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Wirtschaft | Mi, 29.05.2013 09:49

KfW: Deutschland kommt 2013 nur wenig über Stagnation hinaus

Dank des privaten Konsums zu Jahresbeginn 2013 ist die deutsche Konjunktur stabil. Aufgrund eines ungünstigen Mix von belastenden Witterungseffekten, der schwierigen Lage in Europa und der damit einhergehenden Investitionsschwäche kam das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal jedoch kaum über Stagnation hinaus.


Voraussichtlich wird der Bau mit dem Nachholen der witterungsbedingten Produktionsausfälle für zusätzlichen Schwung im zweiten Quartal sorgen. Dadurch sollte such im späteren Jahresverlauf eine Erholung anschließen. Trotzdem ist wegen des sehr ungünstigen Startniveaus im Gesamtjahr 2013 nur noch ein geringes Wachstum erreichbar.

„Wir revidieren deshalb unsere Prognose für das laufende Jahr deutlich von 0,9 Prozent auf 0,3 Prozent nach unten. 2014 dürfte sich das Realwachstum auf 1,7 Prozent erhöhen, sofern auch Europa Fortschritte macht und die Konjunktur im Rest der Welt ihre derzeitige Dynamik behält“, erklärt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

Die stabile Konsum- und Wohnbaukonjunktur verhindert zwar, dass die Rezession in der Eurozone auch auf Deutschland übergreift. Ein kräftiger Aufschwung entsteht allein daraus aber noch nicht. Hierfür müssen sich auch die Exporte wieder beleben und über eine steigende Kapazitätsauslastung den Investitionen der Unternehmen Impulse geben. Die Kraft des Aufschwungs hängt deshalb vor allem an Europa, dem nach wie vor wichtigsten Markt für die deutschen Unternehmen.

„Die Eurozone ist nur sehr langsam auf dem Weg der Stabilisierung. Die Sorge um die europäischen Arbeitsplätze und die Einkommen der privaten Haushalte bleibt berechtigt. Gleichwohl sind wir vorsichtig optimistisch, dass die Bremseffekte aus Europa im Prognosezeitraum etwas nachlassen und die Eurozone bis 2014 wieder zu moderat positiven Wachstumsraten zurückfinden kann“, erklärt Zeuner.

Wesentliche Gründe dafür sind, dass die Unsicherheit über den Fortbestand der Eurozone angesichts des politischen Willens zum Zusammenhalt weiter abebben sollte. Zudem sind die europäischen Reformländer mit der Krisenbewältigung zwar noch nicht am Ziel, aber doch erkennbar vorangekommen. Eine langsamere Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und höhere Unternehmensinvestitionen aufgrund besserer Kreditmarktbedingungen in den Reformländern sowie mehr Klarheit über noch anstehende Strukturreformen sollten weitere Impulse liefern.

„Bereits die begründete Aussicht auf Besserung in Europa dürfte den deutschen Investitionen einen Schub verleihen - denn nach anderthalb Jahren rückläufiger Ausrüstungsinvestitionen sind inzwischen viele Projekte in der Pipeline, die bei sich aufhellenden Absatzperspektiven und niedrigen Finanzierungszinsen sehr attraktiv sind“, fasst Zeuner zusammen.

Das größte Konjunkturrisiko besteht in einer neuerlichen Eskalation der Krise. Sollten die Bremsimpulse aus weiten Teilen der Eurozone nicht nachlassen, sondern sich sogar intensivieren, wäre ein Übergreifen der europäischen Rezession auf Deutschland kaum mehr zu vermeiden.

(Redaktion)