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Vermischtes | Di, 19.04.2011 08:12

Landtagswahl im Südwesten: Wahlbeteiligung der Jungwähler stark gestiegen

Nach dem endgültigen Ergebnis der Wahl zum 15. Landtag von Baden-Württemberg am 27. März 2011 erlitt die CDU deutliche Verluste von 5,2 Prozentpunkten. Mit 39,0 Prozent der gültigen Wählerstimmen verzeichneten die Christdemokraten ihr zweitschlechtestes Ergebnis bei einer Wahl zum baden-württembergischen Landtag.


Einen erheblichen Stimmenrückgang hatte auch die FDP hinzunehmen, auf deren Konto 5,3 Prozent der gültigen Wählerstimmen gingen. Damit hat sich das Ergebnis der Liberalen gegenüber 2006 halbiert. Die SPD hatte abermals Stimmenverluste zu verkraften. Nachdem die Sozialdemokraten 2006 mit 25,2 Prozent ihr bislang zweitniedrigstes Ergebnis hatten hinnehmen müssen, kam die SPD bei der Landtagswahl 2011 mit einem Minus von 2,1 Prozentpunkten auf nun 23,1 Prozent der gültigen Stimmen und erzielte damit ihr historisch schlechtestes Resultat bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die GRÜNEN hingegen konnten ihr Ergebnis von 2006 mehr als verdoppeln. Mit einem Plus von 12,5 Prozentpunkten verbuchten sie 24,2 Prozent der gültigen Wählerstimmen und damit ihr mit Abstand bestes Ergebnis seit 1980, als die Partei erstmals bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg antrat.

Nachdem die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl 2006 ihren historischen Tiefststand erreicht hatte, ist die Beteiligungsquote erstmals seit 1988 wieder gestiegen. Mit 66,3 % lag die Wahlbeteiligung um 12,9 Prozentpunkte über der Marke von 2006 (53,4 %).

Durch die demografische Alterung hat sich die Altersstruktur der Wahlberechtigten in Baden-Württemberg seit 1980 erheblich verschoben: Die Zahl der älteren Wahlberechtigten hat sich beträchtlich erhöht, die der jüngeren ist dagegen rückläufig. Bei der Landtagswahl 1980 war noch knapp jeder dritte Wahlberechtigte unter 35 Jahre alt (30,0 Prozent) und jeder vierte Wahlberechtigte 60 Jahre oder älter (gut 25 Prozent). Bei der Landtagswahl 2011 war bereits fast jeder dritte Wahlberechtigte im Seniorenalter (31,8 Prozent), nicht einmal mehr jeder Vierte war jünger als 35 Jahre (23,1 Prozent). Das politische Einflusspotenzial der älteren Wahlberechtigten hat sich demnach gegenüber 1980 rein quantitativ betrachtet spürbar erhöht, das der jungen Generation hat sich erkennbar reduziert.

Der starke Anstieg der Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl 2011 gegenüber der Landtagswahl 2006 ist bei Männern und Frauen zu beobachten und spiegelt sich in allen Altersklassen wider. Bei den unter 25-Jährigen war allerdings ein besonders hoher Anstieg von 15,4 Prozentpunkten zu verzeichnen. Bei den 45- bis 59-Jährigen lag die Zunahme mit 13,6 Prozentpunkten ebenfalls spürbar über dem landesweiten Plus von 12,9 Prozentpunkten. Am geringsten (9,6 Prozentpunkte) fiel der Anstieg bei den 60 Jahre und älteren Wählern aus – allerdings zeichnet sich diese Gruppe traditionell auch durch die mit Abstand höchste Wahlbeteiligung aus. Am stärksten zugelegt haben die Jungwählerinnen zwischen 18 und 20 Jahren: Ihre Teilnahmequote an der Landtagswahl 2011 fiel um 16,3 Prozentpunkte höher aus als noch vor 5 Jahren.

