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Wirtschaft | Fr, 27.01.2012 13:40

Konjunkturelle Abkühlung in Baden-Württemberg zu Jahresbeginn

Die Konjunktur verläuft im Südwesten zu Jahresbeginn in ruhigeren Bahnen. Nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Landesamts dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal um 1,75 Prozent gestiegen sein. Für das Gesamtjahr 2011 ergibt sich damit in Baden-Württemberg ein prognostiziertes reales Wirtschaftswachstum von rund 4 Prozent. Im ersten Quartal 2012 ist zu erwarten, dass sich die Konjunktur mit einem Vorjahresplus von rund 1,25 Prozent weiter abschwächen wird. Damit läge die Wirtschaftsleistung immer noch über dem langfristigen Trend, nähert sich diesem allerdings an.


„Abschwächung ja, Krise nein“, so fasst die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, die konjunkturelle Lage des Landes zum Jahreswechsel zusammenfassen. Für den weiteren Jahresverlauf seien die Aussichten nicht schlecht: Der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamts zeigt nach Brenner für die zweite Jahreshälfte eine sanfte Landung an. Gute Nachrichten kommen weiterhin vom Arbeitsmarkt: Die Beschäftigung wächst kräftig und die Arbeitslosigkeit sinkt weiter. Im dritten Quartal 2011 stieg die Zahl der Erwerbstätigen um 1,4 %, die Arbeitslosenquote belief sich im Dezember auf 3,7 %. Bei der Preisentwicklung könnte sich eine Entspannung andeuten: Der Preisdruck auf den Vorstufen lässt nach, und der Anstieg der Verbraucherpreise war im Dezember mit einem Vorjahresplus von 2,2 % der niedrigste des zweiten Halbjahres.

Für die meisten Branchen des Verarbeitenden Gewerbes ist das grobe Bild bei Inlands- wie Auslandsnachfrage ähnlich: Rückläufige Umsatzzuwächse kennzeichneten in den Herbstmonaten die Geschäftslage. Das Verarbeitende Gewerbe insgesamt verzeichnete aus dem Inlandsgeschäft in den Monaten September bis November ein preis- und arbeitstäglich bereinigtes reales Umsatzplus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von rund 4 Prozent. Im Sommer lag dieser Wert noch bei knapp 9 Prozent. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass auch ein rückläufiges Wachstum zwar immer noch ein Wachstum ist und dass die Differenz die konjunkturelle Situation etwas überzeichnet. Dennoch: Auch wenn man die um saisonale und irreguläre Einflüsse bereinigte Reihe heranzieht, stellt man eine Abschwächung der Inlandsnachfrage fest. Gegenüber den Sommermonaten stagnierten die Umsätze nahezu. Die Umsatzsteigerungen im Verarbeitenden Gewerbe sind einmal mehr vor allem auf die Hersteller von Investitionsgütern zurückzuführen, deren Inlandserlöse im Vorjahresvergleich um knapp 8 Prozent gestiegen sind. Vorleistungsgüterproduzenten mussten sich dagegen mit schwächeren Steigerungsraten begnügen (rund 2 Prozent). Die inländischen Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes legten in den Herbstmonaten im Vorjahresvergleich mit bescheideneren Wachstumsraten zu (rund 2,5 Prozent) als noch im Sommer – ein weiterer Hinweis auf eine fortgesetzte konjunkturelle Abkühlung. Eine Differenzierung nach Güterhauptgruppen bestätigt diese Tendenz: Auch die Auftragseingänge entwickelten sich bei den Herstellern von Vorleistungsgütern schwächer als bei den Investitionsgüterproduzenten (rund 1,5 Prozent bzw. 3 Prozent).

Ähnlich wie bei der Inlandsnachfrage steigen auch die Auslandsumsätze des Verarbeitenden Gewerbes im Vorjahresvergleich an, allerdings mit rückläufigen Raten (6 Prozent im Durchschnitt der Monate September bis November gegenüber gut 10 Prozent im Sommer). Jedoch war der konjunkturelle Impuls aus dem Ausland deutlich stärker als der inländische: Die um saisonale und irreguläre Einflüsse bereinigten Umsatzzahlen legten im Herbst um rund 0,5 Prozent gegenüber der Vorperiode zu, was gegenüber dem Sommer keine Abschwächung bedeutet (während die entsprechende Inlandsreihe stagnierte). Auch die Unterscheidung nach Güterhauptgruppen zeigt Unterschiede gegenüber der Binnenkonjunktur auf: So lagen die geglätteten Umsatzzahlen der Investitionsgüterhersteller im Herbst um rund 1 Prozent über dem Wert der Vorperiode (der entsprechende Inlandswert belief sich nur auf 0,5 Prozent). Ein weiterer, durchaus überraschender Unterschied zeigt sich bei den Vorleistungsgütern: Hier haben die Auslandsumsätze ihren Zenit bereits seit Mitte letzten Jahres überschritten: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stagnierten diese, und gegenüber der Vorperiode gingen sie sogar, anders als die inländische Reihe, zurück (und zwar um durchschnittlich immerhin rund 0,5 Prozent). Dass der ausländische Rückenwind für die baden-württembergische Konjunktur nachlassen dürfte, zeigt auch die Entwicklung der Auftragseingänge an. Deren Wert für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt ging im Durchschnitt der Monate September bis November um gut 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. In erster Linie liegt dies an dem ausgesprochen hohen Wert des letztjährigen Novembers: Zieht man für den Vorjahresvergleich die geglättete Reihe heran, die diesen Ausreißer statistisch einfängt, ergibt sich ein Plus von 3 Prozent. Im Vergleich zur Vorperiode muss man allerdings auch hier von Stagnation reden.

(Redaktion)