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Wirtschaft | Mi, 28.07.2010 10:09

Mittelstandsbericht für Baden-Württemberg: Stetige Zunahme mittelständischer Betriebe im Land

Die mittelständische Wirtschaft gewinnt in Baden-Württemberg weiter an Bedeutung. „Trotz der schweren Rezession hat die Wirtschaft im Land weder ihre Innovations- und Leistungskraft verloren noch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Der Garant für diese hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist unser Mittelstand, dessen Unterstützung ein Grundpfeiler unserer Wirtschaftspolitik bleibt“, betonten Ministerpräsident Stefan Mappus und Wirtschaftsminister Ernst Pfister anlässlich der Behandlung des Mittelstandsberichts 2010 im Kabinett.

Ministerpräsident Stefan Mappus (rechts) und Wirtschaftsminister Ernst Pfister (links) am Dienstag, 27. Juli 2010, bei der Regierungspressekonferenz im Landtag in Stuttgart. (Foto: StM)

Ministerpräsident Stefan Mappus (rechts) und Wirtschaftsminister Ernst Pfister (links) am Dienstag, 27. Juli 2010, bei der Regierungspressekonferenz im Landtag in Stuttgart. (Foto: StM)


Der Mittelstandsbericht informiert über die Entwicklung der mittelständischen Wirtschaft in den letzten fünf Jahren, die mittelstandsrelevanten Leistungen des Landes und die Verwendung von Fördermitteln. Außerdem beinhaltet er einen Ausblick auf zukünftige Themen und Herausforderungen der Mittelstandspolitik. Laut Bericht flossen in den Jahren 2005 bis 2009 insgesamt rund 560 Mio. Euro in die Mittelstandsförderung. Schwerpunkte waren dabei die berufliche Qualifizierung, die Förderung von wirtschaftsnaher Forschung und technischer Entwicklung sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Kapitalversorgung kleiner und mittlerer Unternehmen. Nicht eingerechnet sind hierbei Maßnahmen, die dem Mittelstand mittelbar zugute kommen, wie die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder der Ausbau der Verkehrs-, Bildungs- und Forschungsinfrastruktur.

Pfister wies darauf hin, dass die Zahl der mittelständischen Betriebe mit weniger als 500 Beschäftigten zwischen 2005 und 2009 in Baden-Württemberg um rund 7.200 zugenommen habe. Die Zahl der Beschäftigten im baden württembergischen Mittelstand stieg im gleichen Zeitraum um gut 105.000 Personen.  Damit gab es 2009 477.153 kleine und mittlere Unternehmen im Südwesten. Diese kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigen knapp 2,3 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitskräfte und stellen damit 63,2 Prozent der Arbeitsplätze im Südwesten. 2009 erwirtschafteten sie annähend 773 Milliarden Euro Umsatz und damit 57,9 Prozent des gesamten Umsatzes.

Zur Bewältigung der Wirtschaftskrise hatte die Landesregierung ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt. Dazu zählt der Ausbau der Infrastruktur über das Infrastrukturprogramm des Landes und das Konjunkturprogramm des Bundes. Mit diesen beiden Programmen werden in den Jahren 2009 und 2010 über zwei Milliarden Euro für die Modernisierung der baden-württembergischen Infrastruktur eingesetzt, davon 848 Millionen Euro von Land und Kommunen. Eine besondere Rolle kommt in der Krise der Sicherung der Mittelstandsfinanzierung zu. Daher wurden die Bürgschafts-, Garantie- und Kreditprogramme des Landes deutlich ausgeweitet, um die Kapital- und Kreditversorgung gerade der kleinen und mittleren Unternehmen stützen. So wurde der Bürgschaftsrahmen für Unternehmenskredite von 150 Millionen Euro in zwei Schritten auf 1,2 Milliarden Euro erhöht. Eine weitere Maßnahme, um die Unternehmen bei der Krisenbewältigung zu unterstützen, ist das Förderprogramm zur Krisenberatung. Mit diesem Programm fördert die Landesregierung eine kurzfristige Beratung von bis zu vier Beratungstagen, auf die im akuten Krisenfall schnell und unbürokratisch zurückgegriffen werden kann. Im Jahr 2009 konnten mit diesem Programm über 350 Mittelständler mit insgesamt mehr als 500.000 Euro unterstützt werden. Das Programm wird auch im Jahr 2010 fortgeführt.

