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Wirtschaft | Do, 20.05.2010 10:24

Krisenjahr 2009 der Südwestindustrie: Verlust an Industriearbeitsplätzen in allen Stadt- und Landkreisen

Das zurückliegende Krisenjahr 2009 brachte der Südwestindustrie einen konjunkturellen Einbruch in historischer Dimension. Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes erhielten die Industriebetriebe preisbereinigt (real) im Vorjahresvergleich um über ein Viertel (-25,9 Prozent) weniger an Aufträgen und mussten die Industrieproduktion um ein Fünftel (-21,1 Prozent) zurückfahren. Zudem war real ein Umsatzeineinbruch von etwa einem Viertel (-24,2 Prozent) zu verkraften.


Nominal erzielten die Industriebetriebe einen Umsatz in Höhe von 233,8 Milliarden Euro. Dies bedeutet zugleich ein massives Umsatzminus von 60,1 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr (‑20,4 Prozent). Deutlich spürbare Auswirkungen hatte die globale Wirtschaftskrise gleichfalls auf die Beschäftigung. Die Zahl der in der Südwestindustrie Beschäftigten ging um 66.400 Personen (‑5,4 Prozent) auf 1,159 Millionen zurück. Einen stärkeren Personalabbau gab es zuletzt im Zuge der Rezession Anfang der 1990er-Jahre, als allein 1993 etwa 120.000 Industriearbeitsplätze im Land verloren gingen.

Die Beschäftigtenentwicklung in den 44 baden-württembergischen Stadt- und Landkreisen folgte ohne Ausnahme dem Landestrend. Alle Kreise hatten 2009 einen Rückgang an Industriebeschäftigten zu verzeichnen. Zu hohen Verlusten von mindestens 3.000 Beschäftigten kam es in den Landkreisen Rems-Murr (‑3.500), Göppingen und Esslingen (jeweils ‑3.400) sowie Ludwigsburg (‑3.000), während der industriearme Stadtkreis Baden-Baden noch den geringsten Abbau an industriellen Arbeitsplätzen zu verkraften hatte (‑ 300). In der Hälfte der Kreise lag der prozentuale Rückgang über dem Landeswert von 5,4 Prozent. Mindestens jeden zehnten Industriearbeitsplatz verloren die Landkreise Göppingen (‑12,2 Prozent) und der Enzkreis (‑10,5 Prozent) sowie der Stadtkreis Freiburg (‑10 Prozent). Vergleichsweise moderat fiel hierzu die Beschäftigtenentwicklung in den Stadtkreisen Karlsruhe (‑ 2,6 Prozent) und Mannheim (‑2,3 Prozent) aus. An der Spitze der beschäftigungsstärksten Kreise mit mehr als 50.000 Industriebeschäftigten stehen der Landkreis Böblingen (63.800), gefolgt von der Landeshauptstadt Stuttgart (62.400) und deren Nachbarlandkreise Esslingen (60.300) und Ludwigsburg (52.000). Zusammen ist in diesen vier Kreisen jeder fünfte Industriearbeitsplatz des Landes angesiedelt.

Auch die regionale Umsatzentwicklung folgte mit drastischen Umsatzeinbrüchen dem Landestrend. Einzig der Landkreis Heidenheim machte hiervon eine Ausnahme mit einem Umsatzplus von 4,1 Prozent (+160,2 Mill. Euro), zu dem Sonderentwicklungen im Auslandsgeschäft beitrugen. In allen anderen Kreisen war ein Einbruch der Industrieumsätze von mindestens 9,9 Prozent zu verzeichnen. Allein die Hälfte der Kreise verbuchte einen prozentualen Umsatzrückgang von mindestens einem Fünftel, der im Landkreis Reutlingen mit einem Minus von 29,8 Prozent den Spitzenwert erreichte. In acht Kreisen, angeführt vom Landkreis Böblingen (‑8,2 Mrd. Euro) und dem Stadtkreis Stuttgart (‑5,3 Mrd. Euro), blieb die Umsatzentwicklung um mindestens 2 Mrd. Euro hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Die Rangliste der umsatzstärksten Kreise mit mehr als 10 Mrd. Euro wird angeführt vom Landkreis Böblingen (21,3 Mrd. Euro) und den beiden Stadtkreisen Mannheim (14,1 Mrd. Euro) und Stuttgart (14 Mrd. Euro) sowie dem Landkreis Heilbronn (12 Mrd. Euro). Zusammen entfiel auf diese vier Kreise über ein Viertel (26,3 Prozent) der gesamten Industrieumsätze. Die starke Bedeutung des Auslandsgeschäfts für die Südwestindustrie spiegelt sich auch in der regionalen Betrachtung wider: In zehn Kreisen lag die Exportquote über 50 Prozent. Die höchsten Exportquoten erreichten der Landkreis Böblingen (66,2 Prozent) und der Stadtkreis Mannheim (61,4 Prozent).

(Redaktion/Stat. LA)