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| Di, 11.05.2010 09:37

Mit partizipativem Design zu neuen Produktlösungen

Die Palette nützlicher Hilfsmittel für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist groß. Doch viele der auf dem Markt erhältlichen Produkte bieten nur eine funktionelle Hilfe. Meist fehlt es an der Ergonomie, an Wirtschaftlichkeit und Ästhetik. Mit einer Gruppe Studierender hat sich Dr. Jürgen Held, Professor für Ergonomie an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd, dieser Problematik angenommen. Das Ergebnis ist eine Reihe sehr innovationsträchtiger Lösungen, die helfen, alltägliche Hürden leichter zu meistern.

Behindertenhilfe: Ein Spezialkissen als Lesehilfe im praktischen Einsatz (Foto: HfG Gmünd)

Behindertenhilfe: Ein Spezialkissen als Lesehilfe im praktischen Einsatz (Foto: HfG Gmünd)


Ausgangspunkt hierfür war im vergangenen Jahr eine Initiative der Behindertenhilfe gGmbH des Evangelischen Johannesstift (EJS) in Berlin, die die HfG Schwäbisch Gmünd in einem Bewerbungsverfahren unter zehn weiteren Hochschulen als Partner auswählte. Für viele der entstandenen Produktentwürfe sind nun von der Behindertenhilfe europaweit Schutzrechte angemeldet worden, um in absehbarer Zeit auch in Produktion zu gehen.

Zahnpasta auf die Zahnbürste auftragen ist für die meisten Menschen eine Kleinigkeit. Doch wer dies einmal mit einem verstauchten Handgelenk oder einem gebrochenen Arm probiert hat, weiß, wie ein einfacher Handgriff plötzlich zur unüberwindbaren Schwierigkeit werden kann. Menschen, die mit körperlichen Einschränkungen leben müssen, sind daher auf entsprechend gestaltete Hilfsmittel angewiesen. Dies betrifft alle Lebensbereiche, zeigt sich aber besonders häufig bei alltäglichen Verrichtungen wie der Hygiene, beim Einkaufen, dem Zubereiten und Verzehr von Mahlzeiten oder dem Lesen eines Buches.

Um benutzergerechte, gleichzeitig ästhetisch ansprechende Produktlösungen zu entwickeln, arbeiteten die HfG-Studierenden mit partizipativen Designmethoden. Hier erhalten vor allem auch die zukünftigen Benutzer eines Produkts Gelegenheit, an der Konzeption und Ausarbeitung mitzuwirken.

Eine ganze Woche verbrachten die HfG-Studierenden im Evangelischen Johannesstift in Berlin zusammen mit den körperbehinderten Menschen, um in einem intensiven Wechselspiel von Beobachten und Miterleben, der gezielten Visualisierung und dem Rückspiegeln der Beobachtungen ein Gespür für die Schwierigkeiten des Behindertenalltags zu erlangen. Sie begleiteten Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen, Essen oder Waschen und waren auch bei den Freizeitaktivitäten mit dabei. Im darauf folgenden Prozess integrierten die Nachwuchs-Produktgestalter der HfG ihre Zielgruppe als Co-Entwickler und erarbeiteten mit ihnen gemeinsam anhand von Modellen und Prototypen neue Lösungen.

Unter den Produkten, die nun als Gebrauchs- bzw. Geschmacksmuster angemeldet wurden, sind:

PariPassu – Essbesteck und Service, das ergotherapeutische Lerneffekte sowie eine flexible Anpassung und Ästhetik vereint.

Grip – Vierlfältig einsetzbare Greifhilfe, die sich zusammengeschoben leicht verstauen und überall mitnehmen lässt.

Primo – Kompakte, gut verschließbare kleine Tasche für Wertsachen, die am Oberschenkel befestigt wird und dem Rollstuhlfahrer mehr Freiheit und Mobilität bietet.

JIM – Falttablett, dass dem Rollstuhlfahrer auf elegante Weise ermöglicht, gemeinsam mit anderen Menschen am Tisch zu sitzen und zu essen.

Kissenkult – Spezialkissen als Lesehilfe zum Aufstellen von Büchern und um das Umblättern und Lesen im Sitzen oder Liegen zu erleichtern.

(Redaktion/HfG)