Im Hinblick auf die nachhaltige Stärkung der Leistungsfähigkeit und der Innovationskraft der mittelständischen Unternehmen ist die Sicherung des Fachkräfteangebots von entscheidender Bedeutung. Die fortschreitende technologische Entwicklung und internationale Verflechtung der Wirtschaft führen zu einem wachsenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Zugleich zeichnet sich aufgrund der demografischen Entwicklung ein verschärfter Fachkräftemangel ab. Deshalb hat das Wirtschaftsministerium bereits im Jahr 2007 eine Initiative zur langfristigen Sicherung des Fachkräfteangebots für die Betriebe und Firmen in Baden-Württemberg gestartet. Die Fachkräfteinitiative umfasst im Wesentlichen die Verstärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung, die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von älteren Erwerbspersonen, von Frauen und von Menschen mit Migrationshintergrund, die Erleichterung der Zuwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften und die Steigerung der Absolventenzahl in den technischen Berufen, insbesondere in den Ingenieurberufen.

Speziell für kleine und mittlere Unternehmen wurden im Berichtszeitraum verschiedenen Fördermaßnahmen ergriffen, damit diese noch stärker auf Forschung, Entwicklung und Innovation setzen: Baden-Württemberg ist das erste Bundesland, das seit dem Frühjahr 2008 Innovationsgutscheine an kleine und mittlere Unternehmen ausgibt. Mit Hilfe dieser Gutscheine können sich Unternehmen bei Innovationsprojekten Unterstützung am nationalen und internationalen Forschungsmarkt einkaufen. Das Programm erfreut sich einer großen Nachfrage. Bislang wurden rund 1.000 Innovationsgutscheine vergeben. In der Förderperiode 2007 - 2013 des Europäischen Sozialfonds (ESF) hat das Wirtschaftsministerium zudem das Förderprogramm Coaching aufgelegt. Damit wird die Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen im Zusammenhang mit einem Innovationsvorhaben, einer Kooperation, der Reduzierung des Energieverbrauchs, der Anpassung an den demografischen Wandel und Unternehmensübergaben gefördert. Auch dieses Programm wird von den Unternehmen stark in Anspruch genommen. So wurden bisher allein im Bereich Innovation über 800 Coachings gefördert. „Die starke Inanspruchnahme dieser Programme stimmt mich sehr zuversichtlich. Sie verdeutlicht, dass die Unternehmen im Lande auch in Krisenzeiten in Innovationen investieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu verbessern“, so der Wirtschaftsminister.

Die sektorspezifischen Maßnahmen der Landesregierung zielen einerseits auf die Stärkung der traditionellen Branchen wie das Handwerk, den Handel oder die mittelständische Automobilzulieferindustrie. Andererseits geht es darum, neue, zukunftsträchtige Branchen bei ihrer Entwicklung zu fördern und Schlüsseltechnologien wie die Mikrosystemtechnik, die Umwelttechnologie oder faserbasierte Werkstoffe zu fördern. Eine besonders gewichtige Rolle kommt im Automobilland Baden-Württemberg dem Thema Elektromobilität zu. Ziel des Landes ist es, den mit der Elektromobilität verbundenen Technologie- und Strukturwandel im Bereich der Fahrzeugtechnik und Infrastruktur aktiv zu begleiten, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern. Daher wurde in Baden-Württemberg 2009 ergänzend und aufbauend auf bereits laufenden und initiierten Maßnahmen eine Landesinitiative zur Förderung der Elektromobilität gestartet, für die in den nächsten fünf Jahren 28,5 Millionen Euro an Landesmitteln vorgesehen sind.

Mappus abschließend: „Seit Jahresmitte 2009 befindet sich die Weltwirtschaft auf einem Erholungskurs, und auch die baden-württembergische Wirtschaft hat zum Jahreswechsel 2009/2010 wieder Tritt gefasst und arbeitet sich aus der Krise heraus. Mit den vielfältigen Maßnahmen der Mittelstandsförderung trägt die Landesregierung dazu bei, dass unsere kleinen und mittleren Unternehmen gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervorgehen und in eine erfolgreiche Zukunft blicken können.“

(Redaktion/StM)