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Wirtschaft | Mo, 30.04.2012 08:17

Konjunktur in Baden-Württemberg: Leichte Abschwächung auf hohem Niveau

Die baden-württembergische Konjunktur verliert in den ersten beiden Quartalen 2012 an Schwung. Allerdings handelt es sich dabei um eine Abschwächung auf hohem Niveau. Immerhin wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Baden-Württemberg 2011 mit 4,4 Prozent dynamischer als in allen anderen Bundesländern (der Bundesdurchschnitt lag bei 3,0 Prozent) und damit am oberen Rand des vom Statistischen Landesamt seit Sommer 2011 prognostizierten Bereichs von rund 4 Prozent.


„Die konjunkturelle Abschwächung, die im vierten Quartal 2011 im Land einsetzte, dürfte sich auch in der ersten Jahreshälfte 2012 fortsetzen. Gegenüber dem Vorjahr erwarten wir im ersten Quartal ein Wachstum von 1,75 Prozent, im zweiten von gut 1 Prozent. Für das zweite Halbjahr zeigt der Konjunkturindikator eine neue Belebung an!, so fasste die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Carmina Brenner, die konjunkturelle Perspektive im Land zusammen.

Zu Jahresbeginn sind die Signale, die von den Einzelindikatoren ausgehen, eher uneinheitlich: inländische wie ausländische Auftragseingänge weisen – saison- und kalenderbereinigt – eine rückläufige Tendenz auf. Andererseits stieg der Produktionsindex des Verarbeitenden Gewerbes in den Wintermonaten Dezember bis Februar nicht nur im Vorjahresvergleich, sondern auch gegenüber der Vorperiode (wenngleich abgeschwächt). Positive Signale sendet auch der stets mit einer gewissen Verzögerung reagierende Arbeitsmarkt: die Zahl der ungeförderten offenen Stellen steigt und die Arbeitslosigkeit bewegt sich auf niedrigem Niveau.

Das Verarbeitende Gewerbe meldet im Vorjahresvergleich steigende Umsätze: preis- und arbeitstäglich bereinigt übertrafen diese in den Wintermonaten Dezember bis Februar die letztjährigen Werte um rund 5 Prozent. Noch in der Vorperiode lag das Umsatzwachstum mit etwa 4 Prozent leicht darunter. Allerdings ist diese steigende Dynamik zu einem Gutteil dem Vorjahresvergleich geschuldet. Zieht man die um saisonale, arbeitstägliche und irreguläre Einflüsse bereinigte Reihe (die sog. Trend-Konjunktur-Komponente) heran, ergeben sich für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt gegenüber der Vorperiode stagnierende Umsätze.

Ein dem Verarbeitenden Gewerbe insgesamt entsprechendes Bild lässt sich auch für den Maschinenbau zeichnen, nicht jedoch für die Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen, da der Fahrzeugbau sich nach wie vor ungebrochen steigenden Inlandsumsätzen gegenüber sieht, was sich auch im Vorjahresvergleich mit +9 Prozent manifestiert. Der Fahrzeugbau ist es auch, der die Binnenkonjunktur der Investitionsgüterproduzenten in erster Linie trägt.

Die Vorleistungsgüterproduzenten erzielten in den Wintermonaten im Vorjahresvergleich ein Umsatzplus von knapp 3 Prozent. Der Vergleich zur Vorperiode zeigt aber, dass die konjunkturellen Impulse auch hier nachlassen. Die Nachfrage nach Vorleistungsgütern (wie z.B. Produkte der Chemieindustrie oder der Metallerzeugung und -bearbeitung) ist dabei ein konjunktureller Frühindikator für die Umsatzentwicklung der gesamten Industrie.

Nicht anders als bei den Vorleistungsgütern sieht das Muster bei den Inlandsumsätzen der Konsumgüterproduzenten aus. Seit gut einem halben Jahr weisen die inländischen Auftragseingänge niedrigere Wachstumsraten zum Vorjahr auf als die Inlandsumsätze, zudem sind beide Größen tendenziell rückläufig. Die aktuellen Zahlen zu den Auftragseingängen lassen erwarten, dass sich die Nachfrage weiter abschwächen wird. Im Durchschnitt der Monate Dezember bis Februar lag der Wert der inländischen Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber dem Vorjahr sogar mit 4 Prozent im Minus, wobei dieser Wert die schwächere Konjunkturentwicklung eher überzeichnet.

In den Wintermonaten Dezember bis Februar stiegen die Auslandsumsätze der baden-württembergischen Industrie real und arbeitstäglich bereinigt um rund 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an, was gegenüber dem Herbst eine leicht rückläufige Rate ist. Tatsächlich haben sich die Nachfrageimpulse, die vom Auslandsgeschäft ausgehen, deutlich abgeflacht. Anders als bei der Binnennachfrage, die einen vorläufigen Zenit erreicht haben dürfte, kann von Stagnation im Vergleich zur Vorperiode aber noch nicht die Rede sein: die Trend-Konjunktur-Komponente der realen Umsätze stieg im Winter um durchschnittlich rund 0,5 Prozent gegenüber dem Herbst, was auf einen 12-Monats-Zeitraum hochgerechnet durchaus ansehnlich ist.

Die gefragtesten Exportgüter der baden-württembergischen Industrie sind Kraftwagen und Kraftwagenteile sowie Maschinen. So bestimmen Maschinen- und Fahrzeugbau auch maßgeblich die Umsätze der Investitionsgüterproduzenten. Deren Umsätze stiegen im Winter im Vorjahresvergleich real um 9 Prozent an, gegenüber den Herbstmonaten (um die genannten Einflüsse bereinigt) um gut 1 Prozent. Bemerkenswert ist die unterschiedliche Entwicklung in Maschinenbau und Fahrzeugbau. Während jener im Winter gegenüber der Vorperiode keine Umsatzzuwächse mehr verzeichnen konnte, stemmt sich dieser eindrucksvoll gegen den Trend: +11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, +2,25 Prozent gegenüber dem Herbst.

Die bislang ungebrochene Konjunktur im Fahrzeugbau kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Auslandsnachfrage vorläufig einen Gang zurückschalten dürfte. Ein deutliches Zeichen ist, wie schon bei der Binnennachfrage, die Umsatzentwicklung der Hersteller von Vorleistungsgütern. Hier ist bereits seit etwa einem Jahr eine rückläufige Entwicklung festzustellen, was eine weiter gedämpfte Nachfrage in anderen Branchen erwarten lässt. Auch die Auftragseingänge, deren Vorjahresveränderungsraten sich seit einigen Monaten im negativen Bereich bewegen, bestätigen den Befund.

(Redaktion)