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Wirtschaft | Mi, 02.06.2010 09:41

IHK: Wirtschaft in der Region Stuttgart erholt sich auf breiter Front

Die Lage der regionalen Wirtschaft hat sich weiter verbessert. Erstmals seit eineinhalb Jahren geht es mehr Unternehmen gut als schlecht. Nach wie vor bestimmend zeigt sich die wachsende Auslandsnachfrage – der Kursrückgang des Euro erleichtert es den Exporteuren in der Region zudem, sich auf außereuropäischen Märkten zu behaupten. Doch auch die zunehmende Binnennachfrage trägt inzwischen zur Erholung der Wirtschaft bei. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, an der sich rund 1.100 Unternehmen beteiligt haben.


„Die Unternehmen hoffen jetzt nicht mehr nur auf eine positive Entwicklung, sondern berichten von ihrer konkret verbesserten wirtschaftlichen Situation,“ erläutert Dr. Herbert Müller, Präsident der IHK Region Stuttgart. Die Mehrheit der Betriebe (59 Prozent) bezeichnet ihre Lage im Frühsommer 2010 als befriedigend (Jahresbeginn: 54 Prozent). Ein Viertel (Jahresbeginn: 16 Prozent) spricht sogar von einer guten Geschäftssituation und nur noch 16 Prozent der befragten Unternehmen beklagen eine schlechte Entwicklung (Jahresbeginn: Ein Drittel). In der Industrie ist der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslage von 9 auf 21 Prozent gestiegen. Am besten beurteilt aktuell die Dienstleistungsbranche ihre Situation und auch der Großhandel ist positiv gestimmt. Der Einzelhandel ist dagegen etwas weniger zufrieden und die Bauindustrie verzeichnet nach einer leichten Erholung zu Jahresbeginn keine weitere Verbesserung.

„Für die kommenden Monate sind die Erwartungen von wachsendem Optimismus geprägt“, so Dr. Müller weiter. Fast die Hälfte aller Unternehmen rechnet mit besseren Geschäften (Jahresbeginn: 36 Prozent), eher pessimistisch blicken nur noch 11 Prozent in die Zukunft (Jahresbeginn: 19 Prozent). Überdurchschnittlich optimistisch sind dabei die auslandsorientierten Betriebe, über die Hälfte geht von steigenden Exporten aus. Vor allem die Industrie, der Großhandel und das Transportgewerbe erwarten eine erfreuliche Entwicklung der Geschäfte. Doch auch eher binnenorientierte Branchen wie etwa die Bauwirtschaft rechnen mit einer gleichbleibenden Lage oder zeigen sich gar - wie der Einzelhandel - leicht zuversichtlich.

Diese optimistische Haltung spiegeln die Investitionspläne der Wirtschaft wider: 27 Prozent der im Inland investierenden Unternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr investieren als in den zurückliegenden. Von einer Reduktion ihrer Inlandsinvestitionen geht aktuell noch ein Fünftel der Betriebe aus. Der IHK-Präsident präzisiert: „Geplant sind vor allem Investitionen für Modernisierung und Rationalisierung sowie für Produktinnovationen. An vierter Stelle, jedoch mit leichter Zunahme im Vergleich zu Jahresbeginn, stehen Vorhaben, die dem Ausbau der Kapazitäten dienen.“ Die Beschäftigungspläne der Unternehmen stabilisieren sich ebenfalls, allerdings ist es für eine Entwarnung auf dem Arbeitsmarkt noch zu früh. 60 Prozent der Betriebe rechnen mit gleichbleibenden Beschäftigtenzahlen (Jahresbeginn: 58 Prozent). Von einem Personalaufbau gehen 17 Prozent aus (Jahresbeginn: 10 Prozent), von einem Abbau 29 Prozent (Jahresbeginn: 32 Prozent). Allein die Dienstleistungsbranche plant, neue Stellen zu schaffen. „Es ist außerdem noch abzuwarten, ob die Unternehmen bei Ende der Kurzarbeit Entlassungen vermeiden werden können,“ fügt Dr. Müller hinzu.

Sorge bereitet der regionalen Wirtschaft der Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise. 44 Prozent der Betriebe sehen hierin ein Risiko für ihre weitere Entwicklung. Leicht zurückge-gangen sind dagegen die Befürchtungen im Bereich Unternehmensfinanzierung. Einen der vorderen Plätze auf der Liste der befürchteten Hemmnisse belegen die politischen Rahmenbedingungen.

„Priorität in Bund und Land muss jetzt die Haushaltssanierung haben. Daneben sind beispielsweise eine bessere Förderung der Forschung, des Technologietransfers zwischen Hochschulen und Unternehmen ebenso wie die Clusterförderung wichtig“, sagt Dr. Müller an die Adresse der Landespolitik gewendet. Er fordert weiterhin Investitionen in die Infrastruktur – finanziert unter anderem durch eine Maut für alle Fahrzeuge – und Entbürokratisierung.

Insgesamt ist die Stimmung nach Auffassung von Dr. Müller noch nicht stabil. Es herrscht eine allgemeine Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Konjunktur vor. Große Fragezeichen stehen hinter den Folgewirkungen der Finanzmarktkrise, den Auswirkungen der Staatsschuldenkrise und den Reaktionen der Politik auf nationaler und europäischer Ebene. „Die Wirtschaft wird nur durchstarten, wenn die Politik einige grundsätzliche Weichenstellungen vornimmt, insbesondere in Richtung einer wirksamen Finanzmarktregulierung und einer überzeugenden Lösung für überschuldete EU-Mitgliedsländer.“

(Redaktion/IHK Stuttgart)