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Vermischtes | Fr, 05.10.2012 09:05

Ländlicher Raum zieht kaum Zuwanderer an

Die Prognose für die demographische Entwicklung in Deutschland lautet, dass die Bevölkerung schrumpft. Nur durch Zuwanderung kann der Prozess aufgehalten werden. Die bundesweite Statistik bestätigt das: 2011 wanderten 280.000 Menschen mehr ein als aus. Der positive Wanderungssaldo sorgte erstmals seit 2002 wieder für einen Bevölkerungszuwachs. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt jedoch, dass sich die Hoffnung, Zuwanderung könne den Bevölkerungsrückgang bremsen, bisher nur für urbane Zentren erfüllt. In die vom demographischen Rückgang besonders betroffenen Kommunen findet Zuwanderung kaum statt. Im Gegenteil: Dort sinkt mit der Einwohnerzahl auch der Ausländeranteil.


Nach Daten des Demographie-Portals www.wegweiser-kommune.de der Bertelsmann Stiftung wachsen urbane Zentren wie etwa München, Stuttgart oder Dresden, bis 2030 um durchschnittlich rund fünf Prozent. Dagegen geht die Bevölkerungszahl in vielen strukturschwachen Kommunen im ländlichen Raum, zu denen etwa Bad Harzburg in Niedersachsen oder Angermünde in der Uckermark zählen, um durchschnittlich rund 20 Prozent bis 2030 zurück.

Für die aktuelle Studie „Migration und demographischer Wandel“ hat das Institut GEBIT in Münster den Ausländeranteil für die unterschiedlichen Kommunen analysiert. Das Ergebnis:  Demographisch wachsende Städte wie die urbanen Zentren und die prosperierenden Kommunen im Umfeld dynamischer Wirtschaftszentren haben die höchsten Ausländeranteile.

Im Westen betragen die Ausländeranteile in Metropolen wie München 23,1 Prozent, Stuttgart 22,5 Prozent, Frankfurt am Main 20,9 Prozent, Köln 16,2 Prozent oder Berlin 13,7 Prozent. Im Osten gehört Dresden mit 4,7 Prozent Ausländeranteil zu den Städten, die im ostdeutschen Vergleich besonders viele Ausländer anziehen. Demgegenüber leben in den stark schrumpfenden und in den strukturschwachen Kommunen im ländlichen Raum durchschnittlich weniger als drei Prozent Ausländer – Tendenz rückläufig.

„Zuwanderung kann demographische Probleme abfedern, aber das gilt nur für bestimmte Typen von Städten“, sagt Ulrich Kober, Migrationsexperte der Bertelsmann Stiftung: „Zuwanderung funktioniert bislang eher nach dem Matthäus-Effekt – wer hat, dem wird gegeben.“ Dies trifft auch für die Altersstruktur der Städte zu. Die Städte mit ohnehin vielen jüngeren Einwohnern werden durch den relativ hohen Ausländeranteil nochmal begünstigt. Denn Zuwanderer sind im Durchschnitt jünger als das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung und wirken sich somit positiv auf die Altersstruktur aus.

Wenn die Zuwanderungspolitik in Deutschland künftig mehr qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland anlocken will, werden sich die regionalen Unterschiede in der demographischen Entwicklung vermutlich weiter verstärken. „Das wäre auch insofern problematisch, weil in ländlichen Regionen angesichts des Fachkräftemangels beispielsweise im Pflegebereich durchaus Bedarf an Zuwanderern besteht“, sagt Kober.

Die Herausforderungen für die verschiedenen Städte-Typen unterscheiden sich nur auf den ersten Blick erheblich. Zwar müssen manche Städte mehr Integrationsarbeit leisten, während andere um jeden Zuwanderer werben müssen. „Wenn Deutschland von Zuwanderung profitieren möchte, muss sich eine Willkommenskultur entwickeln. Da haben wir riesigen Nachholbedarf“, sagt Kober. Zuwanderer interessierten sich nicht nur für eigene berufliche Perspektiven, sondern auch für die Chancen ihrer Familien, im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft Fuß zu fassen.

(Redaktion)