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Wirtschaft | Mi, 22.02.2012 07:40

IHK Rhein-Neckar stellt bundesweite Lehrstellenbörse vor

Das Jahr 2012 bietet gute Chancen für die Sicherung des dringend benötigten Fachkräftebedarfes: Der doppelte Abiturientenjahrgang 2012 steht vor der Tür und eine neue gesetzliche Regelung zur Feststellung der Gleichwertigkeit von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen tritt in Kürze in Kraft. Die IHK Rhein-Neckar macht es den Betrieben außerdem mit einer neuen bundesweiten Lehrstellenbörse leichter, auch überregional Fachkräfte zu gewinnen.


Bereits im vergangenen Jahr 2011 konnte die Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar (IHK) eine erfreuliche Lehrstellenbilanz verzeichnen: Die Mitgliedsunternehmen haben im letzten Jahr 4.884 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 357 Verträge mehr als in Jahr 2010. Prozentual hat die Ausbildungsleistung der Wirtschaft damit um beachtliche 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Dieser Zuwachs liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt von 6,6 Prozent. „Die so nicht zu erwartende Steigerung der Ausbildungsleistung unserer Betriebe zeigt, dass die Unternehmen wegen des Fachkräftemangels verstärkt auf die eigene Ausbildung setzen“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Axel Nitschke. Beflügelt von der sehr positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung konnte die IHK im vergangenen Jahr die dritthöchste Zahl neuer Ausbildungsverträge seit Anfang der 90er Jahre registrieren.

„Dabei wurden die Unternehmen in ihrer Ausbildungsbereitschaft sogar noch gebremst. Sie haben es zunehmend schwerer, geeignete Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu gewinnen. Viel zu oft wurde aus einer Lehrstelle eine „Leerstelle“ “, sagte Nitschke. Nach der Statistik der Arbeitsagenturen standen im Jahr 2011 den landesweit 72.600 gemeldeten freien Lehrstellen nur noch rund 67.000 Bewerber gegenüber. Doch damit nicht genug: In den kommenden 15 Jahren rechnet das Statistische Bundesamt in den alten Bundesländern mit einem Rückgang der Zahl der Schulabgänger von nahezu 25 Prozent. „Von der erfreulichen Zunahme der Ausbildungsverhältnisse haben deshalb auch Bewerberinnen und Bewerber profitiert, die sich im vergangenen Jahr noch vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht haben. Die Zahl dieser so genannten „Altbewerber“ hat spürbar abgenommen“, bilanziert Nitschke.

Ab Mittwoch (22. Februar 2012) geht die elektronische Lehrstellenbörse an den Start. Die IHK Rhein-Neckar schließt sich damit der neuen, bundesweiten Online-Lehrstellenbörse der deutschen Industrie- und Handelskammern an. Unternehmen, die Ausbildungsplätze besetzen möchten, können so in ganz Deutschland auf die Suche nach geeigneten jungen Menschen gehen. Besonders unsere überregional aufgestellten Unternehmen mit Niederlassungen oder Filialen an unterschiedlichsten Standorten haben durch die Börse einen entscheidenden Vorteil: Sie können ihre Stellen zentral pflegen. Umgekehrt wird durch die bundesweite Börse die Mobilität der Schulabgängerinnen und Schulabgänger gefördert. „Wenn es mit der Lehrstelle in der näheren Umgebung nicht klappt, kann jetzt auch bundesweit nach Ausbildungsbetrieben gesucht werden“, so Nitschke.

Wer sich in der neuen Lehrstellenbörse registrieren lässt, erhält als Jugendlicher auf Wunsch außerdem tägliche Benachrichtigungen über neu eingestellte Lehrstellen in bestimmten Berufen. Betriebe können sich Profile von neu als „lehrstellensuchend“ eingetragenen Jugendlichen anzeigen lassen, die zum Anforderungsprofil der von ihnen angebotenen Lehrstellen passen, sofern die Jugendlichen dies ausdrücklich wünschen.

„Das Jahr 2012 wird aber auch im Zeichen des neuen Gesetzes zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen stehen“, so Nitschke zu einem weiteren neuen Baustein zur Fachkräftegewinnung. Ab dem 1. April haben Inhaber eines ausländischen Bildungsabschlusses einen Rechtsanspruch auf ein Verfahren zur Feststellung, ob ihr ausländischer Bildungsabschluss mit einem deutschen Ausbildungs- oder Weiterbildungsberuf gleichgestellt werden kann. „Damit wird für die Wirtschaft ein großes Fachkräftepotenzial erschlossen und dem in einzelnen Branchen bereits deutlich spürbaren Fachkräftemangel entgegen gewirkt“, ist sich Nitschke sicher.

Das Gesetz verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele: Erstens sollen bereits in Deutschland lebende Inhaber eines ausländischen Bildungsabschlusses entsprechend ihrer beruflichen Qualifikation beschäftigt werden können. Zweitens soll im Ausland lebenden Fachkräfte die Entscheidung für die Aufnahme einer Arbeit in Deutschland leichter gemacht werden, indem sie bereits vor einer Einreise die Möglichkeit haben, ihre beruflichen Qualifikationen mit einem inländischen Berufsabschluss gleichstellen zu lassen. Durch die zentrale Einrichtung „FOSA“ (foreign skills approval) in Nürnberg werden alle Anträge auf Feststellung der Gleichwertigkeit mit einem IHK-Beruf bearbeitet und entschieden.    

(Redaktion)