden, die unter anderem durch Rückgriffe auf Zeitarbeit möglichst gering gehalten werden, machen Kleinbetriebe in der Regel keine solchen Personalplanungen und suchen für Engpasssituationen eher ad hoc Lösungen, wodurch auch Zeitarbeitseinsätze selten systematisch – wenn überhaupt – zum Einsatz kommen.

Untersucht wurde auch die Verbreitung geringfügiger Beschäftigung und Teilzeitbeschäftigung. Rund 545.000 Personen im Land waren 2009 geringfügig beschäftigt – rund 9.000 weniger als im Vorjahr. Dies entspricht 11,5 Prozent aller Beschäftigten. Darunter fallen Arbeitsverhältnisse mit einem monatlichen Entgelt von maximal 400 Euro (Minijobs) sowie kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse mit einer Dauer von bis zu zwei Monaten oder bis zu 50 Tagen im Jahr.

Im ersten Halbjahr 2009 bestanden in knapp sechs von zehn baden-württembergischen Betrieben geringfügige Beschäftigungsverhältnisse. Dabei lag der Anteil der Betriebe mit mehr als fünf Beschäftigten je nach Betriebsgröße zwischen 68 und 85 Prozent deutlich höher als jener der Kleinstbetriebe mit ein bis vier Beschäftigten, der nur rund ein Drittel ausmachte.

Rund 1,15 Millionen Personen waren in Baden-Württemberg im Jahr 2009 teilzeitbeschäftigt. Davon waren gut 80 Prozent Frauen. Im Landesdurchschnitt  boten etwa 74 Prozent aller Betriebe Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse an. Ein überdurchschnittlicher Anteil entfällt auf das Verarbeitende Gewerbe (79 Prozent) sowie  das Gesundheits- und Sozialwesen (88 Prozent). Seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2006 ist die Teilzeitquote etwas rückläufig.

(Redaktion)