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Wirtschaft | Mo, 08.02.2010 09:59

Konjunktur im südbadischen Handwerk: Auf dünnem Eis

Die Wirtschaftslage im südbadischen Handwerk steht weiter auf dünnem Eis. Zwar verdreifachte sich das Konjunkturbarometer der Handwerkskammer Freiburg im 4. Quartal 2009 mit +17,9 Punkten gegenüber dem Vorjahresstand (+5,6 Punkte). Allerdings: Im Vergleich zum Vorquartal sank der Indikator um 8,8 Punkte. Das ist das Ergebnis der Konjunkturanalyse der Handwerkskammer Freiburg in Zusammenarbeit mit der Creditreform.

Konjunkturindikatoren der HWK Freiburg und des baden-württembergischen Handwerks im Vergleich (Bild: HWK Freiburg).

Konjunkturindikatoren der HWK Freiburg und des baden-württembergischen Handwerks im Vergleich (Bild: HWK Freiburg).


Die gute Nachricht: Die Wachstumskräfte im südbadischen Handwerk haben im Jahresvergleich weiter etwas zugenommen. Das Konjunkturbarometer der Handwerkskammer Freiburg verdreifachte sich im 4. Quartal 2009 mit +17,9 Punkten gegenüber dem Vorjahresstand (+5,6 Punkte). Die Talsohle des Jahres 2009 infolge der Wirtschaftskrise scheint durchschritten. Im gleitenden Durchschnitt der letzten vier Quartale weist die Konjunkturkurve im südbadischen Handwerk daher weiter nach oben.

Allerdings: Im unmittelbaren Vergleich zum Vorquartal sank der Indikator um 8,8 Punkte. Auch die Lagebeurteilung (11,3 Indexpunkte) fällt etwas schlechter aus, als noch im Herbst (16,1 Punkte). Dies zeigt: Die Konjunktur im Handwerk steht zu Jahresbeginn auf dünnem Eis. „Damit spiegeln die Zahlen im Handwerk die aktuelle Entwicklung in der Gesamtwirtschaft wider, die sich im 4. Quartal weniger stark entwickelt hat“, so Kammergeschäftsführer Johannes Burger. „Von einem stabilen, sich selbst tragenden Aufschwung können wir angesichts der Lage noch nicht sprechen“.

Ursache für die aktuelle Entwicklung sei einerseits der Wintereinbruch, aber auch die zunehmende Verunsicherung über die weitere wirtschaftliche Entwicklung im In- und Ausland. „Das Auslaufen der wichtigen Konjunkturprogramme, die offenen Fragen der Steuer- und Haushaltspolitik und die Irritationen über die Geldpolitik im Euroraum führen zu zurückhaltenderen Lagebewertungen“.

Allerdings: Die Betriebe in der Region rechnen nicht mit einer wesentlichen Verschlechterung der Wirtschaftslage im 1. Quartal des laufenden Jahres. 46 Prozent der befragten Handwerksbetriebe in Südbaden rechnen mit einer stabilen Umsatzentwicklung im laufenden 1. Quartal. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren dies nur 34 Prozent. Und immerhin sind 15 Prozent davon überzeugt in den kommenden drei Monaten ihre Umsätze sogar weiter steigern zu können. Ein Viertel der Handwerker gab bei der Befragung an, im letzten Quartal des Jahres 2009 die Auftragslage sogar verbessert zu haben.

Binnen eines Jahres sind vor allem die Geschäftserwartungen der hiesigen Handwerksbetriebe deutlich optimistischer geworden. 44,4 Prozent der Befragten (Vorjahr: 35,6 Prozent) melden positive Geschäftsaussichten. Lediglich noch jeder Fünfte (19,6 Prozent; Vorjahresquartal: 20,8 Prozent) rechnet mit Rückgängen.

Auch die aktuelle Geschäftslage wird von den hiesigen Handwerkern besser eingeschätzt als vor einem Jahr. Bewertete im 4. Quartal des Vorjahres noch jeder dritte Handwerksbetrieb (32,3 Prozent) seine Geschäftslage mit guten Noten, ist dieser Anteil ein Jahr später schon auf 39,1 Prozent gewachsen. Auf ein Quartal mit schlechten Geschäftszahlen blicken 27,8 Prozent (Vorjahr: 26,7 Prozent) der Befragten zurück. Der Teilindex der Lage verdoppelt daraufhin den Vorjahreswert (+5,7 Punkte) und notiert nun bei +11,3 Punkten.

Ein Drittel der Handwerksbetriebe im Bezirk der Kammer Freiburg (33,1 Prozent) meldet für die vergangenen drei Monate steigende Umsatzzahlen. Dieser Anteil entspricht in etwa dem Vorjahreswert (33,4 Prozent). Gleichzeitig mussten sich weniger Handwerker als im Vorjahresquartal mit sinkenden Umsatzerlösen zufrieden geben. Anders als Ende 2008, als für 28,5 Prozent der Handwerksfirmen die Umsatzkurve nach unten zeigte, sind diesmal nur 25,5 Prozent der Betriebe betroffen.

Die Umsatzerwartungen der Handwerker hellen sich auf: Nachdem im Vorjahresquartal nur 11,3 Prozent der Betriebe mit einem Umsatzplus rechneten, sind es in diesem Jahr schon 15,5 Prozent. Deutlich ist der Rückgang bei denjenigen, die mit negativen Umsatzerwartungen in die kommenden Monate gehen. 37,9 Prozent der Unternehmen erwarten Umsatzeinbußen. Im Vorjahr lag diese Quote noch bei 54,7 Prozent. Saisonbedingt bleibt der Saldo aus prognostizierten steigenden und sinkenden Umsätzen aber im negativen Bereich.

Im Verlauf des 4. Quartals 2009 haben die Handwerker aus dem Kammerbezirk Freiburg erstmals seit längerem per Saldo Personal abbauen müssen. So beschäftigten nur 4,3 Prozent der Handwerksfirmen mehr Mitarbeiter als zum Ende des Vorquartals. 7,6 Prozent der Betriebe kamen mit weniger Mitarbeitern aus. Allerdings fällt der Beschäftigungssaldo im Handwerk der Kammer Freiburg positiver aus als der landesweite Durchschnitt.

Die Beschäftigungsaussichten der Handwerker für die kommenden Monate vermitteln Stabilität. 90 Prozent der Handwerksbetriebe in der Region Freiburg planen, ihren Personalbestand unverändert zu lassen. Neue Impulse für den Arbeitsmarkt dürften aber ausbleiben. Zwar beabsichtigen 3,1 Prozent der Befragten, die Belegschaft aufzustocken. Gleichzeitig wollen aber sieben Prozent der Betriebe ihre Mitarbeiterzahl verringern.

Im Detail ist die Konjunkturlage im Kammerbezirk Freiburg sehr unterschiedlich. So liegen die Konjunkturindikatoren des Kfz-Handwerks und des Gewerblichen Bedarfs teilweise deutlich im negativen Bereich. Bauhandwerk sowie Gesundheits- und Dienstleistungshandwerk blicken dagegen auf ein erfolgreiches Quartal zurück. Die stabilisierende Wirkung der Binnenkonjunktur ist hierbei unübersehbar.

Im Kfz-Handwerk sind die deutlich negativen Konjunkturwerte sowohl auf die schlechten Lagebeurteilungen als auch auf den pessimistischen Ausblick zurückzuführen. Beide Teilindikatoren liegen tief unterhalb der Nulllinie. „Dies bestätigt unsere Meinung: Die Abwrackprämie war ein Strohfeuer ohne stabilisierende Wirkung auf das Kfz-Handwerk“, so Burger.

Auch bei den Metall- und Elektrogewerken, die für den gewerblichen Bedarf fertigen, wurden weiterhin mehrheitlich negative Äußerungen zur Geschäftslage registriert. Die Geschäftsaussichten werden von dieser Handwerksgruppe dagegen besser gesehen als vor Jahresfrist und liegen im neutralen Bereich. „Dies spiegelt die Lage in der gesamten Metall- und Elektrobranche wider“, so Burger, der davon ausgeht, dass eine Erholung in diesem Sektor entscheidend vom Anziehen der Weltwirtschaft und damit des Exports abhängen wird.

Deutlich verbessert zeigt sich das Konjunkturbarometer des Dienstleistungshandwerks und des Gesundheitshandwerks, das im 4. Quartal 2009 die Spitzenposition unter den Handwerksgruppen des Kammerbezirks Freiburg einnahm.

Angesichts der jüngsten Konjunkturdaten aus dem regionalen Handwerk fordert Burger eine „mutigere und entschlossenere Politik, als wir sie in den letzten Monaten erleben durften“. Ob Haushalts-, Steuer-, oder Geldpolitik, die Menschen hätten den Eindruck „dass die Politik lediglich auf Sicht fährt und keinen klaren Kurs vorgibt“. Aber nur wenn die Menschen Vertrauen hätten, wirke sich dies positiv auf die Stimmung in der Wirtschaft aus, so Burger.

(HWK FR)