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KMU & Freiberufler | Fr, 23.11.2012 11:37

Krisenprävention: Mit Hilfe von außen die Gefahr für das eigene Unternehmen vermeiden

Von: Andreas Dufner

Unternehmenskrisen entstehen dadurch, dass sich die Umsätze und damit auch die Einnahmen verringern. Gleichzeitig bleiben die Ausgaben gleich oder erhöhen sich sogar. Entscheidend dabei – insbesondere für Fremdkapitalgeber – ist die Frage: Ist die entstandene Finanzkrise hausgemacht, liegen die Ursachen also im Unternehmen selbst, den Entscheidungen des Unternehmers oder liegen Ursachen von außen vor, ist die Krise also fremdverschuldet? Für die Entscheidungen der Hausbanken ist es ein großer Unterschied, ob die Finanzkrise durch Managementfehler verursacht wurde, ob durch Insolvenz von Kunden Forderungsausfälle entstanden sind oder ob die Branche unter kritischen Wettbewerbsbedingungen leidet.


Fakt ist: Eine Krise entsteht selten aus „heiterem Himmel“. Es gibt sehr häufig Anzeichen und Warnsignale, die es zu beachten und zu beobachten gilt. Geschieht dies nicht, können aus Anzeichen handfeste Krisen entstehen und selbst erfolgreiche Unternehmen in existentielle Notlagen führen. An den folgenden Kriterien können Warnsignale für Krisen erkennbar gemacht werden. Wenn sich die Schwierigkeiten in einem Unternehmen häufen, Umsätze und Erträge rückläufig sind oder gar „einbrechen“, dann zeigen sich dem geschulten Auge frühzeitig erste Auswirkungen:

  1. Lagerbestand: Sehr häufig sind erste Anzeichen im erhöhten Lagerbestand zu erkennen. Die Folge: Ein immer höherer Anteil der Finanzierungsmittel steckt in den Lagerbeständen. Da weniger Mittel aus den Verkäufen zur Verfügung stehen, werden mehr Finanzierungsmittel benötigt, damit die anderen laufenden Kosten bezahlt werden können. Höhere Finanzierungsmittel führen dann zu einem höheren Zinsaufwand.
  2. Verspätete Forderungseingänge: Wenn Kunden mehr und mehr verspätet zahlen, steigen die Forderungen und die Außenstände erhöhen sich.
  3. Gewinne schwinden: Sinken die Umsätze bei gleich bleibenden Kosten, schwinden die Gewinne. In vielen Fällen entsteht sogar ein Verlust.
  4. Eigenkapitalquote: Die Eigenkapitaldecke ist in vielen Unternehmen nicht sehr hoch. Gerade in Krisenzeiten schrumpft die Eigenkapitalquote noch mehr zusammen, das fehlende Eigenkapital muss durch Fremdkapital ersetzt werden. Auch dies führt zu erhöhten Aufwendungen für die Beschaffung in Form von Zinsen.
  5. Liquidität: Aufgrund fehlender ausreichender Erträge und zunehmendem Finanzbedarf stellt die Hausbank oft keine neuen langfristigen Darlehen zur Verfügung. Häufig werden dann verstärkt kurzfristige Fremdmittel in Anspruch genommen, was wiederum den Zinsaufwand erhöht.

Wenn diese Anzeichen bei Ihnen auftreten: Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand, sondern zeigen Sie, dass Sie diese erkannt haben und reagieren. Informieren Sie Ihre Banken frühzeitig und vermitteln Sie die Botschaft, dass Sie voll und ganz hinter konkreten Sanierungsbemühungen stehen. Engagieren Sie erfahrene, seriöse und unabhängige Berater, die mit Ihnen gemeinsam einen Unternehmensplan und / oder einen Sanierungsplan ausarbeiten und diesen zusammen mit Ihnen den beteiligten Banken erläutern.

Unternehmer erfahren mehr Akzeptanz, wenn sie sich fachkundige Unterstützung holen. So demonstriert der Unternehmer, dass er die Lage erkannt hat und sich auch professioneller Hilfe bedienen kann. Stellen Sie außerdem einen ausgewogenen Maßnahmenkatalog vor, der zeigt, wie Sie sich die Überwindung vorstellen. Gewähren Sie den Banken uneingeschränkt Einsicht in Ihre Unterlagen; die Verweigerung von wichtigen Informationen würde nur zu Misstrauen bei den Kreditgebern führen.

Zum Autor: Andreas Dufner ist Geschäftsführer des IBF-Institut für Betriebsführung AG mit Sitz in Basel und Niederlassungen in Deutschland.