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| Do, 14.08.2008 11:33

IHK: Unis müssen Studienplatzvergabe optimieren

Unternehmen sehen Risiken bei neuer Berufsakademie


Die Universitäten in Baden-Württemberg müssen sich nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart deutlich mehr anstrengen, um die vom Land finanzierten Studienplätze zu besetzen und damit auf Dauer eine ausreichende Ausbildung von Hochschulabsolventen im Südwesten sicherzustellen. Nach Untersuchungen und Einschätzung der IHK ist das Studienangebot der Universitäten oftmals nicht attraktiv genug. Zudem werden Studienplätze zu zögerlich vergeben.

Nach Aussage von IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter drohen dadurch die Universitäten im Land gegenüber Hochschulen in anderen Bundesländern ins Hintertreffen zu geraten. Obwohl die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit Hochschulreife in Baden-Württemberg im letzten Jahr um rund 3,5 Prozent zugenommen habe, sei die Zahl der Studienanfänger an den Universitäten im Land um 2,0 Prozent zurückgegangen. „Damit fehlen uns an den Universitäten in Baden-Württemberg alleine in diesem Jahr de facto rund 1.200 Studienanfänger – was angesichts des Fachkräftemangels sehr bedenklich ist“, so Richter.

Der starke Ansturm auf die Berufsakademien, die 2007/2008 14 Prozent mehr Studierende verzeichnen konnten, darf nach Einschätzung der IHK nicht über die Probleme an den Universitäten hinwegtäuschen. Im Bereich der Mathematik und Naturwissenschaften verzeichneten 2007/2008 die baden-württem­bergischen Hochschulen einen Rückgang der Studienanfänger um 6,1 Prozent, während der Zuwachs in den Ingenieurwissenschaften von 3 Prozent wenigstens Hinweise auf die seit langem notwendige Trendwende gebe. „Wenn wir es nicht schaffen, deutlich mehr Schulabgänger für ein natur- oder ingenieurwissenschaftliches Studium zu gewinnen, wird der Hochtechnologiestandort Baden-Württemberg auf Dauer Probleme bekommen“, warnt Richter. „Wenn Unternehmen nicht mehr genügend Nachwuchswissenschaftler finden, werden sie ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen ins Ausland verlagern müssen.“

Als Sofortmaßnahme fordert die IHK vom Wissenschaftsministerium, das Zulassungsverfahren zu verkürzen. Vielfach entscheiden sich Studienanfänger für jene Hochschule, von der sie als erstes einen positiven Bescheid erhalten. „Um so mehr müssen wir alles dafür tun, dass diese Hochschule in Baden-Württemberg liegt“, so Richter. Vor diesem Hintergrund sei es erfreulich, dass beispielsweise die Universität Stuttgart aus den rückläufigen Studentenzahlen die Konsequenz gezogen und das derzeitige Zulassungsverfahren deutlich beschleunigt habe.

Zugleich müsse die Attraktivität des Universitätsstudiums gesteigert werden: „Viele Schulabgänger fragen sich, weshalb sie ihren Bachelor an der Uni machen sollen, wenn sie ihn an der FH deutlich praxisnäher haben können“, so Richter. „Es wird höchste Zeit, dass die Universitäten Bachelorstudiengänge einrichten, die für den Berufseinstieg taugen.“ Gleichzeitig mahnte er, das Angebot mehr auf die Anforderungen aus der Wirtschaft abzustimmen: „Für die Leute aus der Praxis – Meister, Techniker – brauchen wir ein breit gefächertes Spektrum berufsbegleitender Bachelor- und Masterstudiengänge.“

Gewisse Sorgen bereitet den Mitgliedsunternehmen der IHK auch die derzeitige Errichtung einer Dualen Hochschule, unter deren Dach die heutigen Berufsakademien angesiedelt werden sollen. Zwar sei es sehr zu begrüßen, dass mit diesem Schritt die Berufsakademien aufgewertet und die dortigen Studien künftig mit Bachelorabschlüssen beendet werden könnten. Die IHK warnt zugleich davor, die bisherige gleichberechtigte und gleichgewichtige Partnerschaft von Betrieben und Hochschulen aus dem Gleichgewicht zu bringen. „Sollten die Betriebe an Einfluss und Stellung im System der Berufsakademie verlieren, muss das Land damit rechnen, dass die Wirtschaft ihr Engagement auf diesem Feld reduzieren wird“, so Richter. Die durch die Betriebe zuletzt deutlich aufgestockte Zahl der Berufsakademiestudenten belege zwar den hohen Stellenwert, den diese Ausbildung für die Wirtschaft habe. Sollten sich aber mit der Dualen Hochschule die Rahmenbedingungen für die Unternehmen verschlechtern, werden diese, so Richter, auf Alternativen ausweichen, wie sie immer mehr Fachhochschulen bieten.

Quelle: Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart