Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Mi, 09.11.2011 10:31

Mehr Ausbildungsplätze als Bewerber in Baden-Württemberg

Erstmals seit vielen Jahren hat es im vergangenen Berufsberatungsjahr (Oktober 2010 bis September 2011) wieder mehr Lehrstellen im Südwesten als Bewerber gegeben. Bei den Arbeitsagenturen in Baden-Württemberg waren 72.617 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das sind 6.549 Stellen mehr als im vergangenen Jahr (plus 9,9 Prozent). Die Zahl der Bewerber ging um 2,5 Prozent leicht zurück: 67.127 Jugendliche suchten eine Ausbildungsstelle.


Fast alle Agenturen in Baden-Württemberg verzeichneten einen Zuwachs an Ausbildungsstellen. Dabei zeigten sich in den einzelnen Agenturbezirken erhebliche Unterschiede: Die Spannbreite lag zwischen 1,2 Prozent (Rottweil) und 25,1 Prozent (Lörrach). Nur in einer Agentur - Waiblingen mit minus 1,1 Prozent - wurden weniger Stellen gemeldet. Der größte Anteil an den gemeldeten Stellen entfiel mit 57,3 Prozent (Vorjahr: 57,5 Prozent) auf die Dienstleistungsberufe. Dies sind beispielsweise Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufe sowie kaufmännische Berufe im Waren- und Dienstleistungsbereich. Mit 38,9 Prozent (Vorjahr: 38,7 Prozent) machten die Fertigungsberufe einen weiteren großen Anteil aus, zum Beispiel Metallbauer/in, Mechaniker/in und Elektroniker/in Energie- und Gebäudetechnik.

Von den rund 72.600 bei den Agenturen gemeldeten Ausbildungsstellen blieben insgesamt 4.626 Stellen unbesetzt. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 75,3 Prozent mehr. Offene Ausbildungsplätze finden sich vor allem noch im Einzelhandel (zum Beispiel Einzelhandelskaufmann/-kauffrau, Verkäufer/in, und Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk/Bäckerei), in der Gastronomie (zum Beispiel Koch/Köchin, Restaurant-/Hotelfachleute) und bei den Fertigungsberufen (zum Beispiel Elektroniker/in Energie- und Gebäudetechnik). „An der Zunahme der noch unbesetzten Stellen sieht man die Diskrepanz am Ausbildungsmarkt: Die regional angebotenen Ausbildungsstellen und die damit verbundenen Ansprüche der Arbeitgeber decken sich nicht immer mit den Berufswünschen und der Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber“, erklärte Eva Strobel, Leiterin der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit.

Den gemeldeten Stellen standen rein rechnerisch die Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, die bei den Agenturen und Jobcentern gemeldet waren. Von Oktober 2010 bis September 2011 waren das 67.127 junge Frauen und Männer. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 1.701 oder 2,5 Prozent. Unter den Bewerbern waren 25.922 Jugendliche aus früheren Schulentlassjahren. Ihr Anteil nahm auf 38,6 Prozent ab (Vorjahr: 41,4 Prozent). Dagegen ist die Zahl der Bewerber mit 41.017 aus dem aktuellen Schulentlassjahr gestiegen (plus 2,6 Prozent). Ihr Anteil lag bei 61,1 Prozent (Vorjahr: 58,1 Prozent). „Diese Entwicklung zeigt, dass mehr jungen Menschen der direkte Übergang von Schule in den Beruf gelungen ist. Hinzu kommt, dass sich mehr Bewerberinnen und Bewerber mit einem höheren Schulabschluss für eine betriebliche Ausbildung interessieren“, sagte Strobel. Die Zunahme ist bei Bewerberinnen und Bewerbern mit Fachhochschulreife (plus 10,2 Prozent) und allgemeiner Hochschulreife (plus 18,4 Prozent) am höchsten.

Von den gut 67.100 Bewerbern waren 12.607 ausländischer Nationalität. Das entspricht einem Anteil von 18,8 Prozent (Vorjahr: 18,5 Prozent). Mit 5.909 Bewerbern bildeten Jugendliche mit türkischen Wurzeln den größten Anteil an ausländischen Bewerbern, das ist knapp die Hälfte (46,9 Prozent).

Die Zahl der Jugendlichen, die bislang keine konkrete Perspektive haben, konnte auch in diesem Jahr zum Stichtag 30. September stark reduziert werden. Dabei handelt es sich um Jugendliche, die sich bei Agenturen und Jobcentern gemeldet hatten. Diese Zahl lag bei 350 (Vorjahr: 520). Sie hat um 170 abgenommen (minus 32,7 Prozent).Unter den 350 unversorgten Bewerbern waren 224, die die Schule nicht in diesem Jahr, sondern bereits früher verlassen haben. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 163 weniger (minus 42,1 Prozent).

Rein rechnerisch kommen auf einen unversorgten Bewerber 13,2 offene Stellen. Zusammen mit den Alternativangeboten, zum Beispiel der Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen, kann jeder Bewerberin und jedem Bewerber bis zum Jahresende ein Angebot gemacht werden. Auch die Einstiegsqualifizierung verbessert durch praktische Erfahrungen im Unternehmen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

Im Vergleich zum Vorjahr ist deutlich mehr Jugendlichen der Einstieg in ein Ausbildungsverhältnis gelungen. Von den gut 67.100  gemeldeten Bewerbern gingen 33.848 in eine Ausbildung (Vorjahr: 32.147). Das sind über 50 Prozent. Die andere Hälfte hat sich für einen weiteren Schulbesuch, ein Studium oder ein Praktikum entschieden, eine Erwerbstätigkeit aufgenommen, einen gemeinnützigen Dienst angetreten, eine Fördermaßnahme der Agentur belegt oder von einer weiteren Unterstützung der Agentur abgesehen. Chancenärmere Jugendliche konnten rund 6.800 Plätze ausbildungsbegleitender Hilfen zur Unterstützung der betrieblichen Ausbildung in Anspruch nehmen. Außerdem stand ein bedarfsgerechtes Angebot von etwa 8.700 Fördermaßnahmen zur Verfügung (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen und berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen).

(Redaktion)