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Wirtschaft | Do, 21.06.2012 08:05

Immer mehr Berufstätige in Baden-Württemberg ohne Festanstellung

In Baden-Württemberg waren im Jahr 2011 rund 4,7 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt (ohne Auszubildende). Davon hatten rund 495.000 nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Demnach waren nahezu 11 Prozent aller abhängig Erwerbstätigen im Land ohne Festanstellung. Das ist ein Ergebnis des Mikrozensus, der größten amtlichen Haushaltsbefragung in Deutschland, berichtet das Statistische Landesamt.

Abhängige Erwerbstätige mit befristetem Arbeitsvertrag in Baden-Württemberg nach Altersgruppen. (Grafik: Stat. Landesamt)

Abhängige Erwerbstätige mit befristetem Arbeitsvertrag in Baden-Württemberg nach Altersgruppen. (Grafik: Stat. Landesamt)


In den letzten 10 Jahren hat die Zahl der befristeten Beschäftigungsverhältnisse überproportional zugenommen: Während die Zahl der abhängig Erwerbstätigen, also der Angestellten, Beamten und Arbeiter insgesamt gegenüber 2002 um rund 10 Prozent angestiegen ist, ist bei den abhängig Erwerbstätigen ohne festen Arbeitsvertrag eine Zunahme von knapp 55 Prozent zu verzeichnen. Gegenüber 1992 hat sich die Zahl der Erwerbstätigen ohne festen Arbeitsplatz mit einem Plus von rund 113 Prozent sogar mehr als verdoppelt. Frauen sind dabei etwas häufiger als Männer in befristeten Beschäftigungsverhältnissen zu finden: Gut 11 Prozent der abhängig beschäftigten Frauen gegenüber 10 Prozent der Männer befanden sich in einem zeitlich befristeten Arbeitsverhältnis.

Junge Berufstätige haben überdurchschnittlich häufig einen Zeitvertrag: So waren im Jahr 2011 rund 28 Prozent der abhängig Erwerbstätigen im Alter von unter 30 Jahren ohne feste Anstellung. Mehr als jeder zweite befristet Beschäftigte im Land (rund 53 Prozent) war 2011 unter 30 Jahre alt. Befristete Arbeitsverträge stellen somit mittlerweile für viele jüngere Arbeitskräfte den Einstieg in das Berufsleben dar: Mit zunehmendem Alter der abhängig Erwerbstätigen sinkt der Anteil der befristet Beschäftigten.

Überdurchschnittlich häufig sind befristete Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor anzutreffen: Nahezu 56 Prozent aller befristet Beschäftigten arbeiten im Wirtschaftsbereich Sonstige Dienstleistungen, der Anteil der Erwerbstätigen dieses Bereichs an allen abhängig Beschäftigten liegt hingegen lediglich bei rund 41 Prozent. Insbesondere im Wirtschaftszweig Öffentliche und private Dienstleistungen haben mit einem Anteil von gut 17 Prozent überproportional viele Erwerbstätige einen Zeitvertrag. Die abhängig Erwerbstätigen im Produzierenden Gewerbe haben hingegen seltener befristete Arbeitsverträge: Während gut 36 Prozent aller baden-württembergischen abhängig Erwerbstätigen im sekundären Sektor arbeiten, entfallen von den abhängig Erwerbstätigen mit befristeter Stelle lediglich rund 25 Prozent auf diese Branche.

Auffällig ist, dass sich Erwerbstätige ohne berufliche Qualifikation weitaus häufiger in befristeten Arbeitsverhältnissen befinden als ihre Kollegen mit einem Berufs- bzw. Hochschulabschluss: So lag im Jahr 2011 der Anteil der abhängig Erwerbstätigen ohne beruflichen Bildungsabschluss bei rund 17 Prozent, unter den Erwerbstätigen, deren Arbeitsvertrag befristet war jedoch bei knapp 33 Prozent.

(Redaktion)