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Wirtschaft | Di, 24.05.2011 08:31

IHK-Konjunkturumfrage: Wirtschaft im Südwesten läuft auf Hochtouren - Arbeitsmarkt profitiert vom Wirtschaftsboom

Die Wirtschaft im Südwesten profitiert von der steigenden Inlands- und Auslandsnachfrage. Sie beschert den Unternehmen volle Auftragsbücher und wachsende Umsätze – vor allem in der Industrie. Hohe Rohstoff- und Energiepreise sowie zunehmende Inflation konnten die Stimmung bei den Unternehmen kaum trüben. Die Geschäftserwartungen für die nächsten Monate bleiben mehrheitlich optimistisch.


Davon profitiert der Arbeitsmarkt: „Fast ein Drittel der Betriebe will zusätzliches Personal einstellen“, freut sich Dr. Peter Kulitz, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK). Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage der zwölf baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHKs), an der sich mehr als 3.800 Unternehmen im Land beteiligt haben.

Laut Umfrage bewertet mehr als die Hälfte der Betriebe (54 Prozent) ihre Lage gut, etwa fünf Prozentpunkte mehr als zu Beginn des Jahres. Über eine schlechte Lage klagen nur noch knapp fünf Prozent der Betriebe – etwa zwei Prozentpunkte weniger als im Januar. Wie zu Beginn des Jahres erwarten für die kommenden Monate deutlich mehr als 90 Prozent aller Unternehmen bessere oder gleich bleibend gute Geschäfte. Pessimistisch sind etwa sieben Prozent. Auch 2011 bleibt die steigende Nachfrage aus dem Ausland eine Triebfeder der Südwestwirtschaft: Mit steigenden Exporten rechnen 49 Prozent aller auslandsorientierten Unternehmen, zu Jahresbeginn lag dieser Anteil lediglich um einen Prozentpunkt höher. Rückschläge im Auslandsgeschäft befürchten unverändert nur vier Prozent der Unternehmen.

Vermehrt führen aber vor allem die stark steigenden Inlandsinvestitionen der Unternehmen in Deutschland zu immer besser laufenden Geschäften bei den Herstellern von Investitionsgütern sowie deren Zulieferern und Dienstleistern. „Baden-Württemberg, als der Standort des deutschen Maschinen- und Fahrzeugbaus, profitiert von dieser Entwicklung mehr als alle anderen Regionen Deutschlands“ führt BWIHK-Präsident Kulitz aus. Innerhalb dieser Branchen boomen die Geschäfte derzeit am stärksten im Werkzeugmaschinenbau mit einer Kapazitätsauslastung von über 90 Prozent.

38 Prozent der Südwestunternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr im Inland investieren als im Vorjahr, nur knapp zehn Prozent planen geringere Investitionsausgaben.

Mit einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent ist Baden-Württemberg nach Bayern das Bundesland mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit (Deutschland: 7,3 Prozent). Die Zahl der offenen Stellen liegt  mit etwas mehr als 74.000 sogar schon wieder über dem Niveau von vor der Krise. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Belegschaft in den kommenden zwölf Monaten weiter vergrößen wollen, ist von 18 Prozent im Frühjahr 2010 auf aktuell 31 Prozent angestiegen. Im gleichen Zeitraum ging der Anteil der Betriebe, die sich zum Personalabbau gezwungen sehen, von 18 Prozent auf acht Prozent zurück. Im Fachkräftemangel sehen aktuell bereits 36 Prozent der Unternehmen ein dauerhaftes Konjunkturrisiko.

„Baden-Württemberg wird künftig als Standort für Unternehmen nur dann attraktiv bleiben, wenn es gelingt, einen extremen Mangel an Fachkräften zu vermeiden. Deshalb sollten alle Potenziale möglichst optimal ausgeschöpft werden, u. a. durch eine Verbesserung der frühkindlichen Bildung, Schulbildung, Berufsorientierung und Ausbildungsreife der Schulabgänger sowie durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nicht zuletzt ist als Sofortmaßnahme eine Ausweitung der Zuzugsmöglichkeiten ausländischer Fachkräfte erforderlich“, so Präsident Kulitz.

Die Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen aus dem Südwesten boomt. Die Lageurteile in der Industrie fallen inzwischen sogar besser aus als vor der Krise. 80 Prozent der Werkzeugmaschinenbauer melden steigende Auftragseingänge. Die Investitions- und Beschäftigungspläne zeigen nach oben. Da außer im öffentlichen Hochbau die Nachfrage nach Bauleistungen wieder zunimmt, hat sich die Stimmung am Bau in den letzen Monaten deutlich verbessert. Im Einzelhandel sind die Lageurteile zwar weiterhin positiv, jedoch etwas ungünstiger als noch zu Beginn des Jahres. Dagegen brummen die Geschäfte des Großhandels wie erwartet, die Zufriedenheit mit der aktuellen Situation ist gestiegen. Die meisten Händler planen Beschäftigung und Investitionen vorerst auf dem jetzigen Niveau zu halten. Die Servicebranche meldet eine auf hohem Niveau verbesserte Lage. Besonders gefragt sind Beratungsdienstleistungen sowie Zeitarbeit, aber auch bei den anderen Dienstleistern führt die Nachfrage zu steigenden Auftragsvolumina und hohen Erwartungen für die kommenden Monate. Die Zufriedenheit der Hotels und Gaststätten mit ihrer Lage ist erneut gestiegen, wobei es den Hotels weiterhin etwas besser geht als den Gaststätten. Die Zahl der Optimisten in der Gastro-Branche ist nochmals deutlich gestiegen.

(Redaktion)