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Wirtschaft | Fr, 30.10.2009 09:34

KfW/ZEW-Gründungspanel: Aktivitäten von jungen Unternehmen in 2008 auf Sparflamme - aber positiver Ausblick auf 2009

Die Finanz- und Wirtschaftskrise verschont auch Gründungen und junge Unternehmen nicht: Knapp 48 Prozent der jungen Unternehmen in Deutschland geben an, im Frühsommer 2009 von negativen Folgen der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise betroffen zu sein. Vor allem spüren sie die Auswirkungen bei der Auftragslage (41 Prozent berichten von Einbußen) sowie der Umsatz- und Gewinnsituation (43 Prozent beziehungsweise 40 Prozent geben Verschlechterungen an).


Diese Ergebnisse beruhen auf dem KfW/ZEW-Gründungspanel, das Unternehmensgründungen ab ihrem Gründungszeitpunkt verfolgt und ihre Entwicklung im Zeitverlauf erfasst. Die Ergebnisse der zweiten Befragungswelle, die Gründungen der Jahre 2005 bis 2008 umfasst, wurden in der KfW Bankengruppe in Frankfurt durch Vertreter von KfW, ZEW und Creditreform vorgestellt.

Die Entwicklung der jungen Unternehmen zwischen dem Jahr 2007 und dem Jahr 2008 bildet einen Schwerpunkt der Analysen. "Die jungen Unternehmen in Deutschland haben ihre wirtschaftlichen Aktivitäten im Jahr 2008 spürbar reduziert: Es gab weniger Beschäftigung durch die Unternehmensgründungen und die Innovationsaktivität ließ im Vergleich zu 2007 nach," sagt Dr. Axel Nawrath, Vorstandsmitglied der KfW Bankengruppe. Für das Gesamtjahr 2009 indes - die Befragung der Unternehmen fand von Mai bis August dieses Jahres statt - rechnen vor allem die in 2008 gestarteten Gründungen damit, dass sich ihr Umsatz verbessert (73 Prozent). "Die jungen und insbesondere die in 2008 neu gestarteten Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Situation für das Jahr 2009 besser. Ich hoffe, dass sich dieser Optimismus in entsprechenden Entwicklungen bestätigt. Die KfW Bankengruppe als Förderbank wird den Gründern und jungen Unternehmern weiter ein verlässlicher Finanzierungs- und Beratungspartner sein", sagt Dr. Nawrath.

Im Jahr 2008 wurden durch die Neugründungen rund 410.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze geschaffen. Dies bedeutet im Vergleich zu 2007 einen Rückgang des direkten Bruttobeschäftigungseffekts von 110.000 Arbeitsplätzen. Dieser Rückgang hat zum einen seine Ursache in der sich 2008 fortsetzenden rückläufigen Gründungstätigkeit, ist aber auch auf die geringere Größe der neuen Unternehmen von durchschnittlich zwei vollzeitäquivalenten Arbeitsplätzen (inklusive Gründungsperson) zurückzuführen. Im Jahr 2007 lag diese noch bei 2,5 Arbeitsplätzen. "Junge Unternehmen, die ihre ersten Lebensjahre erfolgreich gemeistert haben, sind im Durchschnitt auch im Jahr 2008 gewachsen und konnten so einen positiven Beitrag zur Beschäftigung leisten. Allerdings wachsen 44 Prozent der neuen Unternehmen nicht und haben auch vier Jahre nach ihrer Gründung neben den Gründerpersonen keine weiteren Beschäftigten", sagt Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung am ZEW.

Insgesamt 16 Prozent der 2008 gegründeten Unternehmen haben bis zum Zeitpunkt der Befragung 2009 ein Produkt oder eine Dienstleistung als erster Anbieter auf ihrem Markt eingeführt. Im Vergleich zur Gründungskohorte 2007 bedeutet dies einen Rückgang um drei Prozentpunkte. Die rückläufigen Innovationsaktivitäten junger Unternehmen spiegeln sich auch im Anteil der Unternehmen mit Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wider. Lag im Jahr 2007 dieser Anteil der bis zu zwei Jahre alten Unternehmen mit FuE-Aktivitäten noch bei 16 Prozent, sank er 2008 auf 12 Prozent. "Unternehmen, die erst im vergangenen Jahr an den Start gingen, sind weniger innovativ als der Altersjahrgang zuvor. Ursächlich für den Rückgang sind neben schlechteren Geschäftsaussichten vor allem die verschärften Finanzierungsbedingungen", sagt Prof. Dr. Helmut Rödl, Mitglied Gesamtvorstand des Verbands der Vereine Creditreform e.V., und Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Creditreform AG.

Der größte Teil der jungen Unternehmen investierte im Jahr 2008 weniger als 10.000 Euro; es unternahmen jedoch auch 22 Prozent Investitionen von mehr als 50.000 Euro. Rund 70 Prozent der Unternehmen investieren in den ersten Jahren ihres Bestehens wiederholt in den Aufbau oder die Erneuerung ihrer Kapazitäten. Die Finanzierung der Investitionen bei den 2008 gegründeten Unternehmen erfolgt zu 76 Prozent über externe Mittel von Seiten der Gründer oder externer Kapitalgeber. Erst mit zunehmendem Alter können junge Unternehmen verstärkt auf unternehmensinterne Mittel aus Umsätzen oder Gewinnrücklagen zurückgreifen. Knapp ein Drittel aller befragten Unternehmen geben an, dass sie ihre geplanten Investitionen für 2008 nicht im gewünschten Ausmaß realisieren konnten. "Hauptursachen für die geänderten Investitionspläne sind eine unzureichende Finanzierung und eine Verschlechterung der Geschäftsaussichten. Vor allem die innovativen und jüngst gegründeten Unternehmen berichten über Finanzierungsschwierigkeiten", sagt Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

(ZEW)