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KMU & Freiberufler | Mo, 27.05.2013 13:12

Kapital und gute Kontakte - Family Offices auf der Suche nach Unternehmensbeteiligungen

Von: Matthias Tröger

Die Familien Morgan und Rockefeller haben es vorgemacht: Bereits Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts legten sie die Verwaltung ihrer ansehnlichen Vermögen in die Hände eigenständiger Verwaltungsgesellschaften. Sinn dieser sogenannten „Family Offices“ für eine oder gleich mehrere wohlhabende Familien waren Erhalt und Vermehrung des Kapitals durch professionelle Vermögensverwalter. Wie viele Family Offices heute am Markt agieren, lässt sich nur schwer sagen. Doch so unterschiedlich sie auch sein mögen, sie alle suchten in den letzten Jahren verstärkt nach aussichtsreichen Direktinvestitionen in mittelständische und auch größere Unternehmen.


Die Gründe liegen auf der Hand: Niedrige Zinsen mehren die Sorge um den Werterhalt des eigenen Vermögens. Der Immobilienmarkt scheint überhitzt. Die Anlage in Wertpapiere war in den vergangenen Krisenjahren nur etwas für starke Nerven.  Bleibt die Möglichkeit, sich an interessanten Unternehmen zu beteiligen, um dadurch  – langfristig – einen nachhaltigen „Return on Investment“ zu erzielen. Schließlich geht es den Family Offices nicht um schnelle Rendite, sondern um Sicherheit.

Gute Zeiten also für Unternehmer auf der Suche nach starken und solventen Partnern. Denn Family Offices verfügen nicht nur über Kapital und Geduld, sie favorisieren auch Minderheitenbeteiligungen und haben nur selten Interesse an der Übernahme von Managementaufgaben. Ein weiterer Pluspunkt: Aufgrund ihrer exzellenten Kontakte können die Unternehmerfamilien im Hintergrund überaus hilfreich sein – als Türöffner bei potenziellen Partnern oder Kunden oder etwa beim Neueintritt in ausländische Märkte.

Selbstverständlich ist nicht jedes Unternehmen für Family Offices gleichermaßen interessant. An spezielle Branchen gekoppelt ist ein Engagement aber ebenso wenig. Aktuell favorisieren FOs Investitionen in die Bereiche Gesundheit, Infrastruktur und Genuss. Alkohol, Sex und Waffen dagegen sind für die meisten Vermögensverwaltungen tabu.

Wenig konjunkturanfällig sollten die Unternehmen freilich sein, am besten Nischenplayer, Hidden Champions oder Markenartikler. Neben stabilem Cash Flow und soliden Erfolgsaussichten sind den Unternehmensbewertern der Family Offices vor allem zwei Dinge wichtig: ein ausgezeichnetes Management auf der einen und klare gesellschaftsrechtliche Verhältnisse auf der anderen Seite.

Experten sehen in Family Offices eine echte Bereicherung für den Unternehmensmarkt. Diese agieren diskret, schnell und zuverlässig. Sie verbessern die Finanzierungssicherheit der Unternehmen und machen sie unabhängiger von den Unwägbarkeiten des Finanzmarkts. Zudem bieten sie Lösungen für spezielle Problemstellungen – beispielsweise bei der Auszahlung von Mitgesellschaftern oder Miterben eines Familienvermögens, bei der Akquisitions- oder Expansionsfinanzierung.

Ob Family Offices im Unternehmensmarkt auf Dauer eine Rolle spielen werden? – So lange der Finanzmarkt nur geringe Renditen bietet und seine Reputation nicht deutlich verbessert, ganz sicher. Auch in Anbetracht des aufgeblähten Geldvolumens bleibt die Direktinvestition einfach eine attraktive Alternative.

Unternehmen, die an einer Minderheitenbeteiligung durch ein Family Office interessiert sind, sollten sich stets an einen Spezialisten wenden, der bei Family Offices eingeführt ist und im Umgang mit diesen Expertise hat. Denn Family Offices sind überaus verschwiegen und gehen nie öffentlich auf Einkaufstouren.

Zum Autor: Matthias Tröger ist Diplom-Betriebswirt und geschäftsführender Gesellschafter der seneca Corporate Finance GmbH. Weitere Informationen stehen unter www.seneca-cf.de zur Verfügung.