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Wirtschaft | Mo, 25.05.2009 10:55

IHK: Regionale Wirtschaft vermeldet Rekordtief aber Abschwung verliert an Fahrt

Die regionale Wirtschaft hat ein Rekordtief erreicht: Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage so ungünstig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Grund sind nach wie vor anhaltende Auftragsrückgänge sowie die damit einhergehende niedrige Kapazitätsauslastung, die momentan bei nur noch 65 Prozent liegt. Allerdings verlangsamt sich inzwischen das Tempo der Abwärtsbewegung.


Trotz mehrheitlich pessimistischer Stimmung steigt der Anteil der Unternehmen, die nicht mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Geschäfte rechnen, im Vergleich zum Jahresbeginn um 12 Prozentpunkte. Das belegt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Rund 1.100 Unternehmen haben sich an ihr beteiligt.

Außer der Bauwirtschaft und den Finanzdienstleistern befinden sich alle Branchen im Abwärtstrend. Die Anzahl der Betriebe, die ihre Lage als schlecht bezeichnen, hat sich von 28 Prozent zu Jahresbeginn auf jetzt 46 Prozent erhöht. Im Industriesektor liegt ihr Anteil sogar bei 67 Prozent (Jahresbeginn: 39 Prozent). „Die Unternehmen erwarten weiterhin eine ungünstige Geschäftsentwicklung“, erklärt IHK-Präsident Dr. Herbert Müller. Allerdings sei der Anteil der Pessimisten von 64 Prozent zu Jahresbeginn auf 51 Prozent zurückgegangen.

Die Zahl der Betriebe, die ihre Investitionen zurückfahren wollen, sei weiter gestiegen und liege jetzt bei 56 Prozent (Jahresbeginn 2008: 49 Prozent). „Insbesondere die Hersteller von Investitionsgütern haben mit der weltweit gesunkenen Nachfrage zu kämpfen“, so der IHK-Präsident. Die Exporterwartungen der Industrie hätten sich insgesamt nochmals leicht verschlechtert. Entsprechend klagten 63 Prozent der Industrieunternehmen über eine schlechte Ertragssituation. „Darunter leiden natürlich auch die Geschäfte der Dienstleister, der Transportunternehmen sowie des industrienahen Großhandels“, erläutert Dr. Müller. Die Einbußen im Einzelhandel hielten sich dagegen bislang in Grenzen und die Bauwirtschaft könne sogar mit positiven Meldungen aufwarten.

Wie die IHK-Umfrage weiterhin zeigt, lassen sich die insgesamt unsichere Geschäftslage und äußerst niedrige Kapazitätsauslastung auch an den nochmals zurückgegangenen Beschäftigungserwartungen der Wirtschaft ablesen. Fast die Hälfte der Unternehmen geht davon aus, in den kommenden zwölf Monaten Personal abbauen zu müssen (Jahresbeginn: 41 Prozent).

„Noch dramatischer wäre die Situation ohne die Möglichkeit der Kurzarbeit“, sagt Dr. Müller. So setzen laut der IHK-Konjunkturanalyse insgesamt 47 Prozent aller Betriebe bereits Kurzarbeit ein bzw. planen dies. Dabei unterscheiden sich die Branchen erheblich: Sind in der Industrie knapp drei Viertel der Unternehmen in Kurzarbeit oder planen es, ist das Instrument im Gastgewerbe oder im Einzelhandel kaum verbreitet. Erfreulich: Gut 39 Prozent der Betriebe qualifizieren ihre Mitarbeiter bereits im Rahmen der Kurzarbeit weiter oder planen entsprechende Maßnahmen.

Verstärkt werde der allgemeine Abwärtstrend durch die anhaltende Verunsicherung beim Thema Finanzierungsmöglichkeiten, ergänzt Dr. Müller. Viele Unternehmen verfügten nicht über ausreichende Bonität, um die benötigten Mittel von der Hausbank und damit auch Zugang zu Förderkrediten zu erhalten. Mittlerweile seien große und mittlere Unternehmen sogar dazu übergegangen, ihren Zulieferern und Vertriebspartnern mit direkter finanzieller Unterstützung oder mit der Verbesserung von Zahlungskonditionen vorübergehend unter die Arme zu greifen. Umso mehr sollten Hürden bei der Vergabe von Betriebsmittelkrediten gesenkt und Kreditanträge schnell bearbeitet werden. Zugleich warnt der IHK-Präsident davor, die Kreditwirtschaft an den Pranger zu stellen. Man könne von den Banken nicht erwarten, dass sie unkalkulierbare Risiken eingehen und sich später zugleich für Ausfälle verantworten sollen. Marktbereinigungen seien in der Krise unvermeidlich. Angesichts der schon jetzt erreichten horrenden Staatsverschuldung sei es kaum mehr zu verantworten, weitere Gelder für Sanierungen, Bürgschaften und Rettungsaktionen zu fordern. Entscheidender sei es, die Beschäftigten der notleidenden Unternehmen abzufedern und Konstruktionsfehler der Unternehmenssteuerreform, die den Betrieben zusätzlich Liquidität entziehe - wie etwa die Begrenzung des Verlustvortrags - umgehend rückgängig zu machen.

(Quelle: IHK Stuttgart)