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Marketing & Personal | Fr, 30.11.2012 09:52

Mehr Wettbewerbsfähigkeit durch motivierte Mitarbeiter

Von: Marianne Winkler

Durch den Einsatz neuer Technologien haben sich viele Arbeitsinhalte grundlegend geändert. Trotz vorhandener Arbeitslosigkeit sind heute für die ständig komplexer werdenden Aufgabenstellungen nicht immer die geeigneten Mitarbeiter zu finden. Zudem erkennen immer mehr Unternehmen, dass der Betriebserfolg entscheidend von ihren Mitarbeitern abhängt. Ein Betrieb kann seine Attraktivität als Arbeitgeber durch die ansprechende Gestaltung seiner Arbeitsplätze steigern. Unternehmen bewegen sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Humanität. Es erfordert ein Umdenken von der reinen Personalverwaltung hin zur Mitarbeiterorientierung.


Durch positive Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen sollen alle Arbeitsplätze wettbewerbsfähig gehalten werden, so dass die Entscheidungen der Mitarbeiter über Engagement und Leistung zugunsten des Betriebs ausfallen. Wenn die vorhandenen Mitarbeiter sich mit dem Betrieb identifizieren, werden sie bereit sein, mehr für „ihr“ Unternehmen zu tun und somit zu einem besseren Ergebnis beizutragen. Sie werden sich stärker an den Betrieb gebunden fühlen. Um diese Identifikation mit dem Unternehmen zu erreichen, werden verschiedene Anreize eingesetzt, die die Leistungsmotivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen sollen.

Ziele, die durch Anreize für die Mitarbeiter verfolgt werden:

  • Erhöhung der Kundenzufriedenheit
  • Verbesserung des Images als Arbeitgeber / Positive Außenwirkung
  • Vermeidung von und Befreiung aus innerer Kündigung
  • Senkung des Krankenstandes bzw. der Fehlzeiten
  • Verringerung von Fluktuation und Bindung an das Unternehmen
  • Erhöhung der Arbeitszufriedenheit
  • Erhöhung von Produktivität, Leistung und Qualität
  • Verbesserung des Betriebsklimas und der Mitarbeitermotivation

Die Mitarbeiterorientierung des Unternehmens soll zu zufriedenen und motivierten Mitarbeitern und folglich zu einer Umsatzsteigerung bzw. Gewinnerhöhung führen. Die Erreichung dieser Ziele hängt von den vorhandenen Rahmenbedingungen ab. Dem Unternehmen stehen jedoch Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung, um Anreize positiv zu beeinflussen, bzw. neu zu schaffen.

Die eingangs dargestellten Ziele können durch die positive Gestaltung vorhandener Anreize und durch die Schaffung neuer Anreize erreicht werden. Ein Anreiz kann motiviertes Verhalten aktivieren und nach der Zielerreichung zur Zufriedenheit führen. Nicht jeder Anreiz wirkt bei jedem gleich, da die Motive unterschiedlich sind. Es sollte auf einen zielgruppengerechten Einsatz der Anreize nach Mitarbeiterbedürfnissen geachtet werden. Ansonsten verpufft ihre Wirkung. Die Kombination aller wahrgenommenen Anreize auf individueller Ebene ergibt die Anreizsituation, die neben den Persönlichkeitsmerkmalen ausschlaggebend ist für die Leistungsbereitschaft des Einzelnen.

Materielle Anreize

Zu den materiellen Anreizen zählen eine u.a. eine motivationsfördernde Entgeltgestaltung, zusätzliche Sozialleistungen, Direktversicherungen, Sonderkonditionen für eigene Produkte, Dienstwagen, ein Betriebskindergarten, eine Kantine sowie sonstige Nebenleistungen und Nutzungsgewährungen. Manche Unternehmen haben sich kreative Anreize einfallen lassen, z. B. ein Wäsche- und Einkaufsservice, Freikarten für Veranstaltungen oder Gesundheitsprogramme. Der Nachteil dieser Anreize ist, dass die motivationsfördernde Wirkung mit der Zeit nachlassen kann. Zusätzliche Leistungen werden oft als selbstverständlich angesehen. Die Mitarbeiter gewöhnen sich daran, so dass das Unternehmen neue Anreize einführen muss. Ein einmal gewährter Anreiz lässt sich nur mit Schwierigkeiten wieder abschaffen. Vor allem große Unternehmen wenden das Nebenleistungs-Cafeteria-System an. Dabei werden die angebotenen Nebenleistungen mit Punktwerten belegt und den Mitarbeitern gegen die entsprechende Punktzahl zur Auswahl angeboten. So kann jeder Mitarbeiter Nebenleistungen nach seinen Präferenzen auswählen.

