Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Di, 06.11.2012 08:28

Mehr Ausbildungsstellen und weniger Bewerber in Baden-Württemberg

Am Ende des Berufsberatungsjahres standen mehr gemeldete Ausbildungsstellen weniger gemeldeten Bewerbern gegenüber. Gründe dafür sind der wachsende Fachkräftebedarf, ein anhaltender Trend zu höheren Schulabschlüssen und ein Rückgang bei der Zahl von Altbewerbern. Jugendliche haben damit weiterhin mehr Auswahl unter den Ausbildungsstellen als früher. Das zeigt die Bilanz der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit.


„Die Jugendlichen haben eine größere Auswahl auf dem Ausbildungsmarkt. Gleichzeitig wird es für Betriebe  – auch vor dem Hintergrund des beginnenden demografischen Wandels - zunehmend darum gehen, auch schwächeren Jugendlichen eine Chance auf eine Ausbildung zu geben. Den perfekten Bewerber gibt es nur auf dem Papier, in der Realität gibt es aber viele junge Menschen, die motiviert und leistungsbereit sind. Dieses Potenzial gilt es zu heben“, sagte Eva Strobel, Leiterin der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit.

Im Laufe des Berufsberatungsjahres 2011/2012 (Oktober 2011 bis September 2012) waren bei den Arbeitsagenturen im Land 74.328 Berufsausbildungsstellen gemeldet, das sind 1.862 Stellen mehr als im vergangenen Jahr (plus 2,6 Prozent). „Bei der Suche nach Auszubildenden schalten die Unternehmen die Arbeitsagenturen stärker ein und sorgen somit für mehr Transparenz“, stellte Eva Strobel fest.

Der größte Anteil an den gemeldeten Stellen entfiel mit 59,0 Prozent (Vorjahr: 57,3 Prozent) auf die Berufe im Dienstleistungsgewerbe. Dies sind beispielsweise Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufe und kaufmännische Berufe im Waren- und Dienstleistungsbereich sowie Berufe im Bereich Verkehr und Logistik bzw. im Tourismus. Mit 39,0 Prozent (Vorjahr: 38,7 Prozent) machten die Berufe im Bereich Produktion, Fertigung und Bau einen weiteren großen Anteil aus, zum Beispiel Mechatroniker/in, Anlagenmechaniker/in und Elektroniker/in Energie- und Gebäudetechnik.

Von den 74.328 bei den Agenturen gemeldeten Ausbildungsstellen blieben insgesamt 5.548 Stellen unbesetzt. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 20,0 Prozent mehr. Offene Ausbildungsplätze finden sich vor allem noch im Einzelhandel (zum Beispiel Einzelhandelskaufmann/-kauffrau, Verkäufer/in, und Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk/Bäckerei), in der Gastronomie (zum Beispiel Koch/Köchin, Restaurant-/Hotelfachleute) und bei den Fertigungsberufen (zum Beispiel Elektroniker/in Energie- und Gebäudetechnik).

Den gemeldeten Stellen standen rein rechnerisch die Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, die bei den Agenturen und Jobcentern gemeldet waren. Von Oktober 2011 bis September 2012 waren das 65.126 junge Frauen und Männer. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 2.792 oder 4,1 Prozent. Unter den Bewerbern waren 23.790 Jugendliche aus früheren Schulentlassjahren (minus 2.617 bzw. minus 9,9 Prozent). Ihr Anteil nahm auf 36,5 Prozent ab (Vorjahr: 38,9 Prozent). Dagegen ist die Zahl der Bewerber mit 41.137 aus dem aktuellen Schulentlassjahr marginal gesunken (minus 0,5 Prozent). Ihr Anteil lag bei 63,2 Prozent (Vorjahr: 60,9 Prozent).

„Erfreulich ist der signifikante Rückgang von Altbewerbern. Die Entwicklung zeigt, dass mehr jungen Menschen der direkte Übergang von Schule in den Beruf gelungen ist. Hinzu kommt, dass sich mehr Bewerberinnen und Bewerber mit einem höheren Schulabschluss für eine betriebliche Ausbildung interessieren, was sicher auch dem diesjährigen G8/G9-Abiturabschluss geschuldet ist. Der deutliche Rückgang der Hauptschülerinnen und Hauptschüler ist vor allem mit der Bildungsreform zu erklären“, sagte Strobel. Die Zunahme ist bei Bewerberinnen und Bewerbern mit allgemeiner Hochschulreife (plus 17,2 Prozent) am höchsten. Die Zahl der Bewerber mit Hauptschulabschluss nahm hingegen um 15,1 Prozent ab.

Der Anteil der Jugendlichen, denen der Einstieg in ein Ausbildungsverhältnis gelungen ist, konnte im Vergleich zum Vorjahr (50,9 Prozent) um 1,3 Prozentpunkte auf 52,2 Prozent gesteigert werden. Von den 65.126  gemeldeten Bewerbern gingen 34.003 in eine Ausbildung (Vorjahr: 34.602). Die andere Hälfte hat sich für einen weiteren Schulbesuch, ein Studium oder ein Praktikum entschieden, eine Erwerbstätigkeit aufgenommen oder sich anderweitig beholfen.

Die Zahl der Jugendlichen, die bislang keine konkrete Perspektive haben, ist in diesem Jahr zum Stichtag 30.9. angestiegen. Dabei handelt es sich um Jugendliche, die sich bei Agenturen und Jobcentern gemeldet hatten. Diese Zahl lag bei 457 (Vorjahr: 342). Sie hat um 115 zugenommen (plus 33,6 Prozent) und macht 0,7 Prozent aller Bewerberinnen und Bewerber aus.

Den offenen Ausbildungsstellen standen nur wenige unversorgte Bewerber/innen gegenüber. „Wer beruflich und regional flexibel ist und auch manchmal ein wenig abseits des Wunschberufes schaut, hat beste Chancen auf eine Ausbildung. Die Arbeitgeber, die auch schwächeren Bewerberinnen und Bewerber eine Chance geben, gewinnen Fachkräfte von Morgen, eröffnen Lebens- und Berufsperspektiven und sichern sich zukünftige Wettbewerbsvorteile“, rät Strobel.

(Redaktion)