Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Di, 04.01.2011 08:23

Mittelständische Betriebe in Baden-Württemberg wollen mehr einstellen und investieren

Der Aufschwung im baden-württembergischen Mittelstand setzt sich im kommenden Jahr 2011 mit etwas verminderter Dynamik weiter fort. Das BDS-Mittelstandsbarometer steigt auf ein Allzeithoch. Das sind die Ergebnisse einer Konjunkturumfrage zum Jahreswechsel des Bundes der Selbständigen Baden-Württemberg (BDS) unter 756 Unternehmen. Demnach blicken viele kleine und mittlere Unternehmen auf ein exzellentes Geschäftshalbjahr zurück. Auch die Erwartungen fürs kommende Halbjahr sind optimistisch. Entsprechend wollen zahlreiche Betriebe neue Mitarbeiter einstellen und mehr investieren.


Der Umfrage entsprechend bewerten rund 38 Prozent der befragten Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als gut. 48 Prozent sind immerhin zufrieden, nur noch 14 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Damit überwiegt der Anteil derjenigen Unternehmen, die mit der aktuellen Geschäftsentwicklung zufrieden sind, wieder deutlich.

Etwas zurückhaltender sind die Aussichten für das erste Halbjahr 2011. Hier erwarten bis zur Jahresmitte rund 35 Prozent eine gute Geschäftsentwicklung. Dem stehen 15 Prozent der Befragten gegenüber, die schlechte Erwartungen in die erste Jahreshälfte 2011 haben. 50 Prozent erwarten einen befriedigenden Verlauf im ersten Halbjahr 2011.

Das BDS-Mittelstandsbarometer, das die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen der Mittelständler zusammenfasst, ist insgesamt von ‚plus 18,9' Punkte auf ein Allzeithoch von ‚plus 21,3' Punkten gestiegen.

Nach der allgemeinen Wirtschaftslage befragt, bewerten diese 11 Prozent der Betriebe als schlecht, während 36 Prozent sie als gut einschätzen. Die Mehrheit der Befragten (53 Prozent) beurteilt die gefühlte wirtschaftliche Grundstimmung als befriedigend.

"Der Aufschwung ist nun auf breiter Basis im Mittelstand angekommen. Die meisten Mittelständler haben eine sehr gute derzeitige Geschäftslage und werden auch im kommenden Jahr diese gute Entwicklung halten können. Dass die Dynamik des Aufschwungs im kommenden Jahr nachlässt, ist normal. Denn dadurch werden Probleme, die aus konjunktureller Überhitzung resultieren, vermieden. Wichtiger ist es, nun den Aufschwung nachhaltig zu sichern", kommentierte BDS-Präsident Günther Hieber die Ergebnisse. "Entscheidend ist dabei, dass die Politik, die durch die gute Konjunktur zu erwartenden Steuermehreinnahmen, für eine Steuerstrukturreform nutzt, die weiter geht als die bisherigen Vorschläge. Wichtig sind dabei zum einen Steuervereinfachungen. Zum anderen brauchen die Betriebe nach der substanzzehrenden Krise wieder die Möglichkeit, eine gesunde Eigenkapitaldecke aufzubauen", so der Fachanwalt für Steuerrecht.

Im Branchenvergleich liegen erstmals seit langer Zeit alle Branchen im positiven Bereich, allerdings auf unterschiedlichem Niveau und mit leicht unterschiedlichen Tendenzen. Bei Dienstleistern, Freien Berufen und in der Industrie geht die Entwicklung weiter nach oben. Besonders erfreulich ist die gute Aufwärtsentwicklung im Einzelhandel, der viele Jahre das Sorgenkind des Mittelstandes war. Auch blicken die Händler optimistisch ins kommende Jahr und hoffen, vom allgemeinen Aufschwung sowie möglichen Lohnsteigerungen der Konsumenten profitieren zu können. Auch im Handwerk ist die konjunkturelle Situation weiterhin positiv, allerdings jahreszeitlich bedingt mit leicht abgeschwächter Entwicklung im Vergleich zum Sommer.

Im Vergleich der Unternehmensgrößen gilt: Je größer die Unternehmen, umso besser die derzeitige Geschäftslage. Auch die Zukunftserwartungen für die kommenden Monate sind bei den großen Mittelständlern am besten, während die Einzelunternehmen ohne Mitarbeiter eher zurückhaltend optimistisch sind. 44 Prozent der größeren Mittelständler mit zwischen 50 und 250 Mitarbeitern bewerten die Aussichten als gut, nur rund 9 Prozent als schlecht. Insgesamt zeigt sich, dass die größeren Unternehmen zwar von der Krise am meisten betroffen waren, nun aber von der konjunkturellen Erholung auch am meisten profitieren werden. Je kleiner die Unternehmen hingegen sind, umso weniger spüren sie die Ausschläge des konjunkturellen Auf und Ab.

Der Mittelstand war in der zurückliegenden Krise der Garant für einen stabilen Arbeitsmarkt. Auch im letzten Halbjahr war die Beschäftigungssituation sehr konstant. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Mitarbeiterzahl reduziert haben (15,2 Prozent), lag nur unwesentlich unter der Zahl der Betriebe, deren Mitarbeiterzahl zugenommen hat (13,3 Prozent). Nur rund 12 Prozent der Befragten mussten dabei Mitarbeiter betriebsbedingt kündigen. Im kommenden Halbjahr wird die Zahl der Mitarbeiter voraussichtlich in über drei Viertel der Betriebe konstant bleiben. Die Zahl derjenigen, die eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl ankündigen, geht auf knapp 10 Prozent zurück. 13,6 Prozent der Betriebe planen steigende Mitarbeiterzahlen. Das Barometer steigt um zwei Punkte auf ‚plus 3,6'. Daher ist im Mittelstand insgesamt mit einer weiteren Erhöhung der Mitarbeiterzahl zu rechnen.

In der Krise haben zahlreiche Unternehmen auf nicht notwendige Investitionen verzichtet. Nun ist die Zahl der Unternehmen, die ihre Investitionen verringern wollen, mit 19,4 Prozent im Vergleich zum Sommer (27,6 Prozent) erneut weiter gefallen. Hingegen wollen nun gut 21,2 Prozent der Unternehmen wieder mehr investieren (Sommer: 16,1 Prozent). Über die Hälfte der befragten Unternehmen planen, ihre Investitionen auf dem bisherigen Niveau zu halten. Das BDS-Mittelstandsbarometer ‚Investitionen' steigt von minus 11,5 auf plus 1,7 Punkte und damit erstmals in den positiven Bereich. Die langfristige Tendenz des Investitionsbarometers deutet auf eine steigende Investitionsbereitschaft und einen Investitionsschub im Mittelstand hin.

(Redaktion)