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Wirtschaft | Fr, 23.05.2014 12:58

KMU in der Metropolregion Stuttgart brauchen mehr Zukunftsorientierung

Die kleinen und mittleren Unternehmen in der Metropolregion Stuttgart belegen hinsichtlich Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit eine Spitzenposition. Das belegt eine aktuelle Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI. Die Studie deckt aber auch deutliche und teils besorgniserregende Schwachstellen auf: Die KMU sind nicht ausreichend auf den technologischen und demographischen Wandel eingestellt und damit weniger gut für die Zukunft gerüstet als die großen Unternehmen.


Die Innovationsstärke in der Metropolregion Stuttgart liegt vor allem in den traditionell wichtigen Branchen des Maschinenbaus, insbesondere im Bereich der Werkzeugmaschinen, und des Automobilbaus beziehungsweise der Automobilzulieferindustrie. In ihren angestammten Feldern sind die Unternehmen, auch die KMU, zweifelsohne gut aufgestellt. Die durchschnittlichen Aufwände der KMU für Forschung und Entwicklung liegen laut Studie bei etwa 3,7 Prozent. Das ist zwar deutlich unter dem Durchschnittswert des gesamten Verarbeitenden Gewerbes von 7,1 Prozent in der Metropolregion Stuttgart, aber im regionalen Vergleich immer noch sehr gut.

Zudem können die KMU der Metropolregion mit der höchsten Arbeitsproduktivität aufwarten und verfügen über ein umfassendes Angebot an produktbegleitenden Dienstleistungen sowie über sehr eingespielte Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten und Abnehmern. Bei der effizienten Gestaltung der Produktion sind die Unternehmen der Region führend.

Die Studie zeigt jedoch auch, dass viele KMU sich nicht in dem Maße mit zukünftigen Märkten und Technologien auseinandersetzen, wie dies notwendig wäre. Die Folge sind unter anderem fehlende Impulse und wechselseitige Befruchtungen aus anderen Technologiefeldern sowie die Gefahr, Zukunftsmärkte nicht rechtzeitig zu erschließen.

Dr. Christoph Zanker, Projektleiter der Studie am Fraunhofer ISI, warnt deshalb: „Die Verschränkung der technologischen Felder in neuen Anwendungskontexten, beispielsweise die IT-technische Vernetzung der gesamten Wertschöpfungskette oder der Einsatz von bio- oder nanotechnologischen Materialien und Werkstoffen, wird zunehmen. Vor diesem Hintergrund kann die Einstellung, sich nur wenig austauschen zu wollen, zukünftig nicht zu unterschätzende Wettbewerbsnachteile nach sich ziehen und sogar dazu führen, den Anschluss in sogenannte Zukunfts- oder Hightech-Felder wie neue Materialien, Optik, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik oder der Medizintechnik zu verlieren.“

Daher wird es laut der Studie entscheidend sein, inwiefern es den Unternehmen jetzt aus eigener Kraft gelingt, wichtige neue technologische Lösungen außerhalb ihres Unternehmens frühzeitig zu erkennen. Diese müssen die Unternehmen dann in Form passfähiger Anwendungen oder neuer Produkte und Dienstleistungen zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit umsetzen.

Auch die weiter sinkende Anzahl von Patentanmeldungen von KMU − mehr als 90 Prozent aller Patente melden Großunternehmen an − hat die Studie bestätigt. Hintergrund dieses Trends könnten mangelhafter Wissenstransfer von Großunternehmen Richtung kleiner und mittlerer Zulieferbetriebe sein. Eine weitere Möglichkeit ist, dass das erarbeitete Wissen aufgrund der hohen Marktmacht in die großen Unternehmen abfließt und dort patentiert wird. Dies bedeutet, dass die Innovationskraft der Metropolregion Stuttgart nicht in der Breite durch die vielen KMU abgestützt ist, sondern auf den Schultern einiger weniger Großunternehmen ruht.

„Um weiterhin das für den globalen Wettbewerb notwendige Maß an Innovationskraft zu erhalten, sollten sich die KMU nicht auf die Innovationsstärke der Großunternehmen verlassen. Trotz der eingespielten Abnehmer-Lieferanten-Netzwerke droht ansonsten die Abkopplung von wichtigen Technologie- und Markttrends", fasst Zanker zusammen. Dies erfordere vor allem den frühzeitigen Auf- und Ausbau lernförderlicher Arbeitsstrukturen, die Gewinnung von Beschäftigten mit zukünftig relevanten Fähigkeiten und Kompetenzen, die Professionalisierung von Innovationsprozessen für Eigenentwicklungsprojekte sowie eine Steigerung der Kooperationsfähigkeit mit Wertschöpfungspartnern und Forschungseinrichtungen auch außerhalb der eigenen Branche oder des Technologiefelds.

(Redaktion)