Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Mi, 02.09.2015 12:45

Jeder zweite Ausbildungsplatz bleibt in Kleinstbetrieben frei

Ende Juli gab es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit noch 24.000 Ausbildungsbewerber mehr als freie Stellen gemeldet worden waren. Vordergründig scheint dies für eine sinkende Ausbildungsbereitschaft der mittelständischen Betriebe, insbesondere jedoch der Kleinstbetriebe, zu sprechen.


Betrachtet man die statistischen Daten, scheint sich die sinkende Ausbildungsbereitschaft der Kleinstbetriebe zu bestätigen: Allein zwischen 2007 und 2013 sank die Anzahl der ausbildenden Kleinstbetriebe um 21,8 Prozent, während die Anzahl der ausbildenden Kleinbetriebe (10 bis 49 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte) nach einem zeitweisen Rückgang wieder das frühere Niveau erreicht hat. Unter den mittleren und großen Betrieben war hingegen eine Zunahme an Ausbildungsbetrieben zu beobachten.

Tatsächlich belegen jedoch mehrere Untersuchungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn, dass die Kleinstbetriebe immer mehr Schwierigkeiten haben, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen. So blieb allein zwischen 2011 und 2013 jede zweite angebotene Ausbildungsstelle unbesetzt. Zum Vergleich: Bei den Großbetrieben fand sich nur für jeden fünften Ausbildungsplatz kein Bewerber.

„Den Kleinstbetrieben fehlt es aus ihrer Sicht an geeigneten Bewerbern. So geben sie an, sehr viel häufiger als größere Betriebe Bewerbungen von Jugendlichen zu bekommen, deren Schulausbildung nicht den Anforderungen entspricht“, berichtet Dr. André Pahnke, Wissenschaftler am IfM. Hinzu komme, dass die Kleinstbetriebe häufig in den technisch-gewerblichen Bereichen tätig seien, in denen die Jugendlichen seltener eine Ausbildung anstreben.

Aber auch ein Vertragsabschluss bedeutet nicht automatisch, dass die Auszubildenden dauerhaft bei dem Betrieb bleiben: Sowohl nach der Probezeit als auch nach Ende der Ausbildungszeit verlassen viele Auszubildende die Kleinstbetriebe – was dafür spricht, dass sie entweder attraktivere Angebote haben oder noch einen höheren Bildungsabschluss anstreben.

Dass die Ausbildungsbereitschaft der Kleinstbetriebe tatsächlich sinkt, erwartet Pahnke erst, wenn sich generell deren wirtschaftliche Lage verschlechtert: „Dies würde die Kleinstbetriebe aufgrund ihrer Größe und ihrer geringeren Rücklagen schneller existenziell bedrohen als größere Betriebe. Aus diesem Grund fallen dann auch die Kosten, die mit der eigenen betrieblichen Ausbildung verbunden sind, stärker ins Gewicht. So mancher Kleinstbetrieb wird sich dann sicherlich überlegen, ob er ausbildet oder nicht. Dies könnte auch der Fall sein, wenn ein Ausbildungsplatz längere Zeit unbesetzt bleibt“, so der IfM-Wissenschaftler.

(Redaktion)