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| Mi, 19.03.2008 17:44

Leasing & Factoring – eine gute Perspektive für den Standort Baden-Württemberg

Von: Patrick G. Weber

Was im angloamerikanischen Raum gang und gäbe ist, wird zunehmend auch von deutschen Unternehmen erkannt: die Möglichkeiten zur Verbesserung der Finanzierungssituation durch die Nutzung innovativer Instrumente wie z. B. Leasing und Factoring.


Die Zeichen in Deutschland stehen auf Wachstum. Für das Jahr 2007 haben die führenden deutschen Meinungsforscher ihre Wachstumsprognosen auf bis zu 2,4 Prozent angehoben – bei einem gleichzeitigen Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindexes von 107,7 auf 108,6. Die Bundesregierung korrigierte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr ebenso deutlich nach oben. Sie veranschlagt für dieses Jahr ein Plus von 2,3 Prozent, wie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos mitteilte. In ihrem Jahreswirtschaftsbericht vom Januar ging die Regierung noch von einem Wachstum von 1,7 Prozent aus.

Vor diesem Hintergrund ist es vor allem für kleine und mittlere Unternehmen des Standorts Baden-Württemberg wichtig, neue Liquidität zu schaffen, um Investitionen zur Bewältigung der gestiegenen Nachfrage tätigen zu können. Dem gegenüber stehen allerdings die schlechte Zahlungsmoral vieler Kunden, Forderungsausfälle durch Insolvenzen und zusätzlich die zunehmend restriktive Kreditvergabe durch die klassischen Banken seit Inkrafttreten von Basel II. Weiterhin bedrohen steigende Rohstoffpreise und Energiekosten die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie. Wichtig ist daher eine solide Eigenkapitalausstattung in Kombination mit einer Flexibilität und Wachstum gewährleistenden Fremdkapitalaufnahme. Es stellt sich die Frage, ob und unter welchen Umständen alternative Finanzierungsformen Sinn machen. Neben der klassischen Fremdkapitalaufnahme  über die Hausbank gewinnen auch Fremdfinanzierungs-Instrumente wie Leasing, Factoring und die mittlerweile recht populären „mezzaninen“ Finanzierungen zunehmend an Bedeutung im Finanzierungsmix.

Leasing – moderner denn je?

Leasing ist eine moderne und eine – trotz des Alters von über 40 Jahren – weiterhin sehr innovative Dienstleistung. Die Konzentration auf Kernkompetenzen, was heute in allen Wirtschaftszweigenforciert wird, hat inzwischen auch zu einer Spezialisierung der Leasing-Unternehmen auf die verschiedensten Geschäftsfelder und somit zu einer guten Kenntnis der jeweiligen Märkte geführt.

Klassischerweise ist Leasing eine Möglichkeit zur Investitionsfinanzierung z.B. in neue Maschinen und Anlagen. Die Investition kann hierbei über die Laufzeit aufgeteilt werden, die Anlage aber kann sofort in Betrieb gehen, sodass die Produktion gewährleistet wird. „Pay as you earn“ nennt die Branche dieses Prinzip – wir sagen: „Unabhängigkeit der technischen von der wirtschaftlichen Nutzungsdauer“. Führende Finanzierungsgesellschaften haben darüber hinaus ihr Leistungsspektrum um individuelle Sale-and-Lease-back-Konstruktionen erweitert.

Unternehmerische Motive für Sale-and-Lease-Back

Die Vorteile und Motivationen bei der Mobilisierung von Anlagevermögen und der Realisierung von Sale-and-Lease-back-Lösungen sind vielfältiger Natur. Diese Konstruktion ermöglicht eine Liquiditäts- und Ertrags-Beschaffung aus der Substanz. Langfristig in Anlagen und Maschinen gebundenes Kapital wird aktiviert, oft können zudem auch erhebliche stille Reserven aus Wertsteigerungen aufgedeckt werden oder das Objekt wird über Buchwert angekauft. Der Liquiditätszufluss aus dem Verkaufserlös und erzielte außerordentliche Erträge eröffnen dem Unternehmen weit reichende neue Spielräume: Bestehende Kredite können zurückgeführt, operative Verluste eines Geschäftsjahres egalisiert werden. Die

Hebung stiller Reserven kann dann sinnvoll sein, wenn in einem Geschäftsjahr ein negatives Ergebnis erwartet wird und wegen des Wegfalls der bisherigen Verlustausgleichs-Möglichkeiten die anfallenden Verluste nicht vollständig verrechnet werden können. Neben einer Ergebnisglättung bietet die Hebung stiller Reserven in steuerlicher Hinsicht auch die Möglichkeit bei der Veräußerung entstandene Gewinne steuerneutral zu übertragen.

Mit frei werdendem Kapital können Unternehmenskäufe, Fusionen oder Globalisierungsschritte finanziert und damit Wettbewerbspositionen gefestigt oder verbessert werden. Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens werden durch derartige Sale-And-Lease-Back-Erlöse ebenso möglich und finanzierbar wie Rentabilitätssteigerungen im profitablen Kerngeschäft.  

Factoring in Deutschland boomt

Factoring als besonderes Finanzierungsinstrument hat in den letzten Jahren auch in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) beträchtlich an Akzeptanz gewonnen. Es machte sich ein Imagewandel vom vermeintlichen Rettungsanker für Firmen in Finanznot zum Qualitätsmerkmal bemerkbar.

Liquiditätsvorteile und Absicherung des Forderungsausfalls sind selbstverständliche Nutzen des Factoring. Dabei verkaufen Sie als Unternehmer Ihre Forderungen aus Warengeschäften und Dienstleistungen an eine Factoringgesellschaft. Die Rechnungssumme geht an Ihre Firma – allerdings mit einem Abschlag. Ihre Kunden zahlen an die Factoringgesellschaft. Vorteil für den Unternehmer: Er bekommt seine ausstehenden Gelder auf einen Schlag und ist flüssig. Diese Möglichkeit nutzt vor allem der Mittelstand immer häufiger. So sind die Umsätze der führenden deutschen Factoringinstitute im Vergleich zum Vorjahr um knapp 25 Prozent gestiegen.

200 Millionen für den Mittelstand Baden-Württemberg

Dass auch der Mittelstand in Baden-Württemberg solch innovativen Finanzierungsformen mittlerweile offen gegenüber steht zeigt auch die Entwicklung der in 2005 gegründeten SIGMA Leasing. In 2007 wurden ausnahmslos mittelständischen Unternehmen rund 30 Mio. Euro über innovative Leasing- und Factoring Konzepte zur Verfügung gestellt. Und es ist abzusehen, dass der Bedarf an bankenunabhängigen Finanzierungsformen auch in 2008 weiter wachsen wird. Um diesem Bedarf gerecht werden zu können, wurden im Dezember 2007 durch das Management der SIGMA Leasing die Verträge zur Auflage eines „Asset Backed Commercial Paper“ („ABCP“) Programms – gemeinsam arrangiert von der Landesbank Baden-Württemberg und der Vantargis AG, die seit 01.10.2007mehrheitlich an der SIGMA Leasing beteiligt ist – in Höhe von € 200 Millionen unterzeichnet. Im Rahmen des ABCP Programms wird die SIGMA Leasing gemeinsam mit den weiteren Gesellschaften der Vantargis - Gruppe flexible Finanzierungen für Unternehmen aus dem Mittelstand bereitstellen. Schwerpunkte dabei sind Finanzierungen im Rahmen von strukturierten Leasing-Verträgen und die Verbriefung von Umlaufvermögen.

 

Ausblick

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass Hausbanken mit ihren traditionellen Finanzierungsformen das Wachstum vor allem mittelständischer Unternehmen erschweren. Vergangenheitsorientierte Ratings, Abhängigkeit von immer strengeren gesetzlichen Vorgaben und aufwändige Administration blockieren schnelle Investitionen in heutiges und zukünftiges Wachstum.

Eine unabhängige und flexible Finanzierungsgesellschaft dagegen bezieht die Wachstumsperspektiven in seine Bewertungen mit ein. Deshalb kann die Zusammenarbeit mit einem solchen Partner ein schneller und einfacher Weg sein die Liquidität dauerhaft zu erhöhen und sich gleichzeitig bessere Ratings zu sichern. Bestenfalls verhilft ein solches Vorhaben dem Unternehmen bankenunabhängig, unkompliziert und innerhalb kürzester Zeit  zu neuem Spielraum, insbesondere in Phasen starken Wachstums oder der Umstrukturierung und zu mehr Flexibilität und erhöhter Bonität. Gerade die sich im Aufbruch befindende heimische Industrie sollte sich innovativen Konzepten gegenüber aufgeschlossen zeigen, um ausländischen Wettbewerb gegenüber standhalten zu können und um Produktinnovation und Wachstum am Standort Baden-Württemberg nachhaltig auszubauen.

 

Informationen zum Autor
Patrick G. Weber ist Gründer und Geschäftsführer der SIGMA Leasing GmbH mit Sitz in Zell u. Aichelberg bei Stuttgart. Als Anbieter von innovativen Leasing & Factoring-Lösungen bedient er vor allem mittelständische Unternehmen aus Baden-Württemberg. Davor war er 10 Jahre in führenden Positionen deutscher Leasinggesellschaften. Herr Weber ist seit 8 Jahren Mitglied in der Mittelstands und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT).