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| Do, 11.02.2010 09:41

Mit neuer Technologie kann jeder 3-D-Szenen in Webseiten einbauen

In Kinofilmen und Computerspielen kann man heute schon in dreidimensionale Welten eintauchen, die Menschen und ihre Umgebung sehr realistisch nachbilden. Im Internet ist davon allerdings noch wenig zu sehen. Wenn der Nutzer dann noch selbst die virtuelle Welt verändern möchte, stößt er im Internet bisher schnell an Grenzen. Wie es schon bald auf einfache Weise anders geht, zeigen Forscher aus Saarbrücken. Sie können jetzt interaktive 3-D-Szenen direkt in beliebige Webseiten einbetten. Die neue Technologie werden sie erstmals auf der internationalen Computermesse Cebit 2010 vorstellen, die vom 2. bis 6. März in Hannover stattfindet (Halle 9, Stand B 43).

Philipp Slusallek, Professor für Computergraphik der Universität des Saarlandes und Direktor am DFKI, forscht daran, wie man interaktive 3-D-Szenen direkt in beliebige Webseiten einbetten kann. (Foto: bellhäuser - das bilderwerk)

Philipp Slusallek, Professor für Computergraphik der Universität des Saarlandes und Direktor am DFKI, forscht daran, wie man interaktive 3-D-Szenen direkt in beliebige Webseiten einbetten kann. (Foto: bellhäuser - das bilderwerk)


Die 3-D-Technologie für das Internet wurde von einem Forscherteam um Professor Philipp Slusallek am neu gegründeten Intel Visual Computing Institute an der Universität des Saarlandes und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickelt. Die Informatiker nahmen dafür gewöhnliche Webbrowser wie den "Firefox" genauer unter die Lupe. Mit der dort verwendeten Programmiersprache HTML konnten bisher nur Texte, Bilder und Videos angezeigt werden.

Durch eine Erweiterung, die die Saarbrücker Informatiker in den vergangenen Monaten entwickelten, können jetzt auch komplexe dreidimensionale Graphiken verarbeitet werden. Diese neue Web-Technologie, genannt "XML3D", kann in Zukunft mithilfe eines kleinen Zusatzprogramms von allen Internetnutzern verwendet werden. Auf der Computermesse Cebit werden die Saarbrücker Forscher erste Browser-Versionen mit dieser 3-D- Erweiterung vorstellen.

Die Anwendungen für die neue Technologie sind vielfältig. So könnte eine Kundin künftig etwa ein Abendkleid vor dem Kauf im Onlineshop virtuell anprobieren. Sie hätte dann die Möglichkeit, sich auf dem Bildschirm durch eine dargestellte Oper oder eine Diskothek räumlich zu bewegen. Ein Autokäufer könnte sich virtuell zur Testfahrt in das neue Auto setzen, dessen Ausstattung er vorher für sich persönlich zusammengestellt hat. Auch für Ingenieure eröffnen sich ganze neue Möglichkeiten, wenn sie an verschiedenen Standorten Produkte entwerfen und ihre 3-D-Modelle gemeinsam über das Internet bearbeiten können. "Das neue 3-D-Internet eröffnet ganz neue Märkte, in denen bald eine ähnliche Goldgräberstimmung herrschen könnte wie damals beim Start der ersten Webangebote", meint Professor Slusallek.

Die neue Technologie aus Saarbrücken hat den Vorteil, dass sie für Web-Entwickler und Designer einfach zu lernen ist, da sie auf die bekannte Web-Technologie der Browser aufbaut. Sie unterstützt neben der traditionellen Rasterisierung zur Darstellung der Szene auch das so genannte Echtzeit-Raytracing. Diese interaktive Visualisierungstechnik wurde von Philipp Slusallek und seinem Team in den vergangenen Jahren zur Marktreife gebracht und wird heute von den großen Chipherstellern Intel und Nvidia für ihre jeweilige Graphik-Hardware weiterentwickelt und angeboten. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Verfahren können damit Schatten und Reflexionen physikalisch korrekt dargestellt werden. Dies lässt virtuelle Szenen etwa in Kinofilmen oder Computerspielen wesentlich realistischer aussehen.

"Heute werden diese Szenen mit aufwändigen Tricks erstellt. Dies wird im 3-D-Internet nicht mehr funktionieren, wenn beliebige Nutzer auf der ganzen Welt damit anfangen, ihre eigenen 3-D-Inhalte ins Netz zu stellen. Sie erwarten dann, dass diese sofort realistisch aussehen und ohne komplizierte Tricks einfach funktionieren", sagt Computergraphik-Experte Slusallek. Er sieht daher gerade im 3-D-Internet die Zukunft der Ray-Tracing-Technologie.

(Uni Saarland)