Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Fr, 13.12.2013 08:27

Konjunktur verläuft schwächer als erwartet

In diesem Jahr wird das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) insgesamt um 0,4´Prozent wachsen, so die Prognose des RWI. Für das nächste Jahr gehen die Wirtschaftsforscher von einem Zuwachs von 1,5 Prozent aus, nachdem sie in der Prognose vom September noch mit 1,9 Prozent gerechnet hatten. Dies liegt vor allem daran, dass die aktuellen realwirtschaftlichen Indikatoren auf ein verlangsamtes Tempo des Aufschwungs gegen Ende dieses Jahres hinweisen.


Die Wirtschaftspolitik dürfte 2014 begrenzt stimulierend wirken, insbesondere weil Verbesserungen bei der Rente angekündigt wurden. Der Staatshaushalt wird voraussichtlich dennoch einen Überschuss von acht Milliarden Euro aufweisen, da konjunkturbedingt die Einnahmen rascher steigen. Zudem dürfte die Beschäftigung weiter steigen und die Inflation moderat bleiben.

Nach einem Sommerhalbjahr, in dem die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland deutlich ausgeweitet wurde, sind die ersten realwirtschaftlichen Indikatoren für das vierte Quartal enttäuschend. Sowohl die Industrie- und Bauproduktion als auch der Auftragseingang lagen im Oktober deutlich unter dem Durchschnitt des dritten Quartals. Dies würde für sich genommen auf eine allenfalls schwache Zunahme des BIP im vierten Quartal, wenn nicht gar einen Rückgang hinweisen.

Allerdings stehen diese ungünstigen Werte im Widerspruch zu den weiter verbesserten Umfrageindikatoren. Der ifo Geschäftsklimaindex wie auch der Purchasing Managers‘ Index legten im November deutlich zu, was auf einen immer noch intakten Aufschwung hinweist und wieder günstigere realwirtschaftliche Daten in den beiden letzten Monaten dieses Jahres erwarten lässt.

All dies dürfte aber wenig daran ändern, dass die gesamtwirtschaftliche Expansion gegen Ende des Jahres 2013 an Kraft verloren hat. Gleichwohl ist für den Jahresdurchschnitt 2013 weiterhin mit einer Zunahme des realen BIP um 0,4 Prozent zu rechnen. Jedoch geht die Wirtschaft mit weniger Schwung ins neue Jahr, was den Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion in 2014 dämpft.

Zwar erwartet das RWI für den Prognosezeitraum eine weiterhin aufwärtsgerichtete Konjunktur. Das BIP dürfte allerdings im Jahr 2014 lediglich um 1,5 Prozent expandieren und damit etwas schwächer als von uns im September prognostiziert. Maßgeblich für diese weniger optimistische Sicht ist, dass sich allem Anschein nach die weltwirtschaftliche Expansion derzeit in geringerem Maße als früher in einer Zunahme der Importnachfrage niederschlägt. Dies führt dazu, dass die deutschen Exporte voraussichtlich schwächer zunehmen werden als bislang angenommen, weshalb die Außenwirtschaft im kommenden Jahr einen leicht negativen Beitrag zur Expansion des BIP leisten dürfte.

Eine schwächere Exportkonjunktur schlägt sich aller Erfahrung nach auch darin nieder, dass die Unternehmen vorsichtiger bei ihren Investitionen sein dürften. Daher erwartet das RWI eine nur geringe Zunahme der Ausrüstungsinvestitionen. Gleichwohl wird die deutsche Konjunktur weiterhin von der Binnennachfrage getragen, insbesondere von den privaten Konsumausgaben und dem Wohnungsbau.

Unter den gesamtwirtschaftlichen und finanzpolitischen Rahmenbedingungen dürfte sich der Budgetüberschuss in diesem und im kommenden Jahr auf acht Milliarden Euro (0,3 Prozent in Relation zum BIP) belaufen. Dabei gleichen die Haushaltsentlastungen aus der anziehenden Konjunktur die im Koalitionsvertrag vereinbarten Mehrausgaben aus. Die finanzpolitischen Impulse dürften sich im kommenden Jahr auf reichlich elf Milliarden Euro bzw. 0,4 Prozent des BIP belaufen.

Die Beschäftigung war bis zuletzt mit unverändertem Tempo aufwärts gerichtet. Weiterhin wurden fast ausschließlich sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen, die zu einem erheblichen Teil mit Zuwanderern aus Osteuropa und den südeuropäischen Krisenländern besetzt wurden. Hingegen nahm die Arbeitslosigkeit im Verlauf des Jahres 2013 erneut spürbar zu, was auch daran lag, dass weniger Arbeitslose in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen waren. Mit dem erwarteten stärkeren Produktionsanstieg im nächsten Jahr wird sich der Beschäftigungszuwachs wohl auch wieder in einer rückläufigen Arbeitslosigkeit niederschlagen. Die Arbeitslosenquote dürfte von 6,9 Prozent in diesem auf 6,8 Prozent im kommenden Jahr sinken.

Die Teuerung hat sich in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächt und betrug im November lediglich 1,3 Prozent. Maßgeblich hierfür war in erster Linie eine Verbilligung von Mineralölprodukten. Der binnenwirtschaftliche Preisauftrieb, gemessen an der Inflationsrate ohne Heizöl und Kraftstoffe, war im November mit 1,8 Prozent hingegen deutlich höher. Im Prognosezeitraum dürfte die Inflation moderat bleiben. Kosteninduzierte Preissteigerungen sind für die Unternehmen angesichts weiterhin leicht unterausgelasteter Kapazitäten nur beschränkt durchzusetzen. Insgesamt erwartet das RWI eine Inflationsrate von 1,5 Prozent in diesem sowie 1,7 Prozent im kommenden Jahr. Dabei dürfte die Teuerung zu Jahresbeginn von Basiseffekten überlagert werden: Die EEG-Umlage wird dann angehoben, zugleich fällt der dämpfende Effekt der Abschaffung der Praxisgebühr vor einem Jahr weg.

(Redaktion)