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Wirtschaft | Do, 20.02.2014 09:22

Immer weniger Menschen arbeiten von zu Hause aus

Insgesamt arbeiteten im Jahr 2012 in Deutschland rund zwölf Prozent oder 4,7 Millionen der Erwerbstätigen überwiegend oder gelegentlich in den eigenen vier Wänden. Das waren etwa 800.000 weniger als noch vier Jahre zuvor, als die Zahl der Heimarbeiter ihren Höhepunkt erreichte. 2,7 Millionen Heimarbeiter waren abhängig beschäftigt, was rund acht Prozent aller Arbeitnehmer entspricht. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).


Danach arbeiten vor allem hochqualifizierte Arbeitnehmer zu Hause. Alter und Geschlecht haben kaum Einfluss: Jung und Alt, Männer und Frauen arbeiten in etwa gleich oft von daheim. DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke: „Die Politik sollte bedenken, dass Initiativen zur Förderung der Heimarbeit vor allem auf sozial besser gestellte Erwerbstätige zielen würden, die wegen ihres Berufs überhaupt nur die Möglichkeit zur häuslichen Erwerbstätigkeit haben.“

Für die Studie hat Brenke Informationen aus der Datenbank des Statistischen Amtes der Europäischen Union sowie Individualdaten des Mikrozensus verwendet. Im Rahmen der Bevölkerungserhebungen antworten die Haushaltsmitglieder standardmäßig auf die Frage, ob sie ihre Erwerbstätigkeit "überwiegend (zu mehr als 50 Prozent)", "manchmal" oder "gar nicht" zu Hause ausüben.

Weitaus verbreiteter als unter Arbeitnehmern ist die häusliche Erwerbstätigkeit unter Selbständigen: In der Gruppe der Solo-Selbständigen lag der Heimarbeiter-Anteil im Jahr 2012 bei 50 Prozent (etwa 1,3 Millionen), in der Gruppe der Selbständigen mit Arbeitnehmern bei einem Drittel (etwa 0,7 Millionen). Analog zur Entwicklung bei den Arbeitnehmern ist auch der Heimarbeiter-Anteil unter den Selbständigen nach seinem Höhepunkt im Jahr 2008 wieder auf das Niveau von 1992 gefallen, obwohl die Beschäftigung in Deutschland zugenommen hat.

Vor allem hängt es vom Beruf ab, ob jemand zu Hause seinen Job ausübt. Besonders viele Heimarbeiter gibt es unter den Lehrern. Diese Gruppe allein stellt gut ein Viertel der abhängig Beschäftigten, die zu Hause arbeiten. Damit hängt zusammen, dass Beamte (34 Prozent) und Angehörige des öffentlichen Dienstes (15 Prozent) viel häufiger zu Hause erwerbstätig sind als Angestellte (neun Prozent) und Arbeiter (ein Prozent). Vergleichsweise viele Arbeitnehmer, die zu Hause arbeiten, finden sich auch unter Führungskräften, Vertretern, Publizisten, Juristen, IT-Kräften, Ingenieuren sowie Geistes- und Naturwissenschaftlern. Fast gar nicht verbreitet ist die Heimarbeit dagegen in den Bau- und Fertigungsberufen, unter den Körperpflegern, Verkäufern, Fahrzeugführern sowie in gast- oder hauswirtschaftlichen Berufen.

Fast 60 Prozent der Arbeitnehmer mit häuslicher Erwerbstätigkeit haben einen Hochschulabschluss. Jeder vierte Akademiker geht manchmal oder hauptsächlich seinem Job von zu Hause aus nach. Unter den Arbeitnehmern mit einer abgeschlossenen Lehre (vier Prozent) und solchen ohne Berufsabschluss (drei Prozent) ist das viel weniger der Fall.

Sehr viel stärker verbreitet als in Deutschland ist die häusliche Erwerbstätigkeit insbesondere in den skandinavischen Staaten sowie in Frankreich, Großbritannien und in den mitteleuropäischen Ländern (Schweiz, Österreich, Belgien und Luxemburg). Überdies hat in Europa der Anteil der Heimarbeiter an allen Arbeitnehmern stetig zugenommen, während er in Deutschland abgenommen hat.

Woran das liegt, lässt sich laut Brenke anhand der für die Untersuchung verfügbaren Daten nicht klären: „Zwar gibt es in Deutschland viele Arbeitsplätze in der Industrie, die sich für Heimarbeit nicht eignen, doch insgesamt dürfte sich die Berufsstruktur nur wenig von Ländern wie der Schweiz oder Schweden unterscheiden.“ Als Erklärung blieben lediglich besser für Heimarbeit geeignete Arbeitsbedingungen in anderen Ländern oder eine höhere Akzeptanz häuslicher Erwerbstätigkeit. Dies gelte es zunächst zu klären, so Brenke: „Erst dann könnten Initiativen zur Förderung der Heimarbeit entwickelt werden, um auf diese Weise Beruf und Familie besser in Einklang zu bringen.“

(Redaktion)