Die Wahlbeteiligung der Frauen lag – wie bei allen bisherigen Landtagswahlen in Baden-Württemberg – auch bei der Landtagswahl 2011 unter der der Männer. Dies resultiert daraus, dass die unter 30-jährigen und die 50-jährigen und älteren Frauen seltener wählen gehen als die Männer dieser Altersgruppen. Ein besonders großer Vorsprung der Männer ist bei den 70-Jährigen und Älteren zu beobachten: Hier machten bei der Landtagswahl 2011 74,4 Prozent der Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch, jedoch nur 62,3 Prozent der Wählerinnen. Als Gründe hierfür nennt die Wahlforschung zunehmende Gebrechlichkeit hochbetagter Frauen und eine damit einhergehende soziale Isolierung und zurückgehendes Interesse an Politik. Da es deutlich mehr hochbetagte Frauen als Männer gibt, schlägt sich dieses Phänomen bei den Frauen zahlenmäßig entsprechend stärker nieder.

Neben der Frage, wie Männer und Frauen verschiedener Altersgruppen gewählt haben, liefert die Repräsentative Wahlstatistik auch Informationen über die demografische Zusammensetzung der Wählerschaft der einzelnen Parteien. Demnach hat die CDU von allen im Landtag vertretenen Parteien den höchsten Anteil an älteren Wählern. Bei der Landtagswahl 2011 waren gut 37 Prozent der Wähler im Land 60 Jahre oder älter. Unter den CDU-Wählern war sogar nahezu jeder Zweite im Seniorenalter (47,5 Prozent). Beinahe ein Drittel der Unions-Wählerschaft war sogar 70 Jahre oder älter (31,0 Prozent). Die unter 60-Jährigen waren innerhalb der Wählerschaft der CDU hingegen in sämtlichen Altersgruppen unterrepräsentiert. Auch unter den SPD- und FDP-Wählern lag der Seniorenanteil mit 41,7 bzw. 41,5 Prozent spürbar über dem Durchschnitt aller Wählerinnen und Wähler im Land, womit die Senioren jeweils die mit Abstand größte Wählergruppe der Sozialdemokraten und der Liberalen stellten. Bei der Landtagswahl 2006 waren dagegen die Seniorinnen und Senioren innerhalb der Wählerschaft der beiden Parteien noch leicht unterrepräsentiert gewesen. Insgesamt betrachtet wich die Altersstruktur der Wählerschaft von SPD und FDP am wenigsten von der Altersstruktur der baden-württembergischen Gesamtwählerschaft ab.

Die GRÜNEN verzeichneten bei der Landtagswahl 2011 nicht nur als einzige im Landtag vertretene Partei prozentuale Stimmengewinne – sie konnten mit einem Plus von 12,5 Prozentpunkten sogar die SPD als zweitstärkste Kraft im Land ablösen. Mit Ausnahme der über 60-jährigen Wähler konnten die GRÜNEN in allen Altersgruppen im zweistelligen Bereich zulegen. Die höchsten Stimmengewinne erzielten die GRÜNEN bei den 45- bis 59-jährigen Wählern mit einem Plus von 18,5 Prozentpunkten. In allen Altersgruppen unter 60 Jahren erzielten die GRÜNEN überdurchschnittliche Wahlergebnisse. Besonders stark war der Rückhalt der bei den 35- bis 59-Jährigen: Von allen Wählern dieser Altersgruppe entschieden sich 31,9 Prozent für die GRÜNEN, unter den Wählerinnen waren es noch mehr: Mehr als jede dritte Baden-Württembergerin zwischen 35 und 59 Jahren (34,5 Prozent) hat die GRÜNEN gewählt. Am wenigsten Erfolg war den GRÜNEN hingegen bei den 70-jährigen und älteren Baden-Württembergern beschieden. Von den Männern dieses Alters wählten nur 9,0 Prozent die GRÜNEN. Wie bereits bei der Landtagswahl 2006 schnitten die GRÜNEN auch bei der Landtagswahl 2011 bei Frauen (26,1 Prozent) besser ab als bei Männern (22,2 Prozent).

(Redaktion/Stat. LA)