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Wirtschaft | Mo, 29.04.2013 10:57

Konjunktur in Baden-Württemberg stabilisiert sich

Im Winterhalbjahr durchlief die baden-württembergische Wirtschaft eine konjunkturelle Schwächephase. Im ersten Quartal 2013 wird das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vorjahresvergleich nach jetzigem Kenntnisstand allenfalls geringfügig gestiegen sein. Grund für die unerwartete Schwäche im ersten Quartal ist nicht zuletzt das erneute Aufflammen der Krisenherde im Euroraum. Dadurch verschlechterten sich die Ertragserwartungen, was sich potenziell dämpfend auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen auswirkte. Auch im zweiten Quartal dürften Unsicherheiten die konjunkturelle Erholung belasten, aber nicht ausbremsen.


„Wir rechnen mit einem realen BIP-Wachstum von rund 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit ergibt sich für das erste Halbjahr ein Wachstum von gut 0,25 Prozent. Der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamtes zeigt mittlerweile für die zweite Jahreshälfte eine deutliche Tendenz nach oben, so dass dann eine stärkere wirtschaftliche Dynamik zu erwarten ist“, sagte Dr. Carmina Brenner, Präsidentin des Statischen Landesamtes, bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichtes 2013.

Auf den ersten Blick scheint die Lage der Binnennachfrage wenig erfreulich zu sein: In den Wintermonaten Dezember bis Februar lagen die Inlandsumsätze im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt um 4,5 Prozent unter ihrem Vorjahreswert. Für die allermeisten Industriezweige gilt ähnliches: Im Fahrzeugbau lag der Rückgang bei 7,6 Prozent, im Maschinenbau sogar bei 9,1 Prozent. Diese beiden Branchen haben ein großes Gewicht in der Gruppe der Investitionsgüterproduzenten, so dass auch hier ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist.

Allerdings fällt auf, dass das Vorjahresminus – außer im Maschinenbau – nicht mehr so stark ausfällt wie noch im Herbst. Die saisonbereinigten Inlandsumsätze im Verarbeitenden Gewerbe stiegen im Durchschnitt der Wintermonate gegenüber den Herbstmonaten September bis November um 1,7 Prozent. Bei den Investitionsgüterproduzenten stiegen die gegenüber den Herbstmonaten ebenfalls in dieser Größenordnung. In erster Linie ist dies auf den Fahrzeugbau zurückzuführen, dessen Inlandsumsätze um 3,7 Prozent zulegten. Im Maschinenbau dagegen stagnierten die Werte nahezu. Uneingeschränkt positiv ist die konjunkturelle Lage im Bauhauptgewerbe: Die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden stieg in den Wintermonaten sowohl im Vorjahresvergleich (4,1 Prozent) als auch saisonbereinigt gegenüber den Herbstmonaten (1,6 Prozent).

Die Vergleiche zu den Vorperioden machen Hoffnung, dass die Binnenkonjunktur neuen Schwung erhält. Auch Stimmungsindikatoren, wie die L-Bank-ifo-Indizes, die das Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft und das Konjunkturklima der Verbraucher im Land abbilden, stiegen tendenziell an.

Die Auslandsnachfrage nach Industrieprodukten hatte um die Mitte letzten Jahres ihren zeitweiligen Höhepunkt erreicht. Seitdem gehen die Umsätze des Verarbeitenden Gewerbes im Trend zurück. Im Durchschnitt der Wintermonate Dezember bis Februar lagen die Auslandsumsätze der baden-württembergischen Industrie um 2,0 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dieser Wert spiegelt vor allem die Situation im Fahrzeugbau wider, dessen Auslandserlöse im Durchschnitt der Wintermonate um 9,7 Prozent unter denen des letzten Jahres lagen. Dass die Auslandsnachfrage nach Kraftfahrzeugen stark nachgelassen hat, zeigt auch der Verlauf der saisonbereinigten Reihe: Die Umsätze gingen im Vergleich zur Vorperiode um 3,4 Prozent zurück.

Deutlich anders stellt sich die Lage im Maschinenbau dar: Hier stiegen die Umsätze um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um immerhin 0,5 Prozent im Vergleich zur Vorperiode. Auch das längerfristige Konjunkturbild unterscheidet sich vom Fahrzeugbau: Die konjunkturelle Dynamik im Maschinenbau ist zwar über das gesamte letzte Jahr schwach, aber dennoch vergleichsweise stabil gewesen. Erfreulich ist die Lage bei den Vorleistungsgüterproduzenten, an der die chemische Industrie großen Anteil hat: Hier ist seit rund einem Jahr ein leichter, aber ungebrochener Aufwärtstrend festzustellen, der zuletzt an Schwung gewonnen hat: Die Auslandserlöse stiegen um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um 2,8 Prozent gegenüber den Herbstmonaten.

Bei den Auftragseingängen des Verarbeitenden Gewerbes insgesamt schlägt noch ein – wenn auch rückläufiges – Vorjahresminus zu Buche. Die saisonbereinigten Absolutwerte zeigen, dass der Abschwung der Auslandsnachfrage zumindest gestoppt sein dürfte. Die ausländischen Auftragseingänge bei den Vorleistungsgütern, die konjunkturelle Wendepunkte üblicherweise mit einem gewissen Vorlauf anzeigen, weisen gegenüber den Herbstmonaten ein Plus von 1,8 Prozent auf.

Der Beschäftigungsaufbau in Baden-Württemberg hielt auch in den Wintermonaten an, wenngleich der Schwung nachgelassen hat: Industrie und Dienstleister beschäftigten 1,6 Prozent mehr Personen als im Vorjahreszeitraum. Die Arbeitslosenquote belief sich im März auf 4,3 Prozent, was gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um 0,3 Prozentpunkte bedeutet. Der Anstieg der Verbraucherpreise im Land fiel im ersten Quartal mit 1,2 Prozent moderat aus und spiegelt damit auch die relativ schwache (weltweite) Konjunktur in diesem Zeitraum wider.

(Redaktion)