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KMU & Freiberufler | Mo, 12.11.2012 11:13

Mittelständische Transaktionen sind im Aufwind – Warum, wann und wie verkaufen?

Von: Matthias Tröger

Die letzte große M&A-Welle im Jahr 2004 fand mit der Lehman-Krise ihr Ende. Bereits im Jahr 2010 jedoch war wieder ein Aufbruch im M&A-Markt (Mergers & Aquisitions) zu verzeichnen. Mit der Euro-Krise hat sich die aktuelle Stimmung vor allem in Europa eingetrübt. Ein Abbruch der erwarteten neuen Übernahmewelle ist jedoch unwahrscheinlich. Potenzial und hohe Aktivität für Transaktionen in Deutschland ist ganz aktuell zu verzeichnen. Vornehmlich der Mittelstand steht im Fokus, z. B. die sich seit der Krise im Aufwind befindliche Bauindustrie, der Alten- und Pflegeheimbereich und nach wie vor die Energiebranche.


Marktbeobachtungen in der Vergangenheit haben gezeigt: Große M&A-Wellen brandeten unmittelbar nach einer krisenhaften Erschütterung des Wirtschaftsmarktes auf. Nach Börsencrashs und extremer Kapitalvernichtung stabilisierten sich Finanz- und Wirtschaftsmärkte erneut. Das wieder gewonnene Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Unternehmen mündete in einen Anstieg der Transaktionen. Aktuell sind vor allem auf den „unreifen Märkten“ Konzentrationstendenzen spürbar. Das betrifft Märkte mit vielen kleinen Teilnehmern und zunehmendem Wettbewerb. Beispielhaft für solche fragmentierten Märkte stehen Zeitarbeitsfirmen, Alten- und Pflegeheime sowie das Handwerk.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf?

Manchmal ist der kleinere Mittelstandsbetrieb nicht mehr konkurrenzfähig, manchmal ist die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie ungeklärt. In beiden Fällen lohnt es sich, frühzeitig über einen Verkauf nachzudenken, denn es soll ein Lebenswerk fortgeführt und bei einer Veräußerung ein adäquater Preis erzielt werden. Doch welcher Zeitpunkt ist der richtige für den Verkauf des Unternehmens?  Zur Beurteilung ist es wichtig, die jeweilige Branchensituation und deren Tendenzen zu kennen.  Aber auch firmeninterne Faktoren sind von Bedeutung. Es gilt beeinflussbare Aspekte wie die persönliche Seite des Unternehmers und das Unternehmen selbst zu untersuchen. Aber auch nicht beeinflussbare Aspekte wie die globale Konjunktur sollten genau unter die Lupe genommen werden, um den rechten Augenblick für eine Transaktion zu bestimmen.

M&A-Professionals mit vielen Jahrzehnten Erfahrung können sich dem makroökonomisch richtigen Zeitpunkt zumindest annähern. Dabei läuft die stetige Marktbeobachtung parallel zur systematischen Vorbereitung. Ist diese nach einer Vorlaufzeit von etwa zwei bis drei Jahren abgeschlossen, steht, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist,  einer erfolgreichen Transaktion nichts mehr im Wege.

Was ist zu tun? Unter anderem werden die Finanzen optimiert, die Organisation transparent gestaltet und das Management, auch ohne den Unternehmer, stabil aufgestellt. Nur dann kann ein potenzieller Käufer das Unternehmen verstehen und das Risiko einer Übernahme bewerten.  Und  ein risikoarmes Unternehmen wird auf dem Markt immer einen höheren Preis erzielen.

Bedauerlicherweise sind nicht alle Situationen planbar. Sollte ein Unternehmer nicht mehr handlungsfähig sein, könnte eine Transaktion die einzige Lösung sein, um das Überleben des Unternehmens zu sichern - auch wenn zu diesem Zeitpunkt die Bedingungen des Marktes nicht optimal sind. Insoweit stellt präventive Transaktionsvorbereitung aktives Risikomanagement dar. Für die Zukunftssicherung eines Unternehmens ist sie von elementarer Bedeutung und damit eine der vornehmsten Aufgaben eines Unternehmers.

Zum Autor: Matthias Tröger ist geschäftsführender Gesellschafter der seneca Corporate Finance GmbH. Zuvor war er geschäftsführender Partner im Corporate Finance Bereich einer großen internationalen Prüfungsgesellschaft und in der Industrie tätig. Seine Schwerpunkte sind die Transaktionsberatung beim Kauf und Verkauf von Unternehmen, Nachfolgeberatung, Unternehmensbewertung, Sonderprüfungen (Due Dilligence) und Unternehmensfinanzierungen wie Private Equity. Weitere Informationen stehen unter www.seneca-cf.de zur Verfügung.