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Unternehmensnachfolge | Mi, 26.06.2013 13:19

Management-Buy-Ins: (K)eine Option für Frauen?

Jährlich stehen in Deutschland rund 22.000 Familienunternehmen vor der Übergabe, so eine Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Und nicht immer ist familienintern ein qualifizierter Nachfolger vorhanden. Eine mögliche Form der externen Nachfolge bietet das sogenannte Management-Buy-In (MBI). Dabei wird das Unternehmen von einer oder mehreren externen Führungskräften übernommen. Ein Modell mit vielen Vorteilen, von dem erfahrungsgemäß jedoch speziell Frauen kaum Gebrauch machen. So stehen bei Transaktionsberatern eher selten Managerinnen vor der Tür, die sich in ein bestehendes Unternehmen einkaufen wollen.


Dabei ist im vergangenen Jahrzehnt durchaus ein positiver Trend bei den selbstständigen Frauen und Unternehmerinnen in Deutschland zu verzeichnen. Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie verfügt Deutschland im EU-Vergleich mit einem Anteil von 38 Prozent an allen Selbstständigen über die zweithöchste Frauenquote nach Österreich. Allerdings besteht noch immer ein großes Ungleichgewicht: Liegt Deutschland bei den „soloselbstständigen“ Frauen weit oben im Ranking, rangiert es bei den Selbstständigen mit Mitarbeitern nur mehr im Mittelfeld.

Die Studie macht deutlich, dass sich Frauen in ihrem unternehmerischen Engagement zudem auf einige Branchen beschränken. Dazu zählen vor allem das Gesundheits- und Sozialwesen, der Handel und das Gastgewerbe. Ebenso zeigt die Untersuchung, dass Frauen oft langfristiger und zurückhaltender planen als Männer.

Dass die Übernahme eines Unternehmens sicher mehr Risikobereitschaft erfordert als die Gründung eines Kleinstunternehmens, das eventuell noch in Teilzeit geführt werden kann, dürfte einen möglichen Grund für das geringe Interesse an Management-Buy-Ins darstellen. Dabei ist der MBI aber nicht unbedingt der schwierigere Weg zur Unternehmerin zu werden. Im Gegensatz zur Neugründung kann frau auf bestehende Strukturen zurückgreifen – auf Kunden, Mitarbeiter, auf Immobilien und andere Assets.

In jedem Fall muss die Neu-Unternehmerin bei einem MBI nicht bei Null anfangen. Dass die potenzielle Nachfolgerin nicht über das erforderliche Eigenkapital verfügt, um den Kaufpreis zu finanzieren, muss ein Management-Buy-In nicht zwangsläufig verhindern: Neben einer Kreditfinanzierung, die durch das Vermögen und zukünftige Erträge des Unternehmens gedeckt wird, können potenzielle Nachfolgerinnen auch öffentliche Fördermittel beantragen.

Die Programme unterscheiden sich zwar nach Bundesländern – gemeinsam ist ihnen jedoch die staatliche Subventionierung. So werden qualifizierten Nachfolgern u.a. Zinsen unter Marktniveau, eine Tilgungsfreiheit in der ersten Phase sowie staatliche Bürgschaften als Eigenkapitalersatz gewährt. Theoretisch kann auch der Verkäufer dem Käufer durch ein Verkäuferdarlehen unter die Arme greifen.

Fazit: Fachlich hoch qualifizierten Frauen, die in einem Unternehmen an die viel zitierte „gläserne Decke“ stoßen, bietet ein Management-Buy-In eine interessante Option, Unternehmerin zu werden. Die geringere Bereitschaft von Frauen, finanzielle Risiken einzugehen, lässt sich durch staatliche Förderungen zumindest zum Teil abfedern.

Zur Autorin: Dipl.-Kauffr. (FH) Kerstin Ott ist als Projektleiterin im Bereich Financial Advisory Services für die seneca Corporate Finance GmbH tätig. Zu ihrem fachlichen Schwerpunkten gehören Unternehmensanalyse, Business Pläne, Unternehmensbewertungen sowie die allgemeine Transaktionsberatung. Weitere Informationen sind unter www.seneca-cf.de abrufbar.