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Wirtschaft | Fr, 14.03.2014 08:57

Konjunktur bleibt moderat

Das RWI erhöht seine Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums für das Jahr 2014 gegenüber Dezember 2013 von 1,5 auf 1,9 Prozent; für 2015 werde 2,1 Prozent erwartet. Die Konjunktur dürfte vor allem von der Inlandsnachfrage getragen werden. Die Inflation dürfte anziehen, aber moderat bleiben, die öffentlichen Haushalte werden im nächsten Jahr voraussichtlich einen kleinen Überschuss erzielen. Die Arbeitslosenquote dürfte 2015 kaum noch sinken, weil die Einführung eines Mindestlohns Arbeit verteuert. Die Finanzierung von Umverteilungsmaßnahmen zu Lasten der Sozialversicherung gefährdet die Erfolge am Arbeitsmarkt der vergangenen zehn Jahre zusätzlich.


Die Konjunktur in Deutschland hat gegen Ende des vergangenen Jahres deutlich an Schwung gewonnen. Diese positive Tendenz dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen. Hierfür sprechen vor allem die günstigen Stimmungsindikatoren. Die realwirtschaftlichen Indikatoren verbessern sich hingegen nur langsam, was auf einen nicht übermäßig dynamischen Aufschwung hindeutet. Zwar dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion im ersten Quartal recht stark ausgeweitet werden, weil aufgrund der milden Witterung die Bauproduktion saisonunüblich stark war. Dem dürfte aber eine Gegenbewegung im zweiten Quartal folgen.

Treibende Kraft der deutschen Konjunktur dürfte in diesem Jahr die Binnennachfrage sein. Hierzu werden voraussichtlich mehrere Faktoren beitragen. So wird sich aller Erfahrung nach die günstigere Stimmung unter den Unternehmen in steigenden Ausrüstungsinvestitionen niederschlagen. Die Bauinvestitionen werden wohl weiterhin von niedrigen Zinsen und steigenden Immobilienpreisen profitieren. Da sich der Beschäftigungsaufbau fortsetzen dürfte, ist zudem ein deutlicher Anstieg der privaten Konsumausgaben zu erwarten. Von der Außenwirtschaft dürften hingegen kaum Impulse für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausgehen. Alles in allem dürfte das reale BIP in diesem Jahr um 1,9 Prozent wachsen. Im nächsten Jahr dürfte sich der Welthandel weiter beleben und damit auch der Aufschwung in Deutschland anhalten. Bestimmend für das Expansionstempo wird voraussichtlich die Binnennachfrage bleiben. Das BIP wird im nächsten Jahr voraussichtlich um 2,1 Prozent zunehmen.

Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich im Laufe dieses Jahres mit der anziehenden Konjunktur voraussichtlich weiter verbessern. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt von 6,9Prozent im vergangenen auf 6,7 Prozent in diesem Jahr sinken. Im Jahr 2015 dürfte sich der Abbau der Arbeitslosigkeit allenfalls in geringem Maße fortsetzen. Die angekündigte Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns dürfte aller Voraussicht nach zu Arbeitsplatzverlusten insbesondere bei geringfügig Beschäftigten führen.

Bei im Prognosezeitraum steigender Kapazitätsauslastung ist eine Beschleunigung der Inflation zu erwarten. Dazu dürfte auch beitragen, dass sich die gestiegenen Immobilienpreise allmählich in höheren Mieten niederschlagen. Die Inflationsrate bleibt aber mit voraussichtlich 1,2 Prozent in diesem und 1,6 Prozent im kommenden Jahr langfristig moderat.

Der Staatshaushalt war im Jahr 2013 ausgeglichen. Im Prognosezeitraum dürfte die Finanzpolitik zwar leicht expansiv ausgerichtet sein, allerdings werden die Staatseinnahmen weiter kräftig zunehmen. Daher ist zu erwarten, dass der Staat nach einem abermals ausgeglichenen Haushalt in 2014 im kommenden Jahr einen Überschuss von acht Milliarden Euro bzw. 0,3 Prozent in Relation zum BIP erzielen wird.

Risiken der Prognose ergeben sich unter anderem aus der Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns, dessen Wirkungen sich nur schwer abschätzen lassen. Die politischen Auseinandersetzungen mit Russland aufgrund der aktuellen Krise in der Ukraine könnten außerdem die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern.

Die deutsche Wirtschaftspolitik hat Themenfelder in den Mittelpunkt gerückt, die in erster Linie Verteilungsfragen adressieren. So wurden deutliche Leistungsverbesserungen in der Rentenversicherung angekündigt, und durch den flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn soll die Einkommenssituation von Beziehern geringer Einkommen verbessert werden. Ein Problem der Politik besteht darin, dass gesamtstaatliche Aufgaben durch Sozialabgaben finanziert werden, die die Arbeitskosten erhöhen. Da der gesetzliche Mindestlohn in die gleiche Richtung wirkt, sind die Erfolge der Arbeitsmarktreformen (Hartz-Reformen), die sich in einem deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit während der vergangenen zehn Jahre niederschlugen, erheblich gefährdet.

Die internationale Konjunktur hat zum Ende des vergangenen Jahres weiter an Fahrt gewonnen. Insbesondere in den entwickelten Volkswirtschaften ist die Produktion rascher gestiegen. In den USA hat sich der Aufschwung bereits seit dem Sommer deutlich verstärkt, auch im Euro-Raum hat sich die im Sommer abzeichnende Belebung fortgesetzt. Nur die japanische Wirtschaft hat die jüngste Schwächephase nicht nachhaltig überwunden. Die steigende Nachfrage aus den entwickelten Volkswirtschaften macht sich in den Schwellenländern durch steigende Exporte bemerkbar. Die gesamtwirtschaftliche Dynamik dort ist aber immer noch deutlich moderater als vor der Finanzkrise.

Alles in allem dürfte die weltwirtschaftliche Produktion (gewichtet mit den BIP-Anteilen der Länder in Kaufkraftparitäten) in diesem Jahr um 3,4 Prozent und im kommenden um 3,7 Prozent steigen. Für den internationalen Warenhandel impliziert dies einen Zuwachs von 4,0 Prozent (2014) bzw. 5,3 Prozent (2015).

(Redaktion)