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Wirtschaft | Di, 11.02.2014 09:19

Mehr Handwerksbetriebe in der Region Stuttgart

Zum Jahresende waren 29.619 Betriebe bei der Handwerkskammer Region Stuttgart registriert - 45 mehr als im Jahr zuvor. Zugenommen hat das zulassungsfreie Handwerk, die der Meisterpflicht unterliegenden „Vollhandwerker“ und die handwerksähnlichen Gewerbe waren einmal mehr die Verlierer. Die meisten Handwerksbetriebe zählt der Landkreis Esslingen. Immer mehr Bäcker und Metzger geben auf. Das ergab eine Auswertung der Handwerkskammer.


Die sogenannten Vollhandwerke mussten 2013 einen Verlust von 61 Betrieben hinnehmen. Voraussetzung ist dabei, dass beim Gründer oder einem Mitarbeiter ein Meistertitel oder eine vergleichbare Qualifikation vorliegt. Dies ist zum Beispiel beim Eröffnen einer Kfz-Werkstatt oder einer Schreinerei der Fall. Der Betriebsbestand ging auf 18.499 Betriebe zurück. In den einzelnen Gewerbegruppen gestaltete sich die Entwicklung heterogen.

Einen Grund für die Zunahme im Bau- und Ausbauhandwerk sieht Jürgen Rüdinger, Leiter des Betriebsregisters bei der Handwerkskammer Region Stuttgart, hauptsächlich in der regen Bautätigkeit. „Für die Branche war die Investitionswelle im gewerblichen und privaten Bereich die Triebfeder.“ So legten Maurer, Betonbauer und Stuckateure zusammen um 36 Betriebe zu. „Osteuropäische EU-Unternehmen waren an diesen Zuwächsen stark beteiligt“, betonte Rüdinger. Bei den Gesundheitshandwerken schnitten die Friseure mit einer Zunahme um 21 Betrieben wie in den Vorjahren positiv ab.

Am stärksten von den Verlusten betroffen waren die Feinwerkmechaniker, die Elektrotechniker, die Bäcker und die Fleischer. Allein die Nahrungsmittelberufe büßten zusammen 80 Betriebe ein. „Die Verluste liegen unter anderem in der Konkurrenzsituation zu den Discountern und der Filialisierung begründet“, kommentiert Rüdinger. Traditionsbetriebe gaben auf, weil die Betriebsnachfolger fehlten. „Neugründungen sind in der Branche eher selten, weil Jungmeister mit den hohen Investitionen meist überfordert sind.“

Mit einem Zuwachs von 191 Betrieben schlossen die zulassungsfreien Handwerke das Jahr 2013 ab, am besten die Fliesenleger (+71 Betriebe), gefolgt von den Raumausstattern (+ 50 Betriebe) und den Gebäudereinigern (+ 36 Betriebe). Zur Freude über den Schritt in die Selbstständigkeit mischt sich bei Jürgen Rüdinger die Sorge um die mangelnde Qualifizierung der Inhaber. „Von den 894 Neueintragungen bei den zulassungsfreien Handwerken verfügen 89 Prozent über keine oder keine einschlägige handwerkliche Qualifikation“, bilanziert der Rechtsfachmann. Lediglich 2,5 Prozent der Gründer konnten eine Meister- oder Gesellenprüfung nachweisen. „Diese Entwicklung geht zulasten von Beschäftigung und Ausbildung.“

Im handwerksähnlichen Gewerbe sank die Zahl der Betriebe um 85 auf 5.033 Betriebe. Darunter fallen beispielsweise die Montagebauer und die Fuger sowie die Änderungsschneider.

(Redaktion)