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| Fr, 24.02.2012 07:22

Internet-Service verhindert Kabel-Irrsinn bei Präsentationen auf Konferenzen und Messen

Bisher benötigte man passende Kabel, um den Laptop an einen zusätzlichen Monitor oder einen Beamer anzuschließen. Forscher des Intel Visual Computing Institute der Universität des Saarlandes machen jetzt Schluß mit dieser umständlichen Praxis, indem sie Computer und Anzeigegerät über einen „Internet-Service“ miteinander verbinden. Auf diese Weise können Bildschirminhalte beliebig auf die Displays unterschiedlicher Endgeräte geschaltet und sogar großflächige Monitorwände bespielt werden. Erstmals präsentieren die Forscher der Saar-Uni ihre Ergebnisse auf der Computermesse Cebit, die vom 6. bis 10. März in Hannover stattfindet.

Kein Kabelsalat mehr notwendig: Per Internet-Service lassen sich Präsentationen auf den Display beliebiger Endgeräte anzeigen. (Foto: Uwe Bellhäuser)

Kein Kabelsalat mehr notwendig: Per Internet-Service lassen sich Präsentationen auf den Display beliebiger Endgeräte anzeigen. (Foto: Uwe Bellhäuser)


„Manche versuchen es mit einem Witz auf eigene Kosten zu überspielen, andere möchten am liebsten im Boden versinken. Doch es passiert jeden Tag, in unzähligen Besprechungen“, berichtet Philipp Slusallek, Professor für Computergraphik an der Saar-Universität und wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Immer wieder vergingen peinliche Minuten, bis der Vortragende den einzigen Anschluss für den Projektor erreicht habe und die Präsentation für alle sichtbar sei.

Diesen Kabel-Irrsinn wollte das Team um Philipp Slusallek beenden und fand eine Lösung, mit der man sogar dreidimensionale Inhalte auf großflächigen Monitorwänden darstellen kann. „Der Ansatz ist denkbar einfach“, erklärt Alexander Löffler, der gemeinsam mit Forschern am Intel Visual Computing Institute die dazugehörige Software „NetVFB“ entwickelt hat. Ist sie auf dem Computer installiert, kann jede Anwendung das von ihr erzeugte Monitorbild in einen virtuellen Bildspeicher (Framebuffer) packen, so dass dieses auch im Netzwerk als abrufbarer Dienst sichtbar ist. Die im Konferenzsaal verfügbaren Anzeigegeräte werden ebenfalls im Netzwerk als Dienste dargestellt. „Die Präsentation lässt sich dann per Knopfdruck auf das gewünschte Display schalten, übertragen wird sie per Internet“, so Löffler.

Das ist jedoch nicht alles. Mit der neuen Software können die Bildschirminhalte mehrerer Teilnehmer-Notebooks auf einem einzigen Bildschirm dargestellt werden. Da der virtuelle Bildspeicher gleichzeitig auf mehreren Displays angezeigt werden kann, ist es auch möglich, dass der Vortragende seine Präsentation vom Smartphone aus betrachtet und steuert. Die Software kann auch außerhalb von Besprechungen eingesetzt werden. Da moderne LCD-Displays nur noch Ränder von zwei bis drei Millimetern Breite aufweisen, lassen sich daraus nicht nur preiswerte, sondern auch großflächige und hoch aufgelöste Monitorwände bauen. Selbst wenn diese aus mehr als 20 Displays bestehen, reicht ein Laptop aus, um diese über eine herkömmliche WLAN-Verbindung mit Inhalten zu bespielen. Das ist bisher nur mit erheblichem Hardware-Aufwand möglich. Daher ist der neue Ansatz der Saarbrücker Informatiker auch für Bandenwerbung in Sportstadien oder interaktive Displays im Handel interessant.

„Wir können auf solchen Monitorwänden sogar 3-D-Filme wie ‚Avatar’ zeigen“, fügt Löffler hinzu. Verwendet man dazu so genannte Shutterbrillen, müssen alle Monitore jeweils zum exakt gleichen Zeitpunkt das Bild für das rechte und linke Auge darstellen, damit sich der räumliche Eindruck ergibt. „Diese Synchronisierung leisten wir durch eine hardwarenahe Kontrolle der Graphikausgabe“, erklärt Löffler.

Intern nutzt die Software optimierte Video-Übertragungsprotokolle, um die Bilddaten synchronisiert von den virtuellen Bildspeichern direkt auf die Displays übertragen zu können. Im herkömmlichen Ansatz wird der Display-Inhalt 60-Mal pro Sekunde unkomprimiert über Kabel für diverse Standards wie VGA, DVI oder HDMI zum Anzeigegerät übertragen. Gerade bei hochauflösenden Displays fallen so leicht mehrere Gigabyte pro Sekunde an. Bei dem Ansatz der Saarbrücker Informatiker müssen dagegen nur die jeweils geänderten Daten und diese auch nur in komprimierter Form gesendet werden. Das reduziert den Aufwand auf einen Bruchteil. Damit ist es auch technisch möglich, die Inhalte auch auf den Displays mobiler Endgeräte darzustellen. Die Forscher arbeiten beispielsweise daran, mit dieser Technologie den Navigationsbildschirm eines Smartphone auf die elektronische Anzeige im Armaturenbrett eines Autos zu übertragen. Dies würde nicht nur im Wagen völlig neue Benutzerschnittstellen ermöglichen.

(Redaktion)