Immaterielle Anreize

Bei den meisten immateriellen Anreizen handelt es sich um Faktoren, die immer vorhanden sind. Bei einer positiven Ausprägung können sie eine Anreizwirkung haben. Dazu gehören z.B.:

Arbeitsinhalt: Die Aufgabenstellungen sollten in jedem Fall den individuellen Fähigkeiten entsprechend so gewählt werden, dass sie die Mitarbeiter fordern, aber machbar sind und als sinnvoll empfunden werden. Nur so werden die Motivation und damit die erbrachte Leistung und die Zufriedenheit hoch sein.

Arbeitszeitregelungen und Arbeitsplatzgestaltung: Die aktive Gestaltung der Betriebs- und Arbeitszeiten sind ein wesentlicher Schlüssel zur Motivation der Mitarbeiter. Die Forderungen nach flexiblen Arbeitszeiten müssen bei den Mitarbeitern und der Unternehmensführung gleichermaßen genügend Akzeptanz finden. Für manche Arbeitszeitmodelle müssen zusätzlich geeignete Zeiterfassungs­systeme entwickelt und eingeführt werden. Die Schaffung eines positiven Arbeitsumfelds kann die Leistungsbereitschaft erhöhen sowie Frust, innerer und auch äußerer Kündigung vorbeugen. Allgemein sollte auf eine humane, mitarbeiterfreundliche, kontaktfördernde und nicht gesundheitsschädliche Arbeitsplatzgestaltung geachtet werden. Bei Telearbeit kann der Mitarbeiter seine Arbeitszeit freier einteilen, Beruf und Familie besser koordinieren und den täglichen Arbeitsweg einsparen.

Kooperativer Führungsstil der Vorgesetzten: Der Vorgesetzte sollte positive Arbeitsleistungen entsprechend anerkennen, Kritik sachlich formulieren und bei Problemen auch Verständnis für seine Mitarbeiter aufbringen. Vor allem die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiräume haben eine Anreizwirkung auf die Mitarbeiter.

Mitarbeiterinformation: Trotz Informationsflut fehlen manchmal wichtige Informationen aus Kommu­nikationsmangel, was zu erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen führen kann.

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten: Mit der individuellen und bedarfsorientierten Personalentwicklung wird das Ziel verfolgt, dass die Mitarbeiter Tätigkeiten ausüben können, die ihnen einerseits Befriedigung und Freiraum und andererseits einen Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben ermöglichen. Personalentwicklung ist auch eine mittelfristige Möglichkeit der Kompensation von Ausbildungsmängeln und der Vorbereitung des Unternehmens auf neue Herausforderungen. Sie sollte jedoch zielgerichtet und geplant erfolgen.

Aufstiegs- und Karrierechancen: Die Mitarbeiter sind motivierter, wenn sie eine Zukunftsperspektive und Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen sehen. Für das Unternehmen wird es langfristig erfolgversprechender sein, die eigenen Mitarbeiter konsequent zu entwickeln und Führungspositionen aus den eigenen Reihen zu besetzen.

Gutes Betriebsklima: Es stellt einen sehr wichtigen Anreiz dar. Die bereits genannten Anreize und Instrumente tragen alle zu einem positiven Betriebsklima bei.

Es gibt noch eine Reihe von Faktoren mit Anreizwirkung, auf die das Unternehmen jedoch keinen oder nur geringen Einfluss hat, z. B. das Branchen- und Firmenimage. Allgemein lässt sich ableiten, dass die Arbeitsbedingungen so zu gestalten sind, dass die besonders wichtige intrinsische (von innen her kommende) Motivation der Mitarbeiter hervorgerufen wird. Immaterielle Anreize sind hier besonders wichtig. Demotivierung ist zu vermeiden.

Vor der Einführung von Instrumenten zur Anreizgestaltung sollte sich das Unternehmen überlegen, welche Ziele es mit welcher Priorität verfolgen will. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter können je nach Branche und Bereich sehr stark differieren. Hier ist eine zielgruppenspezifische Gestaltung der Anreiz-Systeme notwendig, da Anreize nur wirken können, wenn sie vom Mitarbeiter akzeptiert werden. Welche Anreize wirken kann zum Beispiel durch eine anonyme Mitarbeiterbefragung ermittelt werden.

Zur Autorin: Marianne Winkler ist  Dipl.-Betriebswirtin (BA) und berät Kunden beim IBF-Institut für Betriebsführung AG (www.ibf.de). Ihre Schwerpunkte sind Marketing und Werbung.