Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Di, 16.09.2014 09:11

Keine Rezession trotz schwächelnder Wirtschaft

Das RWI senkt seine BIP-Prognose für dieses Jahr von 2,0 auf 1,5 Prozent, für 2015 von 2,2 auf 1,8 Prozent. Auch wenn sich die konjunkturelle Dynamik in Deutschland abgeschwächt hat, sind keine Anzeichen einer beginnenden Rezession zu erkennen. Getrieben von der Inlandsnachfrage dürfte der Aufschwung im Laufe des kommenden Jahres wieder an Schwung gewinnen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte leicht rückläufig sein und die Inflation voraussichtlich zunehmen.


Die deutsche Konjunktur hat sich im Frühjahr dieses Jahres deutlich verlangsamt. Zwar war der Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal zum Teil Folge der ungewöhnlich milden Witterung im ersten Quartal. Allerdings scheint sich auch die konjunkturelle Dynamik abgeschwächt zu haben. Dämpfend wirkte insbesondere die Außenwirtschaft.

Allerdings dürfte das im zweiten Quartal rückläufige Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht den Beginn einer Rezession markieren. So waren die Monatsindikatoren für Juli überraschend günstig. Zudem stieg die Beschäftigung bis zuletzt, die Arbeitslosigkeit lag stabil auf im längerfristigen Vergleich niedrigem Niveau und die Zahl der offenen Stellen nahm zu. Da auch die Finanzpolitik leicht stimulierend wirkt und die Geldpolitik bis zum Ende des Prognosezeitraums expansiv ausgerichtet sein dürfte, erwartet das RWI, dass sich der Aufschwung fortsetzt und im Laufe des kommenden Jahres etwas an Schwung gewinnt.

Treibende Kraft wird dabei voraussichtlich die Inlandsnachfrage sein. Denn der Private Konsum dürfte von der weiterhin günstigen Lage am Arbeitsmarkt und den deshalb kräftig steigenden Bruttolöhnen und -gehältern profitieren. Zudem werden die monetären Sozialleistungen 2015 voraussichtlich spürbar ausgeweitet. Die dadurch kräftig steigenden verfügbaren Einkommen bilden auch günstige Rahmenbedingungen für die Wohnungsbauinvestitionen, zumal die Finanzierungskosten wohl niedrig bleiben werden. Auch die Unternehmensinvestitionen dürften bei zunehmender Kapazitätsauslastung und weiterhin niedrigen Zinsen beschleunigt steigen.

Keine Impulse sind dagegen von der Außenwirtschaft zu erwarten. Zwar wird sich der Anstieg der Exporte im Prognosezeitraum beschleunigen, allerdings nicht so stark wie der der Importe. Vor diesem Hintergrund erwartet das RWI einen Anstieg des BIP um 1,5 Prozent in diesem und um 1,8 Prozent im kommenden Jahr.

Ungeachtet des Konjunkturaufschwungs und der weiter zunehmenden Beschäftigung dürfte die Arbeitslosigkeit nur leicht zurückgehen und die Arbeitslosenquote bei 6,6 Prozent verharren. Zum einen wird die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns wohl den Arbeitsmarkt belasten, zum anderen dürfte der Beschäftigungsaufbau auch weiterhin aus der Stillen Reserve und der Zuwanderung erfolgen. Der Preisauftrieb wird vorerst gering bleiben, in diesem und im nächsten Jahr aber voraussichtlich wieder zunehmen. Die Inflationsrate dürfte sich entsprechend von 1,0 Prozent in diesem Jahr auf 1,6 Prozent im kommenden Jahr erhöhen.

Die Lage der öffentlichen Haushalte dürfte sich ungeachtet der leicht expansiven Ausrichtung der Finanzpolitik verbessern, da die Steuereinnahmen aufgrund der sich bessernden Konjunktur und der kalten Progression wohl kräftig steigen werden. Der staatliche Budgetüberschuss dürfte sich im laufenden Jahr auf zwölf Milliarden Euro und im kommenden Jahr reichlich dreizehn Milliarden Euro (jeweils 0,4 Prozent des BIP) erreichen.

Wegen der im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn in Deutschland deutlich aufwärtsgerichteten Konjunktur, der niedrigen Arbeitslosigkeit und der guten Lage der öffentlichen Finanzen lässt sich hierzulande eine gewisse Selbstzufriedenheit beobachten. Entsprechend stehen in der Wirtschaftspolitik derzeit verteilungspolitische Maßnahmen im Vordergrund, die vielfach negativ auf das langfristige Wachstum wirken. Eine wieder stärker am Wachstum ausgerichtete Wirtschaftspolitik würde nicht nur Deutschland besser auf die Herausforderungen des demografischen Wandels vorbereiten, sondern könnte letztlich auch dem Euro-Raum zu einer kräftigeren Expansion verhelfen.

(Redaktion)