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Wirtschaft | Di, 25.05.2010 09:22

Konjunkturumfrage der IHK Reutlingen: Vorwärts – aber mit Umsicht

Der wirtschaftliche Aufschwung in der Region Neckar-Alb gewinnt wieder an Fahrt. Die Zuversicht der Unternehmen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung stabilisiert sich. Was der aktuelle Konjunkturklimaindex zeigt, der das Vorkrisenniveau vom Frühjahrsommer 2008 erreicht.


Die konjunkturelle Lage in der Region Neckar-Alb hat sich im Frühsommer 2010 erneut verbessert. Rund ein Viertel der heimischen Unternehmen beurteilt laut IHK-Umfrage seine aktuelle Geschäftslage als „gut“, 18 Prozent als „schlecht“. Damit ist der Geschäftslagesaldo zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder positiv. Ebenso sind die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung zum wiederholten Male gestiegen. 47 Prozent der Firmen aus Neckar-Alb stehen den kommenden zwölf Monaten optimistisch gegenüber. Nur 10,5 Prozent der Firmen befürchten eine Verschlechterung der Geschäftssituation. Der Konjunkturklimaindex kann daher seinen Aufwärtstrend fortsetzen und erreicht gegenwärtig 120 Punkte. Auf diesem Stand war er das letzte Mal vor zwei Jahren im Frühsommer 2008.

„Die positive Erwartungshaltung zieht sich durch fast alle Branchen“, sieht IHK-Präsident Reiff. Vor allem die Industrie erwartet ein baldiges Ende der Krise. Dies ist eine wichtige Zukunftseinschätzung, denn deren aktuelle Lage ist bei einem Viertel noch schlecht. In den meisten übrigen Branchen scheint das Ende der Krise in naher Sicht zu sein. Den Grund sieht Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp in der Mittelstandsstruktur: „Es gibt keine Monostruktur und: man hat aus der Krise 2003 gelernt.“ Die Geschäftslagesalden sind im Bau, bei Groß- und Einzelhandel sowie im Dienstleistungsbereich durchweg im Plus. Um für das Anziehen der Konjunktur gerüstet zu sein, plant ein Viertel der Unternehmen höhere Investitionen, Ausnahme der Bausektor.

Der Arbeitsmarkt in Neckar-Alb hatte sich im vierten Quartal 2009 leicht verbessert. Diese positive Entwicklung konnte in den ersten drei Monaten des neuen Jahres nicht fortgesetzt werden. Die drei Landkreise der Region verzeichneten in diesem Zeitraum rund 1200 Arbeitslose mehr als im Vorquartal. Diese Entwicklung spiegelte sich auch in der Konjunkturumfrage vom Jahresbeginn wider. Im Frühsommer hingegen halten sich einstellende und entlassende Betriebe nahezu die Waage. Damit dürfte der Personalabbau in der Region fürs erste gestoppt sein. Erfreulich ist für Epp auch die Tatsache, dass der Anteil derer, die ihren Personalbestand halten wollen, mit 65 Prozent deutlich überwiegt.

Vor dem Hintergrund dieser erfreulichen Entwicklung warnt Epp vor einer Erhöhung der Gewerbesteuer in den Kommunen: „Die Erfahrung zeigt, eine Erhöhung der Gewerbesteuer wird nicht zurückgenommen. Die Wirtschaft braucht gerade im Aufschwung genügend Liquidität, um zu investieren.“ Jeder Euro der der Wirtschaft bleibt, bleibt auch für Investitionen in die Standortsicherung und Fachkräfteentwicklung. 

Die Industrie kämpft tapfer, um die Krise hinter sich zu lassen. Doch auch im Frühsommer 2010 sind die Industrieunternehmen, die mit ihrer Lage unzufrieden sind, gegenüber den positiv Gestimmten noch in der Überzahl. Immerhin hat sich der Anteil der Unzufriedenen seit Jahresbeginn halbiert. Einen Umsatzrückgang musste noch ein Viertel der regionalen Industrie verkraften. Dagegen konnte sich schon die Hälfte über höhere Umsätze freuen. Auch die Auftragseingänge steigen weiter. 56 Prozent verzeichnen ein Plus an Aufträgen, was sich ebenfalls in einer besseren Auslastung der Kapazitäten niederschlägt. Dies wirkt sich auf die Erwartungen der Industrie für die kommenden Monate aus. Mehr als 60 Prozent gehen von einer Verbesserung der Geschäftslage und steigenden Umsätzen aus.

Mit Beginn des Frühlings hat sich, saisonal bedingt, auch die Situation im Bau aufgehellt. Ein Viertel der befragten Unternehmen sieht seine derzeitige Geschäftslage positiv. 18 Prozent sind nicht zufrieden. Die Bauproduktion war dagegen rückläufig. Nur 21 Prozent geben einen Anstieg an, 40 Prozent sprechen von einem Rückgang. Die Erwartungen, die zuletzt angesichts des Winters drastisch eingebrochen waren, haben sich abermals etwas verbessert. 21 Prozent der regionalen Bauunternehmer erwarten eine Verschlechterung ihrer zukünftigen Geschäftssituation. 19 Prozent rechnen mit Besserung. Zu Jahresbeginn waren es nur 12 Prozent.

Die Einschätzung der Einzelhandelsunternehmen bezüglich ihrer aktuellen Lage hat sich in den vergangenen vier Monaten weiter verbessert. Ein Viertel ist mit seiner Situation zufrieden, dreiviertel sagen „befriedigend“. Ein Drittel vermeldete gestiegene Umsätze. Im Großhandel sind 30 Prozent der Unternehmen zufrieden. Zudem konnte 39 Prozent sich über ein Umsatzplus freuen. Lediglich einer von 33 Einzelhändlern ist mit seiner derzeitigen Lage unzufrieden. Im Großhandel ist es einer von neun. Die regionalen Großhändler blicken dagegen deutlich optimistischer in die Zukunft. Von einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäfte gehen 41 Prozent der Großhandelsunternehmen aus, jedoch nur 16 Prozent der Einzelhändler.

Nirgendwo wird die aktuelle Geschäftslage so positiv betrachtet wie im Dienstleistungsbereich, insbesondere im Informations- und Kommunikationssektor. Mehr als die Hälfte der IT-Dienstleister der Region sieht seine Lage positiv. Nicht ganz so überschwänglich sind diejenigen Firmen, die Dienstleistungen für Unternehmen wie etwa Beratungsleistungen erbringen. Von diesen befinden 38 Prozent ihre Lage für gut. Außerdem rechnet die Hälfte mit besseren Geschäften in den nächsten zwölf Monaten. Dagegen bleibt die Stimmung bei Banken und Finanzdienstleistern nahezu unverändert. 44 Prozent sind mit ihrer aktuellen Situation zufrieden, ein Viertel erwartet eine weitere Besserung der Geschäftslage.

An der regelmäßigen Tertialsumfrage der IHK Reutlingen hat sich zu Jahresbeginn 2010 eine repräsentative Auswahl von 402 Unternehmen aus den Bereichen Industrie und Bau (173), Groß- und Einzelhandel (68) sowie dem Dienstleistungssektor (161), darunter Hotel- und Gaststättengewerbe, beteiligt.

(Redaktion/IHK RT)