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Wirtschaft | Mo, 24.11.2008 10:25

IHK-Branchenatlas zum Fachkräftemangel: 550.000 Experten bis 2020 in Baden-Württemberg gesucht

Webangebot für Berufs- und Beschäftigungsplanung gibt Politik Ziele vor


In den nächsten 12 Jahren könnten in Baden-Württemberg mehr als eine halbe Million Fachkräfte fehlen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Lehrstuhls von Prof. Bert Rürup an der Universität Darmstadt im Auftrag der 12 Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg.

Demnach würden bis zum Jahr 2020 etwa 180.000 akademische und 370.000 nicht-akademische Fachkräfte vor allem in technischen Berufen gebraucht, aber der Wirtschaft nicht zur Verfügung stehen. Hauptursachen seien das altersbedingte Ausscheiden von rund 360.000 Fachkräften aus dem Arbeitsprozess bis zum Jahr 2020, aber auch Strukturwandel, Wachstum und Konjunktur. Die Wirtschaft fordert deshalb von der Landes- und Bundespolitik Maßnahmen zur Hebung des vorhandenen Fachkräftepotentials bei Frauen, Studienabbrechern und Zuwanderern sowie zur Verbesserung der Bildungsbeteiligung aller Bevölkerungsschichten und Altersklassen.

Die IHKs bieten ab sofort den Zugang zu einer am Rürup-Lehrstuhl entwickelten Internet-Plattform an, die für die Berufswahl von jungen Menschen, für die Personalplanung von Unternehmen, für Bildungseinrichtungen und für die Politik geeignete Trendinformationen zum Fachkräftebedarf bis 2020 gibt. Abrufbar übers Internet seien die Entwicklungstrends für 50 Berufe und 14 Wirtschaftszweige in den 12 baden-württembergischen Regionen bis zum Jahr 2020.

Obwohl die Wirtschaft konjunkturbedingt und verstärkt durch die Finanzmarktkrise gerade am Beginn eines Abschwungs stehe, dürfe das Dauerthema Fachkräftemangel nicht vertagt werden, meint Dr. Günter Baumann, Präsident der IHK Region Stuttgart und federführend für den Bereich Volkswirtschaft der Baden-Württembergischen IHKs. Denn Fachkräfte heranzubilden brauche Zeit. „Die Informationen, die die IHKs mit dem neuen Tool im Internet anbieten, sind viel wert für jeden Jugendlichen, der sich heute beruflich orientiert“, erklärt Baumann. Berufswahl und auch der nächste Weiterbildungs- oder Karriereschritt seien besser planbar.

Den Untersuchungsergebnissen zufolge tritt der größte Mangel an Fachkräften bei den beratenden Dienstleistungen auf, wie zum Beispiel bei den Ingenieurdienstleistern, Unternehmensberatern oder Wirtschaftsprüfern. Der Frauenanteil an Akademikern werde nur leicht von 19 auf 22 Prozent steigen. Insbesondere in technischen Berufen werden demnach die Karrierechancen für Frauen erheblich besser sein als in vielen kaufmännischen, geistes- und rechtswissenschaftlichen Berufen.

Bei den akademischen Berufen werde sich ein permanenter Mangel vor allem in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik einstellen. Bei den nichtakademischen Berufen könne es in konjunkturell schwachen Phasen zu einem Fachkräfteüberschuss kommen. Insgesamt zeichne sich aber auch dort über die kommenden 12 Jahre ein Mangel ab, vor allem in den technischen Berufen.

Baumann fordert die Landespolitik auf, bei ihren Bemühungen zur Verbesserung der Bildung in Kindergärten, Schulen und Hochschulen nicht nachzulassen. Baumann: „Bildung und Integration muss allen Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden. Nur so kann der Wirtschaftsstandort Deutschland für die Zukunft fit gemacht und Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten gesichert werden.“

Quelle: Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag