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KMU & Freiberufler | Mo, 10.10.2011 14:41

Let´s go east! - Wie der Mittelstand von China profitieren kann

Chinesische Investoren hatten in Deutschland bis vor Kurzem keinen guten Ruf. Die Angst vor der asiatischen Kopier-Mentalität war weit verbreitet. In düsteren Berichten wurden gar der Ausverkauf der Deutschland AG und der dramatische Verlust von Arbeitsplätzen postuliert. Doch diese Szenarien sind definitiv nicht eingetroffen.


Im Gegenteil: Zahlreiche Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen entwickeln sich für beide Seiten überaus erfolgreich. Firmenübernahmen inländischer Unternehmen durch asiatische Investoren sichern immer öfter nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze, sondern bieten darüber hinaus solide Wachstumsperspektiven für die Zukunft.

„Es hat sich gezeigt, dass chinesische Investoren für den Mittelstand eine echte Alternative sind“, sagt Matthias Tröger, geschäftsführender Gesellschafter der seneca Corporate Finance GmbH. Der Experte für internationale Transaktionen berät aktuell mehrere mittelständische Unternehmen, die sich mit finanzieller Hilfe aus Fernost neu positionieren und die riesigen Marktchancen in China für sich nutzen möchten. Tröger: „Bei den chinesischen Investoren handelt es sich heute überwiegend um Unternehmer und nicht mehr um Staatsfonds. Dies erleichtert erfahrungsgemäß die Kommunikation zwischen den Verhandlungspartnern und fördert das Verständnis für das gemeinsame Projekt.“ Und: „Die Möglichkeiten und Dimensionen, die sich durch die chinesischen Investoren gerade für deutsche Mittelständler ergeben, sind für europäische Maßstäbe häufig überraschend“, so der Transaktionsexperte.

Dass gerade deutsche Unternehmen bei Chinesen beliebt sind, hat mehrere Gründe. Hier finden sie innovative Technologien, bekannte und renommierte Marken sowie Produkte, die weltweit Standards setzen und stark nachgefragt werden. Hinzu kommen hoch qualifizierte Arbeitnehmer, erfahrene Manager sowie eine ausgezeichnete Infrastruktur.

Deutsche Unternehmer, die mit den Gedanken spielen, über die Grenzen Europas hinaus Kontakte und Joint Ventures einzugehen, stoßen in China somit auf besonderes Interesse. Branche und Größe spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle. „Viel wichtiger ist, dass die jeweilige Firma im relevanten Markt eine exponierte Position inne hat und gut in das Portfolio des Investors passt. Ein Umsatz ab 20 Millionen Euro reicht meines Erachtens bereits aus, um sich in China nach einem strategischen Partner umzusehen“, so Matthias Tröger. Einige Branchen stehen in der Beliebtheitsskala allerdings doch ganz oben. So sind Unternehmen, die sich im weitesten Sinne mit Wassermanagement, Verkehr, Elektronik, Automotive oder Medizintechnik beschäftigen, besonders gefragt.

Neben den vielen Vorzügen deutscher Firmen ist natürlich auch die geografische Lage von Deutschland hochinteressant. Das Land ist nicht nur ein geeigneter Ausgangspunkt, um den europäischen Markt zu erschließen, sondern hilft auch, das Problem der hohen europäischen Einfuhrzölle zu lösen und einen Teil des Vermögens außerhalb Chinas langfristig zu sichern. Kein Wunder also, dass 50 Prozent aller chinesischen Investitionen in Europa nach Deutschland fließen. Und das Geld kommt mit Sicherheit an. Denn: Die chinesischen Unternehmen werden bei der Direktinvestition tatkräftig mit zinsgünstigen Darlehen durch den chinesischen Staat unterstützt. Die Finanzierung kann dabei bis zu 90 Prozent der Gesamtinvestition belaufen.

Ein weiterer Pluspunkt, der für eine Kooperation mit China spricht, ist der Eintritt in den größten Zukunftsmarkt des Planeten. Bereits heute belegt China nach Frankreich Platz zwei der wichtigsten Exportländer für deutsche Güter. In drei Jahren wird China an Frankreich als bedeutsamstes Exportland vorbeiziehen. Auch andere Nachbarländer wie die Niederlande, Schweiz und Österreich verlieren an Bedeutung. So das Ergebnis einer Befragung des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn der größten Familienunternehmen in Deutschland. Ein deutliches Signal pro China.

Natürlich ist die Realisierung einer Transaktion mit einem chinesischen Investor für beide Parteien eine Herausforderung. Es muss mehr als die Entfernung und die Sprachbarriere überwunden werden. „Beide Seiten sollten Verständnis für die jeweilige Verhandlungs-Kultur entwickeln – und der Investor für die deutsche Bürokratie“, gibt Tröger zu bedenken. Er rät deshalb, sich intensiv mit den Gepflogenheiten und Marktmechanismen auseinander zusetzen, Erfahrungen von anderen Unternehmern einzuholen und auch professionelle Beratung in die Planungen mit einzubeziehen.  

Weitere Informationen sind über die Homepage www.seneca-cf.de abrufbar.

(Redaktion)