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Wirtschaft | Fr, 26.07.2013 11:35

Konjunktur in Baden-Württemberg entwickelt sich verhalten

Der konjunkturelle Aufschwung im Südwesten lässt auch nach der Schwächephase zu Jahresbeginn immer noch auf sich warten. Allerdings dürften im weiteren Jahresverlauf – wie in der gesamten deutschen Wirtschaft – die Auftriebskräfte immer mehr an Bedeutung gewinnen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Export. Zwar weisen die Ausfuhren in die Europäische Union nur eine geringe Dynamik auf, aber die USA befinden sich in einer stabilen Phase des konjunkturellen Aufschwungs. Davon dürfte auch die baden-württembergische Exportwirtschaft profitieren. Das zeigt die aktuelle Auswertung des Statistischen Landesamtes.


„Trotzdem wird die Jahreswachstumsrate für Baden-Württemberg voraussichtlich nicht höher ausfallen als 2012“, so die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner. „Wir rechnen für das Gesamtjahr 2013 mit einem realen BIP-Wachstum von rund 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach 0,6 Prozent im Jahr 2012. Wesentlich ist dabei, dass der schwache Jahresbeginn die durchschnittliche Veränderungsrate belastet, obwohl sich die wirtschaftliche Dynamik im Jahresverlauf spürbar erhöhen wird.“

Die Inlandsnachfrage im Verarbeitenden Gewerbe ist nach wie vor kraftlos: In den Frühjahrsmonaten März bis Mai 2013 lagen die Inlandsumsätze in der Industrie preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigt um 1,2 Prozent unter dem Niveau des vorangegangenen Dreimonatszeitraums. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum erreichte das Minus preis- und arbeitstäglich bereinigt sogar einen Wert von 2,6 Prozent. Was für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt gilt, lässt sich auch auf den Fahrzeugbau übertragen: rückläufige Umsätze aus dem Inlandsgeschäft sowohl im Vorjahresvergleich (− 5,2 Prozent) als auch gegenüber der Vorperiode (− 1,8 Prozent). Etwas besser stellt sich die Binnennachfrage nach Gütern des Maschinenbaus dar. Zwar gingen auch hier die Erlöse gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent zurück, allerdings scheint die Talsohle erreicht zu sein. Saisonbereinigt stiegen die Inlandsumsätze im Durchschnitt der Monate März bis Mai leicht um 0,2 Prozent gegenüber der Vorperiode.

Im Bauhauptgewerbe hat die Aktivität gemessen an den geleisteten Arbeitsstunden zuletzt wieder nachgelassen (− 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Eine positive Umsatzentwicklung verzeichnet dagegen der Einzelhandel: hier stiegen die Umsätze sowohl gegenüber dem Vorjahr (+ 1,7 Prozent) als auch gegenüber den Wintermonaten (0,9 Prozent). Die positive Entwicklung, die Ende des vergangenen Jahres einsetzte, verstetigt sich damit.

Insgesamt lässt die Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe jedoch nicht erwarten, dass sich die Inlandsnachfrage in Kürze erholen wird. Der Wert der inländischen Bestellungen lag real und arbeitstäglich bereinigt in den Monaten März bis Mai 2013 erneut unter dem Vorjahreswert (− 3,0 Prozent). Allerdings hat sich dieser Rückgang zuletzt verlangsamt. Günstiger fallen die Stimmungsindikatoren aus, wie die L-Bank-ifo-Indizes, die das Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft und das Konjunkturklima der Verbraucher im Land abbilden. Diese weisen darauf hin, dass sich die Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft im Juni weiter aufgehellt hat. Insbesondere in der Investitionsgüterindustrie stieg der Geschäftsklimaindex deutlich an. Und auch die Verbraucher zeigten sich in jüngster Zeit wieder optimistischer. Allerdings lag der Indexwert im Einzelhandel im Juni niedriger als noch im Mai.

Von der ausländischen Nachfrage nach baden-württembergischen Industrieprodukten gehen deutlich expansive Impulse aus. Im Durchschnitt der Frühjahrsmonate März bis Mai 2013 erzielte das Verarbeitende Gewerbe gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum preis- und arbeitstäglich bereinigt Umsatzsteigerungen von 2,8 Prozent. Dabei spiegelt der Vorjahresvergleich durchaus die aktuelle konjunkturelle Situation wider: gegenüber der Vorperiode stiegen die Auslandsumsätze saisonbereinigt um 2,5 Prozent. Als im Ausland besonders gefragt erwiesen sich Kraftfahrzeuge aus heimischer Produktion. Hier stiegen die Umsätze um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und saisonbereinigt sogar um 9,8 Prozent gegenüber den Wintermonaten. Allerdings stellt sich die Lage bei den Investitionsgüterproduzenten weniger günstig dar: Die Umsätze stiegen hier im Frühjahr um 2,8 Prozent gegenüber dem letzten Jahr, sanken aber mit − 0,5 Prozent gegenüber den Wintermonaten. Ausschlaggebend dafür war die Entwicklung im Maschinenbau. Dort lagen die Auslandsumsätze um 2,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums, gegenüber dem vorangegangenen Dreimonatszeitraum betrug das Minus 2,7 Prozent.

Der vorsichtige Optimismus wird auch durch die Entwicklung der Auftragseingänge gestützt. Der Wert der ausländischen Bestellungen stieg im Frühjahr real und arbeitstäglich bereinigt zwar nur um 0,7 Prozent über das Vorjahresniveau, aber um 1,7 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Vormonate. Der Aufwärtstrend – in erster Linie getrieben durch den Fahrzeugbau – bleibt damit intakt.

Der Beschäftigungsaufbau in Baden-Württemberg hielt auch in den Frühjahrsmonaten unvermindert an. Industrie und Dienstleister beschäftigten 1,7 Prozent mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als im Vorjahreszeitraum. Die Arbeitslosenquote belief sich im Juni auf 3,9 Prozent, was gegenüber dem März ein Rückgang um 0,4 Prozentpunkte bedeutet. Der Anstieg der Verbraucherpreise im Land fiel im zweiten Quartal mit 1,4 Prozent weiterhin sehr moderat aus, wenn er sich zuletzt auch etwas beschleunigt hat (Juni: + 1,7 Prozent).

(Redaktion)